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Im Begegnungszentrum Dürer ging die umstrittene Veranstaltung über die Bühne.

Foto: Jens Uhlig

Umstrittener Burattino-Auftritt: Landkreis räumt Fehler ein

Das Kinder- und Jugendtheater musste am vergangenen Samstag bei der Gründungsfeier eines dubiosen Vereins auftreten. Auf die Theaterleitung wirft das kein gutes Licht. Künftig soll sorgsamer geprüft werden. Ist das die einzige Konsequenz?

Von Björn Josten
erschienen am 13.05.2017

Stollberg. Einen deutlichen Schuss vor den Bug der Theaterleitung und mehr Information für die Eltern sind die ersten Konsequenzen, die der Landkreis aus dem umstrittenen Auftritt des Burattino-Ensembles am vergangenen Samstag zieht. Rückblick: Die Kinder mussten - trotz Warnungen an die Verantwortlichen im Vorfeld - bei einer Vereinsgründungsfeier im Begegnungszentrum Dürer in Stollberg auftreten. Das hatte zu Kritik aus Ensemble- und Elternkreisen geführt, denn die Gruppierung "Unsere Heimat - unsere Zukunft" stehe zumindest in Verdacht, eine rechtsradikale Gesinnung zu vertreten, so der Vorwurf. Vorsitzender des genannten Vereins ist ein Lugauer, der bereits eine tragende Rolle bei den Nationalen Sozialisten Chemnitz (NSC) gespielt hat. Die Vereinigung ist 2014 vom Sächsischen Verfassungsschutz verboten worden.

Zu dem Auftritt und dem Krisenmanagement hatten sowohl die Theaterleiterin Annekathrin Rottstädt-Hänel als auch der Landkreis und der Kulturelle Bildungsbetrieb als Träger bis gestern geschwiegen. Die zentrale Erkenntnis einer internen Auswertung ist, dass eine Absage aus rechtsstaatlichen Gründen nicht erforderlich gewesen sei, "aber den Ängsten und Gefühlen von Ensemblemitgliedern und Eltern Rechnung getragen hätte". So schreibt es Jutta Leonhardt, Pressesprecherin des Landratsamtes, in einer nun vorliegenden Stellungnahme.

Zwar attestiert der Landkreis damit der Theaterleiterin Annekathrin Rottstädt-Hänel, keinen juristisch relevanten Fehler gemacht zu haben, alles richtig gemacht hat sie jedoch keineswegs. So habe sie die Brisanz dieses Veranstaltung unterschätzt, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises. Und weiter: "Die trotz vorgerückter Stunde eigentlich erforderliche Information des zuständigen Vorgesetzten durch die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters unterblieb." Der Beigeordnete Andreas Stark sah sich so am Samstag enormem Zeitdruck ausgesetzt und ließ die Veranstaltung über die Bühne gehen. Schlussendlich ohne Vorfälle.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Theaterleitung und Eltern ist dadurch auf die Probe gestellt worden. Und das nicht zum ersten Mal. Bereits beim anstehenden Umzug ins Dürer hatte die Theaterleitung sie ungenügend informiert. Eine Einbeziehung der Eltern in die Entscheidung zum Auftritt sei wünschenswert gewesen, stellt der Kulturelle Bildungsbetrieb jetzt klar. Angesichts des knappen Zeitrahmens sei das an besagtem Samstag nicht mehr möglich gewesen.

Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hingegen seien keine Verdachtsmomente bezüglich extremistischer Gesinnung im Verein "Unsere Heimat - unsere Zukunft" ersichtlich gewesen, stellt Leonhardt klar. Offizielle Informationen von staatlichen Stellen, wie Polizei oder Verfassungsschutz, seien zudem nicht verfügbar gewesen.

Das Landratsamt ist offenkundig mit dem Krisenmanagement der Theaterleitung nicht zufrieden und beschränkt deren Freiheit bei Vertragsabschlüssen: Vertragspartner müssen künftig genauer geprüft und die Eltern umfassender informiert werden. Sie werden bei Auftritten nicht mehr nur über das "Wo? Was? und Wann?" informiert, sondern auch über das "Für wen?".

 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 13.05.2017
    13:53 Uhr

    1953866: Einen deutlichen Schuss vor dem Bug der Theaterleitung...
    Wie kann man nur so dreist die Tatsachen verbiegen? Worin besteht denn der "Schuss?" Aber ganz nebenbei erfährt der Leser: "Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hingegen seien keine Verdachtsmomente? ersichtlich gewesen"
    Und da sich das Ganze als Luftnummer herausgestellt hat, wird die olle Kamelle von der ?ungenügenden Information? der Theaterleitung im Zusammenhang mit dem Umzug hervor gekramt. Spätestens seit der Bürgerversammlung im Dezember2016 sollte auch der werte Herr Redakteur informiert sein.
    Unabhängig davon ist die Theaterleitung weder Eigentümer von BURATTINO, geschweige denn Besitzer der Immobile. Da waren zwecks Information zur Kündigung andere Institutionen zuständig.
    "Ist das die einzige Konsequenz?" Ich hoffe nicht. Als erste Konsequenz wäre mindestens eine Entschuldigung seitens des Redakteurs für die haltlosen Vorwürfe im Stil der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben fällig. Konsequenzen überlege ich mir auch. Nur die überwiegend ausgeglichene Berichterstattung der FP halten mich momentan noch davon ab?
    Eines muss ich dem Redakteur attestieren: Er schaufelt gerade erfolgreich weiter am Grab von BURATTINO
    Aber vorerst kann er sich ja als ehrenamtlicher Prüfer ?für wen?, also welche Person, Firma, Verein würdig ist Auftritte zu buchen, betätigen. Falls es noch Angebote für das Skandal- Kinder-und Jugendtheater gibt. Womöglich wird auch eine Stelle in der Theaterleitung frei. Das ist ja augenscheinlich der Sinn der Frage nach Konsequenzen und des beständigen Mobbings.
    Übrigens, "Vertragspartner müssen künftig genauer geprüft und die Eltern umfassender informiert werden. Sie werden bei Auftritten nicht mehr nur über das "Wo? Was? und Wann?" informiert, sondern auch über das "Für wen?".
    ist nach meinem Kenntnisstand ein Vorschlag der Theaterleitung. Unkenntnis des Redakteurs, oder wurde dieser Fakt bewusst weggelassen?

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