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Von Schöna nach Augustusburg: Ronny Süptitz, Matthias Fröhlich, Heinrich Tempel, Ronny Birkner, Manfred Fiedel (von links).

Foto: Hendrik JattkeBild 1 / 4

Das Wetter ist wurst

1500 Biker werden an diesem Wochenende in Augustusburg erwartet. Zwei davon kommen seit 14 Jahren. Während den beiden Nordsachsen ihre Rituale heilig sind, ändert sich für die Besucher des Spektakels in diesem Jahr einiges.

Von Thomas Reibetanz
erschienen am 13.01.2018

Augustusburg. Beim Halt in Frankenberg gibt es Bockwurst. Das war schon immer so, das wird auch so beibehalten. Denn der Imbiss an einem großen Supermarkt ist gleichzeitig auch der letzte trockene und warme Platz für Ronny Süptitz und seine Begleiter. Gemütlich wird es danach erst wieder in der heimischen Badewanne. Zwei Tage später. Bis dahin gilt: Männerwochenende. Mit allem, was dazugehört. Zelten, Bier, Rührei, Fachsimpeln ohne Fach und ganz viel Spaß.

Süptitz stammt aus Schöna bei Mockrehna, was wiederum nordöstlich von Leipzig liegt. Gemeinsam mit Kumpel Matthias Fröhlich gehört er zu den Stammgästen des Motorradfahrer-Wintertreffens am Schloss Augustusburg. Die mehr als 100 Kilometer lange Anreise haben die zwei Biker auch gestern wieder auf sich genommen. Fröhlich am Lenker der MZ ES 250/2, Süptitz im Seitenwagen des schwarzen Gespanns, Baujahr 1969. "Wo ist denn euer Winter", fragt Ronny Süptitz, nachdem er sich auf dem Parkplatz des Frankenberger Supermarktes aus dem Sitz geschält hat.

Harten Bikern wie ihnen ist das Wetter zwar generell wurst - und das steht sogar buchstäblich auf dem Nummernschild des alten VW-Bus, in dem die drei Begleiter der Nordsachsen unterwegs sind -, aber der Nieselregen muss dann doch nicht sein. "Minus 20 Grad und Schnee", sagt Matthias Fröhlich. "Das wäre ideal."

Wo die Reise an diesem Freitagvormittag hingeht, ist beim mittlerweile 47. Wintertreffen allen in der Region klar. "Was wollt ihr denn hier, es liegt doch gar kein Schnee", hämt ein älterer Herr nach seinem Wochenendeinkauf aus dem Auto. "Wir bleiben, bis es schneit", antworten die Biker. Jetzt aber erst einmal Bockwurst. Und Gespräche über das, was da kommen wird in den nächsten Tagen. "Hoffentlich kriegen wir unseren Stammplatz wieder", sagt Matthias Fröhlich. Am Elektrohäuschen neben dem Torbogen vor der Einfahrt ins Schloss kampieren die Schönaer seit drei Jahren. In diesem Jahr teilen sie sich ein Zelt zu fünft. Im Begleitfahrzeug findet sich alles, was es dafür braucht: das Zelt an sich, Schlafsäcke, Feuerholz, Erfrischungsgetränke, 36 Eier, Schinken.

Seit 14 Jahren kommen Ronny Süptitz und Matthias Fröhlich nun schon ohne Unterbrechung nach Augustusburg, haben so ziemlich jedes Wetter miterlebt. "Wir genießen die Gespräche vor Ort", sagt Süptitz. Und er meint damit nicht etwa gepflegte Konversation über die Chancen, die der technische Fortschritt für die Weiterentwicklung des Maschinenbaus und Verkehrswesens mit sich bringt. Der 39-Jährige meint damit "Gelappe". "Das fetzt", sagt er. Augustusburg wäre deshalb eine gute Adresse, weil sich im Winter eben nur die harten Biker auf ihre Maschinen setzen, um zum Zelten zu fahren. "Da trifft man noch richtige Männer", sagt Ronny Süptitz. "Man sagt uns oft nach, wir hätten einen Schuss. Völlig zu Recht."

Einen kleinen Wermutstropfen, also abseits der Flasche, hätte das Wintertreffen aber dennoch. "Die vielen Besucher kommen ja wegen uns Bekloppten hier hoch", sagt Süptitz. "Die wollen unsere Maschinen und unsere Behausungen sehen. Wir sorgen also für Betrieb im Ort. Und dennoch müssen wir dafür bezahlen, dass wir unser Zelt aufstellen dürfen." Auch dass von den Besuchern extra Eintritt verlangt wird, finden die Biker aus der Nähe von Leipzig nicht in Ordnung. Bei ihrem eigenen Motorradtreffen in Schöna, zu Pfingsten ist es wieder soweit, ist der Eintritt kostenlos. Motorradfahrer aus ganz Deutschland, aber auch aus Litauen, Estland und weiteren Ländern kommen, um mit dem dortigen Motorradclub zu feiern und sechs Livebands zu erleben.

Bis dahin ist aber noch genügend Zeit. Dieses Wochenende werden Ronny Süptitz, Kumpel Matthias Fröhlich und die drei Begleiter aus dem Kleinbus schon mal nutzen, um weitere Kontakte zu knüpfen und alte Freundschaften zu pflegen. Um anzukommen, war die Zeitung unter der Kombi übrigens nicht von Nöten. Diesen Trick haben die Biker nämlich in den vergangenen Jahren angewendet, um sich gegen die Kälte zu schützen. In diesem Jahr ist es vor allem nass und matschig. "Nicht schön", sagt Matthias Fröhlich und gönnt sich den letzten Bissen der Bockwurst im warmen Imbiss in Frankenberg. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das mit dem Stammplatz am Elektrohäuschen wird dieses Jahr klappen. Was gut ist. Hätte es nicht funktioniert, wäre es aber auch wurst gewesen.

 

 
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Das Wetter ist wurst
Besucheransturm erwartet
 
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