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Die Erzieherinnen Jana Schaub (hinten links) und Petra Pohlers konzentrieren sich im Marienberger Knirpsenhaus auf besonderer Weise auf die Sprachentwicklung der Kita-Kinder.

Foto: Jan Görner

Pädagogen vermitteln Kindern den "Schlüssel zur Welt"

Die Kita Knirpsenhaus in Marienberg hat sich auf ein besonderes Profil spezialisiert: die Sprache. Die werde in der Gesellschaft immer häufiger vernachlässigt, sagt die Expertin.

Von Patrick Herrl
erschienen am 13.09.2017

Marienberg. Ein Wort, das ein Kind nicht spricht, ist ein Gedanke, der nicht gedacht wird. Kita-Leiterin Gabriele Anders betont aus gutem Grund die Bedeutung der Sprache für die kindliche Entwicklung. Denn im Knirpsenhaus wird seit Jahren genau darauf besonders viel Wert gelegt. Nun nimmt die Marienberger Einrichtung, die sich in Trägerschaft der Kinderwelt Erzgebirge befindet, nach 2007 und 2012 erneut an einem bundesweiten Förderprogramm teil.

"Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" heißt das Projekt, bei der die Marienberger für drei Jahre mit zwei zusätzlichen Fachkräften bei der sprachlichen Bildung unterstützt werden. "Jedes Kind verdient gleiche Bildungschancen", sagt Anders. Ihre Erzieherinnen Jana Schaub und Petra Pohlers sind als Sprachkompetenztrainer speziell geschult, werden von einer Fachberatung betreut, treffen sich regelmäßig mit anderen Pädagogen und nehmen an Weiterbildungen teil, um stets auf dem neuesten Stand zu sein.

Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos), der dem Knirpsenhaus das Zertifikat überreichte, lobte die gute Arbeit der Erzieherinnen in den vergangenen Jahren und unterstrich die Bedeutung der richtigen Sprachentwicklung von Kindern: "Im Zeitalter digitaler Geräte wird das oft vernachlässigt." Das bestätigt Jana Schaub. Handys beispielsweise können das Leben nicht nur einfacher, sondern auch stressiger und hektischer machen und beeinflussen auch die Sprachentwicklung der Kinder. Schaub arbeitet seit 1987 in der Kita, sagt, dass statistisch mittlerweile jedes vierte Kind in Deutschland sprachauffällig ist. Ohnehin sei die Vielfalt der Worte kleiner geworden.

Gründe für Sprachdefizite gäbe es viele. "Es fängt oft mit den kleinen Dingen an. Früher hat man den Kinderwagen so eingestellt, dass man sein Kind beim Schieben anschaut und mit ihm spricht. Heute sehe ich es immer öfters, dass der Blick der Kinder in Fahrtrichtung geht", sagt die Pädagogin. 20 Stunde pro Woche kümmern sich Jana Schaub und Petra Pohlers ausschließlich um das Sprachprojekt an der Kita. In kleineren Gruppen und in Einzelgesprächen werden Spätsprecher gezielt gefördert. Auch Wortschatzangebote helfen, Rückstand aufzuholen. "Wir legen genauso Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern, beraten sie, wie sie unauffällig Fehler ihrer Kinder korrigieren. Sprachentwicklung ist bei jedem Anlass möglich", betont Schaub.

Eines kann die Kita aber nicht: "Wir ersetzen keine Logopädie", sagt Leiterin Gabriele Anders. Daher arbeitet die Einrichtung gezielt mit Logopäden und Ärzten zusammen, hat sich so in den vergangenen Jahren ein Netzwerk aufgebaut, um sprachauffällige Kinder fit zu machen. Fit zu machen für den bevorstehenden Alltag an den Schulen. Denn schließlich sei die Sprache der "Schlüssel zur Welt".

 
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