Fans lauschen vor allem den alten Liedern

Mit Renft und Wanderer haben am Samstag zwei Musiklegenden bis in die Nacht hinein in Großolbersdorf gespielt. Der Saal war bis zum Anschlag gefüllt.

Großolbersdorf.

Das Wort Legende wird gelegentlich arg strapaziert, ist aber in diesem Fall mehr als angebracht. Die Bands Renft und Wanderer können sich ohne weiteres als solche bezeichnen. Am Samstag standen sie zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne. "Der Wunsch, dass wir beide einmal zusammen spielen, ist uns von einem Chemnitzer angetragen worden", sagte Reinhard Griem, der bei Wanderer singt, Akkordeon, Mandoline und Geige spielt. Ein großer Saal wurde im Gasthaus "Zur Silberstraße" gefunden, der die mehreren hundert Besucher aufnehmen konnte.

Den Renft-Titel "Apfeltraum" spielten sowohl die Thalheimer Band Wanderer als auch Renft selbst. Wanderer war eine der Bands, die bis in die 1980er-Jahre hinein dem Verlangen nachkam, Songs der verbotenen Gruppe Renft live zu spielen. Dabei bewegten sich diese Gruppen auf einem schmalen Grat, zwischen den Wünschen der Musiker und Fans auf der einen Seite, Titel wie den "Apfeltraum" oder das "Gänselieschen" zu spielen und zu hören, und dem Argwohn der DDR-Staatsmacht auf der anderen Seite.

"Ich musste oft bei den Behörden antanzen, nach der Einladung 'Zwecks Klärung eines Sachverhaltes'", erinnert sich Reinhard Griem. Und so standen auch die jüngeren Gruppen oft genug haarscharf vor dem Auftrittsverbot, wenn die Texte zu kritisch wurden, oder wurden sogar aus dem Verkehr gezogen, wie die Zschopauer Mau-Mau-Band. Renft ereilte dies schon 1975, ihre Platten und Texte kursierten aber unter alten und nachwachsenden Fans.

Nicht die neuen Anhänger bildeten die Mehrzahl des Publikums in der Großolbersdorfer "Silberstraße", sondern die alten, in Ehren ergraut wie die Musiker selbst. Und sie kamen nicht nur aus der Region, das DDR-Phänomen, den Lieblingen hinterher zu reisen, ist auch weit nach der Wende zu beobachten. "Ich bin schon lange vor der Wende Fan von Renft gewesen und bin es bis heute geblieben", erzählte Gerd Fraulob aus Klingenberg bei Dippoldiswalde. Er trug am Samstag ein T-Shirt mit Renft-Aufdruck und brachte damit seine Verbundenheit mit der Kultband zum Ausdruck. "Die Puhdys konnten mir schon immer gestohlen bleiben, ich trage Renft im Herzen", sagte der 63-Jährige. Uwe Glöckner war begeistert über die Konstellation, Renft und Wanderer zusammen zu erleben. "Ich habe Renft vielleicht zehnmal gesehen, Wanderer bestimmt 50-mal. Ich verbinde mit deren Musik meine Jugendzeit. Sie waren wichtig, weil sie nicht DDR-konform waren", erzählte der Olbernhauer.

Von Renft ist auf den kommenden Konzerten vielleicht etwas Neues zu hören, verriet Thomas "Monster" Schoppe. "Wir setzen uns vielleicht im nächsten Jahr mal gemeinsam hin und schreiben ein paar neue Songs. Die alten Lieder werden aber immer Hauptbestandteil der Konzerte bleiben, die wollen die Leute hören", erzählte der Gitarrist und Sänger von Renft.

Die beiden Bands spielten am Samstag abwechselnd, mit Wanderer begann der Abend und er endete auch mit der Thalheimer Band gegen 1.30 Uhr in der Nacht.

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