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Ostsee-Pipeline - Deutschneudorf stellt sich quer

Die Gemeinderäte haben den Vertrag mit der Firma Gascade vorerst abgelehnt. Sie hatten höhere Gegenleistungen erwartet.

Von Christoph Pengel
erschienen am 13.09.2017

Deutschneudorf. Rund 3500 Euro. Das ist die Summe, die Deutschneudorf dafür erhalten soll, dass die Firma Gascade ab Mitte 2018 den Boden im Ort aufreißt, um einen Teil der Ostsee-Pipeline zu verlegen. So steht es in dem Vertrag, der in der jüngsten Ratssitzung zum Beschluss stand. Und einige Räte verwunderte.

Denn bereits im November 2016 hatten sie sich mit Bürgermeisterin Claudia Kluge (FDP) darauf geeinigt, Forderungen zu formulieren und an Gascade zu richten - als Ausgleich nicht nur für den Leitungsbau, sondern vor allem für die Gasdruckstation, die wohl an der Bergstraße entstehen wird. Zwar baut Gascade die Anlage nach jetzigem Stand auf einem Privatgrundstück. Aus Sicht der Räte reicht die Entschädigung über 3500 Euro jedoch bei weitem nicht aus.

Hans-Jürgen Scholz war der Erste, der in der Sitzung an den Plan erinnerte. Claudia Kluge sagte, sie habe bei Gascade nachgefragt, ob etwas rauszuholen sei. "Geht nicht", soll die Firma geantwortet haben. Alle von der Pipeline betroffenen Kommunen - von der Ostsee über Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen - müssten mit dem gleichen Grundpreis pro Leitungsmeter leben. Scholz wollte das nicht akzeptieren: "Die machen ein Riesengeschäft, und wir lassen uns abspeisen."

Jens Wagner schlug vor, einen Anwalt zu konsultieren - eine Idee, von der Kluge zunächst nicht begeistert war: "Das kostet wieder Geld." Zudem sei Gascade der Gemeinde bereits entgegengekommen, als die Frage nach dem Standort der Gasdruckanlage verhandelt wurde. Tatsächlich hatte die Firma ursprünglich den Kupferweg ins Auge gefasst. Doch weil Anwohner dagegen protestieren, rückte Gascade von diesen Plänen ab. Der Vorschlag, an der Bergstraße zu bauen, stammt von Bürgern.

Für Thomas Seitz, den stellvertretenden Bürgermeister, ist das jedoch kein Grund, von Forderungen abzusehen. Dass Bewohner bei so einem Projekt miteinbezogen werden, hält er für selbstverständlich. "Dafür muss ich nicht dankbar sein." Am Ende ließ sich Kluge umstimmen. "Wir sollten uns nochmal kundig machen." Alle Räte sprachen sich gegen den Vertrag aus.

Was Deutschneudorf von Gascade nun konkret verlangen soll, blieb allerdings offen. Über die Forderungen, die Kluge bereits gestellt hat, wollte sie nichts sagen. Vor Monaten hatte sie angedeutet, es sei denkbar, dass die Firma Vereine im Ort unterstützt oder Straßen erneuert. Einen Löschteich, den Gascade ohnehin bauen müsse, könnte auch die hiesige Wehr nutzen.

Darüber hinaus ist unklar, ob sich Gascade überhaupt auf weitere Zugeständnisse einlässt. Zwar würden Eigentümer und Bewirtschafter von Flächen entschädigt, sagte Firmensprecher Georg Wüstner. "Auch Straßen und Wege versetzen wir nach dem Bau wieder in den ursprünglichen Zustand." Und nicht zuletzt könne die Gemeinde mit Gewerbesteuern rechnen.

Aber: "Da wir ein Ferngasnetz von mehr als 2400 Kilometern betreiben, ist es für uns wichtig, alle Gemeinden gleich zu behandeln." Mit anderen Kommunen habe Gascade keine derartigen Probleme. "Gleichzeitig gehen wir nochmals aktiv auf die Gemeinde zu, um uns über den Vertrag auszutauschen." Claudia Kluge kündigte an, einen Vertreter der Firma nach Deutschneudorf einzuladen: "Wir werden nichts unversucht lassen."

 
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