Wenn das Tischdecken eine halbe Stunde dauert

Karin Neubauer und Andreas Schmutzler aus Chemnitz bereiten gerade eine neue Ausstellung im Oederaner Web-Museum vor. Ihre Sammlung von Puppenstuben umfasst Tausende Einzelteile, die in Kleinarbeit aufgestellt und erstmals komplett zu sehen sein werden.

Oederan.

Mit Miniaturen kennen sich die Oederaner aus, schließlich haben sie mit dem Klein-Erzgebirge einen überregional bekannten Miniaturenpark in ihrer Stadt. Das, was ab kommender Woche im hiesigen Weberei-Museum zu sehen sein wird, ist aber noch eine Spur filigraner als die Ausstellungsstücke im Park. Denn Karin Neubauer und Andreas Schmutzler zeigen eine Welt der Miniaturen, die mit so viel Liebe zum Detail gestaltet ist, dass sogar das Decken eines Tisches mehr als eine halbe Stunde dauern kann.

Drei Puppenhäuser, einige Puppenstuben, dazu Szenerien mit kleinen Figuren und eine Etage weiter oben ganz viel Playmobil. Was zunächst nach einer Ausstellung für Spielzeug klingt, ist tatsächlich das Ergebnis einer besonderen Sammelleidenschaft. Die begann für Karin Neubauer schon in der Kindheit, als sie ein eigenes Puppenhaus besaß. "Leider wurde das nach meiner Jugendweihe einfach weggegeben", erinnert sich die 59-Jährige. "Mit meinem Hobby habe ich mir die Erinnerungen zurückgeholt."

Und noch viel mehr. Denn was sich in den vergangenen fast 40 Jahren angesammelt hat, passt in kein Kinderzimmer mehr. Nicht einmal in eine komplette Wohnung. "Wir haben alle Ausstellungsstücke zusammengeklappt in der ganzen Wohnung stehen, die Figuren und Einrichtungsgegenstände sind in Kisten und Tüten verpackt", erzählt Karin Neubauer. Wie viele Einzelteile das sind, hat die Chemnitzerin nicht gezählt. "Es müssten Tausende sein", schätzt sie.

Falsch liegt sie damit keinesfalls, wie der Blick in die einzelnen Häuser und Stuben verrät: Jedes Messer und jeder Teller auf dem Tisch, jedes Glas Marmelade im Regal, sogar die Klopapierrolle im Erste-Hilfe-Kasten der Weihnachtsmann-Werkstatt - alles bringen Karin Neubauer und ihr Lebensgefährte Andreas Schmutzler einzeln an Ort und Stelle. "Zittern darf man dabei nicht", sagt der Chemnitzer.

Der 64-Jährige kommt aus dem Modellbau, hat früher Eisenbahn-Welten entstehen lassen. Seine Landschaftsgestalterin war Karin Neubauer, so fanden sie zum gemeinsamen Hobby. "Mittlerweile ist es so, dass Karin auf Flohmärkten Möbel oder Ähnliches entdeckt, mit denen sie Szenerien gestalten will. Ich bekomme dann den Auftrag, die fehlenden Accessoires herzustellen", sagt Andreas Schmutzler. Als er selbst längere Zeit krank und seine Bastel-Partnerin arbeitslos war, entdeckten sie endgültig ihre Liebe zu den Miniaturwelten.

"Damit hatte ich etwas, woran ich mich klammern konnte, als es mir schlecht ging", sagt Schmutzler, der Anfang dieses Jahres nur noch drei Prozent Sehkraft hatte. "Für mich als Bastler ein Albtraum", sagt er. "Durch zwei Operationen kann ich aber wieder richtig sehen und jetzt auch diese Ausstellung genießen." Denn sowohl für Karin Neubauer als auch für Andreas Schmutzler ist die Schau in Oederan eine spezielle. "In so großem Rahmen zeigen wir unsere Miniaturwelten zum ersten Mal", sagt Neubauer. Sie legt großen Wert darauf, dass eben keine gekauften Puppenstuben zu sehen sind. "Das sind alles individuell zusammengestellte Szenen aus dem Alltag. Und es ist gleichzeitig eine Zeitreise, denn es gibt Wohnungen verschiedener Epochen zu sehen."

Die Ausstellung "Miniaturen" ist ab 25.November im Web-Museum Oederan, Markt 6, zu sehen. Eine Sondervorführung der Miniaturen mit den Machern der Ausstellung gibt es am 2. Dezember von 14 bis 16 Uhr.

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