Forstlehrlinge fordern Geld für die Natur

Der Sachsenforst renaturiert den Schwarzbach in Augustusburg. Aber für den wichtigsten Baustein fehlt ein Zuschuss vom Landkreis.

Augustusburg.

Rüdiger Schmidt hat sich eine Postkarte an die Jacke geheftet. "Vor dem Gelingen kommt das Wollen", steht darauf geschrieben, und Rüdiger Schmidt steht damit im Schneeregen am E-Weg in Augustusburg. Hier oben am Waldrand entspringt der Schwarzbach, der 2,1 Kilometer weit neben dem E-Weg talwärts plätschert, ehe er in Erdmannsdorf in die Zschopau mündet. Wäre Rüdiger Schmidt ein Fußball-Schiedsrichter, so würde er die Gelbe Karte zücken. Aber Rüdiger Schmidt (61) ist Lehrausbilder beim Staatsbetrieb Sachsenforst, und das Gelingen-Wollen-Kärtchen ist Ausdruck seiner Kritik in Richtung Landratsamt, weil die Behörde die finanzielle Unterstützung für ein Naturschutzprojekt verweigert.

Rüdiger Schmidt und seine fünf Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr wollen den Schwarzbach renaturieren. Dieses Vorhaben ist Bestandteil der dreijährigen Ausbildung zum Staatlich anerkannten Forstwirt. Zuletzt haben die Forst-Azubis den Naturschutz-Lehrpfad am E-Weg und am Kunnerstein erneuert, und die Leiterin der Tourist-Information in Augustusburg, Sabine May, lobt die Neugestaltung als gelungen. Nun soll der Schwarzbach an die Reihe kommen, und Schmidt hat die Aufgabe in drei Abschnitte geteilt. Im oberen Teil haben die Forst-Lehrlinge bereits den Bachlauf von Reisig und Müll befreit. Und sie haben auch schon zwei neue Bänke gebaut und aufgestellt und kleine Weißtannen gepflanzt.

Der ausgespülte Uferbereich des Schwarzbaches soll mit tief wurzelnden Erlen stabilisiert werden. Zuerst müssen Zaunkönig und Rotkehlchen aber Ruhe beim Brüten haben, weshalb diese Arbeiten auf den Sommer verschoben wurden. Abschnitt zwei des Projektes ist der Schwarze Teich, auf den einst sogar mal gegondelt wurde und der inzwischen so voll gespült ist mit Sediment, dass er zu verlanden droht. "Der Durchfluss müsste geschlossen, der Schwarzbach um den Teich herum verlegt werden, damit kein Sediment mehr angespült wird. Erst danach ist eine Sanierung sinnvoll", sagt Schmidt. Für die Bachverlegung hat er sich das Angebot einer örtlichen Baufirma geholt: 56.000 Euro. "Zu viel für ein Naturschutzprojekt, dass lediglich Bestandteil der Ausbildung ist", so Schmidt. Deshalb hat er in der Hoffnung auf eine finanzielle Unterstützung bereits im vergangenen Oktober einige Runden mit ehrenamtlichen Naturschützern und Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde aus dem Landratsamt gedreht. Vergeblich. Bislang gebe es keine Zusage. "Das ist schade", sagt Rüdiger Schmidt achselzuckend.

Der Landkreis Mittelsachsen wird das Vorhaben nicht direkt fördern. "Es gibt für derartige Vorhaben keine eigene Förderrichtline", sagt Pressesprecherin Cornelia Kluge. Möglich sei aber eine Förderung des Freistaates, so Kluge. Sie verweist auf die Richtline NE (Natürliches Erbe) aus dem Jahr 2014. Anfang Februar hatte des Umweltministerium einen Aufruf zur Einreichung von Anträgen gestartet. Im Programm enthalten sind Projekte für die Biotopgestaltung im Wald sowie bildungsbezogene Naturschutzarbeit. Bei einer Begehung am 19. April mit Vertretern der unteren Naturschutzbehörde aus dem Landratsamt sei auch diese Fördermöglichkeit besprochen worden, sagt Kluge.


Bach bereitet bei Hochwasser Probleme

Der Schwarzbach entspringt am Ortsrand von Augustusburg. Weil es einst in diesem Bereich eine Mülldeponie gab, wird immer wieder Müll ausgespült, der dann irgendwo im Bach liegen bleibt, sagt der Forst-Lehrbeauftragte Rüdiger Schmidt. Vor allem bei Hochwasser wird der Schwarzbach zum Problem, weil er teils ausgespült ist und viel Sediment transportiert. Der Schwarze Teich ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Posaunenchor Erdmannsdorf nutzte das Areal für eine Konzertreihe, die "Serenade am Schwarzen Teich". (mbe)

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