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Olaf Thomann - Direktor des Waldhotels "Kreuztanne"

Foto: Wieland JoschBild 1 / 2

Gastgewerbe in der Bredouille

Besonders schwer ist derzeit die Suche nach Köchen. Ein Friedebacher Hotelchef hat seinen eigenen Weg gefunden, Mitarbeiter zu halten.

Von Wieland Josch
erschienen am 14.06.2018

Sayda/AUGUSTUSBURG. In nur wenigen Branchen macht sich der Fachkräftemangel so stark bemerkbar wie im Gastgewerbe. Das stellte Cindy Krause von der Indus-trie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz, Regionalkammer Mittelsachsen, jetzt bei einem Informationsgespräch fest. Das führe sogar dazu, dass die Personalnachfrage die Entwicklung in der Tourismusbranche deutlich beeinträchtige, so das Fazit der aktuellen Saisonumfrage der IHK, bei der alle halbe Jahre Unternehmen aus dem Gastgewerbe befragt werden.

76 Prozent der befragten Gastronomiebetriebe und 63 Prozent der Beherbergungsbetriebe gaben dabei an, dass sie den Personalmangel als größten Risikofaktor für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen. Damit setzt sich der Trend, der sich schon aus den letzten Umfragen ergeben habe, deutlich fort. Mehr als die Hälfte der Unternehmen kann derzeit ihre offenen Stellen nicht besetzen.

Olaf Thomann, Direktor des Waldhotels "Kreuztanne" im Saydaer Ortsteil Friedebach, spart bei seiner Analyse der Situation nicht mit klaren Worten. Aus seiner Sicht ist das Sterben der kleinen Landgasthöfe bereits in vollem Gange. Er sieht unter anderem eine Fehlentwicklung schon bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung des derzeitigen Schulsystems. "Wenn Kinder heutzutage nicht aufs Gymnasium gehen, gilt das schon fast als Katastrophe", sagt er. "Hinzu kommt, dass sich viele junge Menschen nicht mehr die Finger schmutzig machen wollen."

Außerdem würden im Gastgewerbe kaum gute Löhne gezahlt, die Arbeitszeiten seien oftmals sehr flexibel. "Junge Menschen stellen ihre Freizeit heute deutlich höher", so Thomann.

Besonders schwer sei momentan die Suche nach Köchen. Hier hätten in der Vergangenheit vor allem die inflationären TV-Kochshows erheblichen Schaden angerichtet. Wolle doch jeder Koch-Azubi sofort ein zweiter Johann Lafer sein. "Doch selbst diese Star-Köche haben irgendwann einmal lernen müssen, wie man eine Möhre schält und wie man Kartoffeln kocht", sagt Olaf Thomann. Komme der Moment der Erkenntnis, würden viele die Ausbildung lieber abbrechen.

Ernüchternd ist die Einschätzung von Heiko Küchler. "Es gibt keine Köche, der Beruf stirbt aus", sagt der Inhaber des Restaurants "Höckericht" in Augustusburg. "Entweder man stemmt das in Familie, oder man hat das Glück, einen Koch angestellt zu haben. Keiner will mehr am Wochenende oder abends arbeiten. Es gibt einfach keinen Nachwuchs im Gastgewerbe."

Olaf Thomann sagt, er selbst habe glücklicherweise keine allzu großen Personalprobleme, was aber vor allem daran liege, dass er seinen Mitarbeitern in vielen Punkten entgegenkomme. "Sie bekommen Zuschläge, Arbeitszeitausgleich und ein 13. Monatsgehalt", erzählt er. "Es kommt mich teurer, wenn ich ständig neue Leute einarbeiten muss." Auch sei er auf Ausbildungsmessen aktiv vertreten. Pro Jahr bilde er jeweils Koch, Hotel- und Restaurantfachmann/-frau aus. Derzeit sucht er lediglich noch einen Koch-Azubi.

"Die gastronomische Ausbildung in Deutschland genießt weltweit einen sehr guten Ruf", sagt Thomann, der ehrenamtlich in den regionalen Prüfungsausschüssen sitzt und kürzlich sogar in die Meisterprüfungskommission berufen wurde.

Die Ausbildungsmessen haben sich als effizientes Mittel zur Nachwuchsgewinnung etabliert. Das wird zunehmend von den regionalen Unternehmen erkannt, und spiegele sich auch in den Anmeldezahlen für die drei Veranstaltungen "Schule macht Betrieb" im September dieses Jahres wider. "Für die Messe in Freiberg am 15. September im Deutschen Brennstoffinstitut haben wir bereits 92 Anmeldungen, für Mittweida am 8. September 84und für Döbeln am 22. September 87", zählt Cindy Krause auf. Vorab bietet die IHK unter der Überschrift "Sehen und gesehen werden - So wird Ihr Messeauftritt ein Erfolg" Workshops an. (mit dahl)

 
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