Fehlender Frost erschwert Holzernte für Sachsenforst

Weicher Boden ist ein Problem für den Transport der Stämme zu den Sammelplätzen. Der milde Winter beeinträchtigt besonders die Laubholzernte.

Zschopau / Marienberg.

Kaum Minusgrade, wenig Schnee und schon gar kein lang anhaltender Bodenfrost: Das sind denkbar ungünstige Bedingungen für den Staatsbetrieb Sachsenforst, der derzeit mitten in der Holzernte steckt. Größtes Problem sei der Abtransport gefällter Bäume hin zu Sammelplätzen an für Lkw befahrbaren Wegen im Wald, berichtet Thomas Köhler, Pressesprecher des Forstbezirks Marienberg. Das geschehe mit mehrachsigen Schleppern, meist mit Tandemachse und großdimensionierten Reifen - sogenannte Forwarder. Die Fahrzeuge können etliche Tonnen an Holzabschnitten transportieren. "Wenn es so wie jetzt aber kaum Bodenfrost gibt, sinken die Fahrzeuge stark ein und schon bald ist der Waldboden nicht mehr befahrbar", so Köhler. Die Wege müssen deshalb besonders häufig wieder instand gesetzt werden.

Problematisch sei das Wetter insbesondere für die Laubbaumernte, die ausschließlich im Winter stattfinde, so Köhler. "Das Holz muss trocken und in Saftruhe sein", erklärt der Experte. Das heißt, dass jegliches Wachstum vollkommen zum Stillstand kommt. "Bei dieser Witterung kommt es zu besonders vielen Schäden - die Stämme neigen zum Reißen beim Fällen oder Verfrachten", so Köhler.

Insgesamt 150.000 Festmeter Holz will der Forstbezirk Marienberg in diesem Jahr ernten - genau so viel wie 2015. Das meiste davon wird laut Planungsunterlagen des Staatsbetriebs bei Borstendorf im Röthenbacher Wald, zwischen Lengefeld und Hilmersdorf, zwischen Sorgau und Niederlauterstein, bei Rübenau, Hirschberg und in Grenznähe nahe Neuhausen im Erzgebirge (Landkreis Mittelsachsen) geerntet werden. "Wir bewirtschaften ganzjährig jeweils rund zehn Prozent unserer Flächen verteilt über den gesamten Forstbezirk - auch, um die Wälder nicht über Gebühr zu belasten", erklärt Köhler. Der Mitarbeiter des Staatsbetriebs Sachsenforst fügt hinzu, dass das auch technisch kaum anders möglich wäre. "Zumal die Industrie sich eine kontinuierliche Lieferung über das gesamte Jahr hinweg wünscht", so Köhler.

Zu Lieferengpässen komme es durch das derzeit schwierige Wetter nicht, da der Sachsenforst insgesamt über genügend Waldfläche verfüge, um die Nachfrage zu bedienen. Das Holz - zum überwiegenden Teil von der heimischen Fichte - gehe an lokale Sägewerke. "Ein nicht unwesentlicher Teil wird aber auch nach Tschechien exportiert."

Die sächsische Holzindustrie gibt sich auf Nachfrage gelassen: Der Verband der Holz- und Kunststoffe verarbeitenden Industrie Sachsen sieht nach eigenem Bekunden bisher keinerlei Lieferengpässe. Das liege aber vor allem daran, dass das sächsische Holz bei den 330 Mitgliedsunternehmen des Verbandes gar keine große Rolle spiele.

Ähnlich sind die Äußerungen des ebenfalls in Dresden ansässigen Verbandes der Säge- und Holzindustrie Sachsen. Zwar verarbeiten die 26 Verbandsmitglieder hauptsächlich heimisches Holz, so eine Sprecherin. Das sei aber nach wie vor in ausreichender Qualität und Menge verfügbar.


Freistaat größter Eigentümer im Forstbezirk Marienberg

Der Forstbezirk ist insgesamt rund 1000 Quadratkilometer groß. 110 Mitarbeiter sind hier für über 38.000 Hektar Waldfläche zuständig.

Die Waldbesitzer Rund 4200 Privatbesitzer gibt es im Forstbezirk. Ihnen gehören etwa 12.000 Hektar Wald. Der Freistaat Sachsen ist der größte Waldbesitzer im Forstbezirk: Rund 21.000 Hektar sind Landeswald. Die Gemeinden besitzen 3000 Hektar. Der Bund verfügt über 2000 Hektar.

Der Wald wird permanent umgestaltet, so Thomas Köhler, Pressesprecher des Forstbezirks. Noch in den 1990er-Jahren seien Blau- und Stechfichten in den Kammlagen gepflanzt worden, weil diese die schwefelhaltigen Industriegase besser vertrugen. Diese Bäume haben heute mit den langen Trockenphasen Probleme, die der Klimawandel verursacht. Deshalb setze der Sachsenforst mittlerweile wieder verstärkt auf heimische Baumarten wie die "gemeine Fichte".

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