Sein Leben widmete er der regionalen Geschichte und Kunst

Mit 85 Jahren ist Werner Spickenreuther gestorben. Der Lauterbacher war einer der besten Kenner der Region beiderseits der Grenze. Zu Fuß hatte er sie stets erkundet.

Lauterbach.

Er war ein Mensch mit einem unheimlichen Wissen, stets gewissenhaft und akkurat - das sagen die, die Werner Spickenreuther kannten. Vor wenigen Tagen ist der Lauterbacher im Alter von 85 Jahren gestorben. Heute findet seine Beerdigung statt.

Werner Spickenreuther war einer der besten Kenner der Region. In Sachen Geschichte, Kultur und historischen Gebäuden machte ihm so schnell keiner etwas vor. In zahlreichen Büchern hatte der ehemalige Lehrer und Denkmalpfleger sein Wissen niedergeschrieben. Zu seinen Werken zählen die dreibändige Ausgabe der Zeittafel "Zur Geschichte der Städte und Gemeinden im Mittleren Erzgebirgskreis", die er zusammen mit Siegfried Pach herausgab, das Grenzen überwindende Buch "Museen in der Euroregion Erzgebirge/Krušnohoří" sowie "Erzgebirgische Wehrgangskirchen", eine Schrift, die zahlreiche Neuauflagen erlebte.

1930 in Olbernhau geboren, wurde Werner Spickenreuther nach dem Abitur mit 18 Jahren Neulehrer an der späteren Ewald-Mende-Oberschule in Großolbersdorf. Insgesamt 36 Jahre unterrichtete er Geografie, Deutsch und Englisch - immer ohne Parteibuch, wie er ab und an betonte. 1958 heiratete der engagierte Heimatforscher seine Lieselotte, beide zogen nach Lauterbach.

Schon in Großolbersdorf hatte Spickenreuther begonnen, seine Umgebung zu erwandern und zu erforschen. Später in Lauterbach faszinierte ihn besonders die Wehrkirche des Ortes. Die Liebe für derartige Gotteshäuser ließ den Christen immer wieder über deren Historie forschen. Staatsgrenzen schüchterten den Lauterbacher dabei nicht ein. Stets galt sein Interesse auch den Denkmälern auf der böhmischen Seite. Prag, die Hauptstadt im Nachbarnland, war für ihn eine der schönsten Städte Europas.

Bald war der passionierte Wanderer Mitglied des Aktivs für Denkmalpflege beim Rat des Kreises Marienberg. Später engagierte er sich ehrenamtlich im Kulturamt des Landratsamtes. Dass heute in der Region noch so zahlreiche Fachwerkhäuser denkmalsgerecht hergerichtet sind, viele Bauten von der reichen Historie erzählen können, ist auch ein Verdienst von Werner Spickenreuther.

"Er hatte ein unheimliches Wissen in Sachen Kunst, Geschichte und Denkmäler", sagt Constanze Ulbricht, Leiterin der Marienberger Baldauf-Villa, über den Lauterbacher. "Er war fasziniert von Kunstwerken. Ich erinnere mich an eine Reise nach Dresden zu den Alten Meistern. Während mir nach dem langen Museumsbesuch langsam die Puste ausging, sprühte er immer mehr vor Energie. Er sog die Kunst förmlich auf, sie war seine Inspiration."

Fast jeden Winkel des Mittleren Erzgebirgskreises hatte Werner Spickenreuther zusammen mit seiner Frau erkundet. Wie viele Kilometer er dabei auf Schusters Rappen zurückgelegt hatte, konnte der Lauterbacher schon anlässlich seines 70. Geburtstages nicht sagen. Es müssen Tausende gewesen sein. Auf die Frage einer Journalistin, wie viele Schuhsohlen er zerlaufen habe, schmunzelte er schon damals. (mit jag/af)

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