Seine Arbeit erledigt Toni mit links

Maschinen sind seine Welt. Zumindest im Beruf. Toni Puschke meistert sein Leben trotz Behinderung mit viel Ehrgeiz und Spaß. "Freie Presse" hat ihn in der Werkstatt besucht.

Leubsdorf/Oederan.

Ein geübter Handgriff, und das Metallstück liegt dort, wo es hingehört. Kühlflüssigkeitszufuhr anschalten, Maschine anschalten, mit der passenden Geschwindigkeit den Bohrkopf senken. Fertig ist die nächste Halbrundmutter. Toni Puschke wirkt routiniert, wenn er all diese Arbeiten ausführt. "Ist jetzt kein großes Ding", sagt er. "Aber es macht Spaß."

Toni ist durch eine Hirnblutung bei der Geburt spastisch gelähmt. Der 20-jährige Leubsdorfer kann seine Beine sowie seinen rechten Arm kaum bewegen, sitzt im Rollstuhl. Was er macht, macht er mit links. Und zwar im doppelten Wortsinn, wie sich bei einem Besuch an seinem Arbeitsplatz zeigt. Seit September vergangenen Jahres absolviert der 20-Jährige eine Ausbildung in den "Glück Auf"-Werkstätten der Lebenshilfe. "Zuerst war ich in Langenau, dort habe ich Teile für Elektronik zusammengesteckt", erzählt er. "War nicht so mein Ding."

Toni hat einen feinen Humor. Und so sagt er zu seiner aktuellen Tätigkeit in der Oederaner Werkstatt: "Maschinen sind eher was für mich. Je größer und lauter, je besser." In der Metallverarbeitung hat er seine Berufung gefunden, hier startete gestern mit dem Aufbaukurs ein neuer Lebensabschnitt. "Wenn ich den geschafft habe, komme ich in die richtige Werkstatt und werde dann auch mehr Geld verdienen", blickt er voraus. "Das könnte zwar etwas mehr sein, aber man soll ja nicht meckern", sagt er und lächelt. Da ist er wieder, dieser feine Humor.

Von 7.15 Uhr morgens bis 15.15Uhr nachmittags geht ein normaler Arbeitstag. "Kaputt bin ich danach nicht. Die Arbeit im Stall am Nachmittag ist anstrengender", sagt Toni. Und wieder lacht er. Denn allein der Gedanke an seine Hühner, Schafe und Kaninchen in Leubsdorf macht ihn glücklich. Statt Bürojob und Großstadtleben in Dresden - auch das hat er schon versucht - mag er echte Handarbeit und das Landleben. "Büroarbeit ist nichts für mich", sagt Toni, der in Oederan an verschiedenen Maschinen arbeitet. "Er hat alles ausprobiert und immer Ehrgeiz gezeigt", sagt Betreuer und Ausbilder Michael Riedig. "Wenn mal was nicht gleich funktionierte, hat Toni niemals gleich aufgegeben."

So ist es auch im Alltag. In Leubsdorf hat Toni eine liebevolle Familie und ein schönes Zuhause. Allerdings könnte die Mobilität besser sein. Eine Einstiegshilfe für das Familienauto oder eine Aufstehhilfe für die Couch - das wären noch Träume, die er sich erfüllen möchte. Vielleicht klappt es ja mit der Hilfe der "Freie Presse"-Leser. "Nach dem ersten Bericht in der Zeitung gab es schon einige Reaktionen", sagt Toni. "Das hat uns sehr gefreut."

Damit ist nun aber auch genug für heute mit dem Pressegespräch. Toni will zurück an die Maschine. "Die Arbeit wartet nicht", sagt er und lacht bei der Verabschiedung.

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