Dorfgemeinschaftshaus als Ort der Begegnung und Erinnerung

Knapp ein Jahr nach Einweihung der neuen Schule geht Gornsdorf das nächste Großprojekt an. Die Vereine und Interessensgemeinschaften fiebern dem Umzug bereits entgegen.

Gornsdorf.

Achim Richter ist vorbereitet. Er hat schon Pläne gezeichnet für jene Räume im neuen Dorfgemeinschaftshaus von Gornsdorf, die Strumpfmuseum werden sollen. In dem 1881 erbauten Gebäude an der Hauptstraße - bis vor einem Jahr Grundschule des Ortes - werden künftig alle Vereine und Interessensgemeinschaften der Gemeinde zusammenfinden. "Wir freuen uns sehr. Wir werden mehr Platz für die Ausstellung haben und sind näher an der Strumpffabrik, die gegenüber an der anderen Straßenseite liegt", sagt der 76-Jährige, der sich um das Museum kümmert und dem Freundeskreis vorsteht -einem lockeren Kreis aus sieben Personen, die an die Bedeutung der Strumpfindustrie für Gornsdorfs Entwicklung erinnern.

Vor wenigen Wochen hat die Gemeinde die für den Umbau der alten Schule nötigen Fördergelder erhalten. 508.409,82 Euro fließen aus dem Topf "Vitale Dorfkerne". Damit kann das Vorhaben, das knapp 1,1 Millionen Euro kosten wird, losgehen. Erste grobe Pläne liegen schon vor. Zunächst wird der Sanitärtrakt an der Rückseite des Gebäudes abgerissen. Zudem müssen noch Schäden vom Hochwasser 2012, als der Keller unter Wasser stand, beseitigt werden. Im dortigen alten Werkraum sollen die Schnitzer ihr Reich bekommen.

Das jetzige Schnitzerheim hinter dem Bauhof muss Platz machen für die Erweiterung des Spielplatzes des Kindergartens. Es ist reif für den Abriss, davon kann auch Erich Brunner ein Lied singen. Er ist der Vorsitzende des Erzgebirgszweigvereins Gornsdorf, mit 60 Mitgliedern nach den Sportlern der zweitgrößte Verein im Ort. "Wir warten sehnsüchtig auf das neue Vereinsheim", sagt Brunner. Seine Sitzungen hält der Zweigverein noch im alten Schnitzerheim ab. Dort sei es beengt, es gebe keinen Wasseranschluss, so Brunner. "Wohl für jeden Verein ist das neue Dorfgemeinschaftshaus eine Verbesserung. Und wir einzelnen Vereine sind dann alle an einem Ort." Mit ihnen steht die Gemeinde in engem Kontakt, damit jeder seine Wünsche äußern kann. Der Erzgebirgszweigverein, unter dessen Regie etwa der Osterbrunnen, das Pfingsttreffen im Goethehain, das Pyramidenanschieben und die Pflege der Wanderwege fällt, wird im Obergeschoss Platz finden. "Über die genaue Aufteilung sprechen wir noch mit den Beteiligten", sagt Bürgermeisterin Andrea Arnold (CDU). Da könne sich noch die eine oder andere Wand verschieben und Räume mehrfach genutzt werden.

Fest steht, dass die Bibliothek ins Obergeschoss zieht, daneben wird ein Raum für eine Dauerausstellung namhafter Gornsdorfer Künstler wie Erich Weber eingerichtet. Auch die Chronik von Gornsdorf soll im Obergeschoss ihren Platz finden. Die Räume im Rathaus, die nach dem Auszug von Bibliothek und Strumpfmuseum frei werden, werden für das Archiv und für den Bauhof gebraucht. "Die Mitarbeiter haben derzeit einen Aufenthaltsraum in der alten Feuerwache, der vielleicht sechs Quadratmeter groß ist; ohne Toilette, Spinde und Duschen", betont Andrea Arnold.

Im Erdgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses entsteht ein etwa 80Quadratmeter großer Speiseraum für die Grundschüler, damit diese fürs Mittagessen nicht mehr bis zum Kindergarten laufen müssen. Andrea Arnold kann sich vorstellen, dass dort auch Vereinsfeiern stattfinden. Das frühere Lehrerzimmer wird zur Essensausgabe. Daneben entsteht der Fahrstuhl.

Der rechte Flügel im Erdgeschoss ist für das Strumpfmuseum reserviert. Auf etwa 125 Quadratmetern ist nicht nur mehr Platz für die Vitrinen und Wandbilder, die so übersichtlicher aufgestellt werden können, freut sich Achim Richter. Er plant eine Strumpfwirkerstube, die dank Fachwerk und angedeutetem Dach von außen wie ein kleines Häuschen wirkt. Innen sollen Nähmaschine, Ofen, Kulierstuhl und Spulrad andeuten, wie die Strumpfwirker zuhause gearbeitet haben. "Wir wollen nichts hinter Glas, wir wollen ein Museum zum Anfassen sein."

Baulich wird sich einiges verändern in dem fast 140 Jahre alten Gebäude. Die Elektrik wird ebenso erneuert wie die Dämmung, Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen, Türen und Fenster. Auch die Fassade wird frisch gemacht - geplant ist eine Anlehnung an die Farbgebung der neuen Schule nebenan. Diese Nähe sieht Bürgermeisterin Arnold als großes Plus. "Wir wollen mit dem Dorfgemeinschaftshaus einen Mittelpunkt der kulturellen Aktivitäten schaffen und durch die Nähe zur Schule das Interesse dafür bei den Kindern wecken." Denn mit dem Nachwuchs haben sie alle ihre Sorgen. Wenn alles nach Plan läuft und sich Baufirmen finden, so Andrea Arnold, wäre eine Übergabe an die Vereine Ende nächsten Jahres möglich.

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