Tschüss Umwelt: Salz soll Unkraut töten

Die Stollberger Kleingartenanlage Volksgesundheit ist mit etwa 250 Mitgliedern eine der größten in der Region. Ein Mitglied prangert nun ökologische Verstöße an. Der Kleingartenverband Aue/Stollberg will den Fall prüfen. Ist er strafrechtlich relevant?

Stollberg.

Fritz Peprny hat ein Herz für die Umwelt. Er sieht, welche ökologischen Fehler die Menschen machen - und er sieht die Folgen, die man nicht mehr sieht. "Ich habe früher mal vier Vogelkästen aufgestellt. Die waren immer besetzt. Aber mittlerweile sind alle leer, nicht mal Spatzen sind da. Und das in einer Gartensparte. Unglaublich." Ihn wundert es nicht mehr. "Es ist bekannt, dass in der Natur 80 Prozent der Insekten fehlen."

Peprny ist einer von etwa 250 Kleingärtnern der Stollberger Schreberanlage Volksgesundheit. Und einer, der Kritik übt. "Es wird hier immer wieder mit Salz und Essig gegen Unkraut auf den Hauptwegen unserer Anlage vorgegangen. Ich habe das angeprangert und dokumentiert. Aber offenbar interessiert es keinen." Einen schriftlichen Aufruf, Salz und Essig in der Küche zu lassen, wollte er in die Schautafel der Kleingartensparte aufhängen lassen. "Doch der Vorstand will nicht."

Dagegen will Peter Köhler den Fall rasch klären. Er ist der hauptamtliche Fachberater des Kleingartenverbandes Aue/Stollberg, der insgesamt 154 Vereine mit 6100 Mitgliedern vertritt. "Salz und Essig sind laut Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelverordnung schlicht nicht zulässig. Das, was Herr Peprny benennt, könnte sogar eine strafrechtliche Relevanz haben. Der Verein müsste eigentlich dagegen vorgehen", sagt Köhler.

Gerade bei möglichen Umweltsünden wird der Verband schnell hellhörig. "Früher wurden Kleingärtner gerne als die Giftmischer der Nation bezeichnet. Zum Glück konnten wir diesen Ruf verbessern. Und das soll so bleiben", sagt Lothar Fritzsch, der Geschäftsführer des Kreisverbandes. Die Handhabe einer Bestrafung habe der Verband selbst kaum. "Wir können anderen nicht kündigen, denn wir sind ja alle nur Pächter. Das kann nur der, dem der Grund und Boden gehört. Aber wir beraten und reden eindringlich mit den Mitglieder und Vorständen."

Deshalb schicke der Verband auch regelmäßig Fachberater zu Weiterbildungen an die Gartenakademie in Pillnitz. Im Jahr sind dort etwa 200 Leute, die von allen Kleingartenverbänden Sachsens kommen und sich in Lehrgängen informieren, auch zu Umweltfragen. Im Freistaat gibt es etwa 200.000 Mitglieder solcher Vereine, kein anderes Bundesland hat so viele.

Fritz Peprny hat seine Parzelle seit 1981. Seit Oktober 2017 kämpft er nun gegen Salz und Essig in der Siedlung. Doch für den Vorstandschef der Volksgesundheit, Jens Aurich, ist dieses Abtöten von Unkraut eher unproblematisch. "Salz und Essig sind Lebensmittel. Sie einzusetzen, ist derzeit nicht verboten. Einige wenige Mitglieder haben nicht immer die Zeit, die klassische Unkrautbekämpfung mit einem Gartengerät zu machen."

Hintergrund: Vor Jahren habe es, so Aurich weiter, einen Mehrheitsbeschluss in der Gartensparte gegeben, dass die Hauptwege von allen Gartennutzern von Unkraut freizuhalten sind - jeder vor seiner Parzelle auf seiner Seite, bis zur Mitte des jeweiligen Weges. Laut Aurich kommt da schon grob geschätzt ein Kilometer Weg zusammen, der ordentlich aussehen soll. Das sei viel Arbeit, so der Vorstand. "Aber es hat Erfolg. Die Wege sehen besser aus."

Dagegen kämpft Peprny weiter gegen Chemikalien aller Art in der Sparte - und für Igel, Vögel, Kröten, Salamander und Insektenhotels. "Mit Unterschrift haben wir alle erklärt, dass wir Mitgestalter in einem System sein wollen, welches das biologische Gleichgewicht erhält."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...