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Engelbert Swigon saß 40 Jahre beruflich hinter dem Lenkrad. Heute hilft er noch stundenweise aus.

Foto: Christof Heyden

"Ich bin bei 3,8 Millionen Kilometern angelangt"

Berufsmillionäre: Berufskraftfahrer Engelbert Swigon aus Leubsdorf fährt seit 1971 Brummi

erschienen am 12.08.2017

Leubsdorf. Zahlen bestimmen den Alltag. Die "Freie Presse" hat mit Firmenchefs, Handwerkern und Selbstständigen einmal ihren Job unter statistischem Gesichtspunkt betrachtet. Und da wird mancher sogar zum Berufsmillionär. Christof Heyden hat mit Engelbert Swigon gefachsimpelt. Der Leubsdorfer war 45 Jahre als Berufskraftfahrer unterwegs.

Freie Presse: Ihren beruflichen Werdegang kann mit "Ein Leben auf dem Bock" beschreiben?

Engelbert Swigon: Ja, leistungsstarke Lastkraftwagen waren mein Metier, ich wollte immer Brummifahrer werden und unterwegs sein. Angefangen habe ich als 19-Jähriger beim damaligen VEB Kraftverkehr in Flöha. Das war 1971.

Das bleibt unvergessen?

Sicher, aber ich habe auch vom ersten Tag an immer ein Tagebuch geführt, in dem ich die Touren, die Beladung und den Fahrzeugtyp festgehalten habe.

Und aus denen geht hervor, dass sie Berufsmillionär in Sachen Kilometer sind?

Zum Ende der beruflichen Laufbahn wurde ich zwischenzeitlich für über 40-jähriges unfallfreies Fahren geehrt. Da standen 3,5 Millionen Kilometer zu Buche. Unterdessen bin ich bei rund 3,8 Millionen Kilometern angelangt. Also hochgerechnet über 90 Mal um die Erde. Ich helfe noch stundenweise im Fuhrunternehmen Leiter in Hennersdorf aus, verdiene mir als Rentner soweit dies arbeitsrechtlich möglich ist, noch etwas hinzu.

Wie sieht es mit der Tonnage aus?

Für die Tonnage könnte ich etwa die Fahrzeit von Mai 2006 bis Dezember 2014 heranziehen. In diesen achteinhalb Jahren habe ich einen Vier-Achsen-Schüttgut-Brummi von Iveco gesteuert. Mit dem ging es auf 13.378 Fahrten, fast ausschließlich im Regionalverkehr des Erzgebirges. Insgesamt habe ich da rund 240.000 Tonnen transportiert.

Was waren die weitesten Touren?

Nachdem ich ab 1971 Fahrten im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt unternommen habe, meist mit W 50 und Škoda, ging es ab 1979 in den Ostblock, ich fuhr für die internationale DDR-Spedition Deutrans. Da ging es mit dem polnischen Typ Jelcz bis ans Schwarze Meer. Seinerzeit waren Lebensmittel, aber auch Ausrüstungsteile für in der Sowjetunion tätige Baubrigaden an Bord. Es ging nach Bulgarien und Rumänien. Fahrten in Richtung Westen durfte ich indes nicht antreten.

Mit Blick in die Tagebücher könnten Sie also sagen, wo Sie zu welchem Zeitpunkt waren?

Ja, zum Beispiel der 9. März 1986. Der Eintrag zeigt, dass ich da auf der Fernstraße in Polen bei Warschau in Richtung Ukraine unterwegs war. Im übrigen: Einen Termin vergesse ich ebenso wenig - am 11. Dezember 1988 hätte es zu einem schweren Unfall kommen können. Auf der B 101 hinter Freiberg hatte ich einen abbiegenden Lkw übersehen. Ich wollte an dem vorbeiziehen, ohne dessen Blinken zu sehen. Der Kollege war fix und stoppte seinen Abbiegevorgang. Dem bin ich heute noch dankbar.

Wenn Sie einen Million Euro flüssig hätten, wäre ein eigener Lkw ihr Traum?

Diesen Gedanken hatte ich zur Wende, da hegte ich die zum Glück nicht verwirklichte Absicht, ein eigenes Fuhrgeschäft aufzumachen. Das bereue ich nicht, die wirtschaftlichen Bedingungen sind für Spediteure immer angespannter geworden. Nein, mit dem Geld könnte ich mein großes Hobby, das Schrauben an Oldtimerfahrzeugen noch viel mehr intensivieren, ich würde auch manch Fernreise unternehmen. Indes, ich spiele gar nicht Lotto.

Sommerreihe Alle bisher erschienenen Interviews der Serie "Berufsmillionäre" der "Freien Presse" Flöha finden Sie im Internet.

www.freiepresse.de/berufsmillionaere

 
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