Ansturm im Orgelbau Wolf

Der Tag der offenen Tür war wohl überfällig: Das Limbacher Unternehmen hat mit Hunderten Gästen sein 20-Jähriges gefeiert.

Limbach.

Manual und Pedal, gedackt und offen, Eiche und Kiefer, Register und Pfeifen - das sind einige der Fachbegriffe, die am Freitagabend und am Samstag in den Räumen des Vogtländischen Orgelbaus in Limbach fielen. Orgelbaumeister Thomas Wolf hatte anlässlich des 20-jährigen Firmenbestehens zu einer Feier und zum Tag der offenen Tür eingeladen. Schon bei der Öffnung am Samstag, 10 Uhr war der Andrang groß, Hunderte Gäste waren es am Ende. "Wir hätten so einen Tag viel eher einmal machen sollen", sagte ein vom Ansturm überraschter, aber auch zufriedener Orgelbaumeister. "Ein Mann hat heute gesagt, er wolle ganz schlau nach Hause gehen. Ich hoffe, wir haben das hinbekommen."

Thomas Wolf ist gebürtiger Mylauer und lebt mit seiner Familie in Netzschkau. Er hat die Orgelbauwerkstatt, in der er 1983 seine Ausbildung begann und anschließend arbeitete, 1997 von Hartmut Schüßler in Greiz gekauft. Zuvor hatte er in Vollzeit seine Meisterausbildung absolviert. Da die Werkstatträume bald nicht mehr ausreichten, erwarb er eine ehemalige Weberei in Limbach und sanierte den Komplex, in dem die Meisterwerkstatt für historischen und zeitgenössischen Orgelbau seit 2001 firmiert. Zurzeit ist der Orgelbau mit der Ernst-Röver-Orgel der Lindenhofkirche Neinstedt/ Harz und in der Katholischen Kirche Querfurt beschäftigt. Außerdem hofft Thomas Wolf auf einen Auftrag aus Aue, wo er schon mehrere Orgeln saniert hat.

Die vergangenen 20 Jahre waren ein ständiges Auf und Ab. Probleme mit Fördermitteln oder Haushaltsperren sind Themen, die auch den Orgelbau betreffen. Dabei muss Thomas Wolf seine Fachkräfte halten, denn die sind rar. Fünf Mitarbeiter gehören dazu, auch Ehefrau Elisabeth, die allerdings seit längerer Zeit krank ist. Zurzeit wird Thomas Wolf von Sohn Raphael (Orgel- und Harmoniumbauer), dem Tischler Andreas Wappler und Lehrling Sebastian Wolf (weder verwandt noch verschwägert) unterstützt. Tochter Patricia, eine ausgebildete Orgelbauerin, lernt in Dresden Erzieherin.

Zu den Gästen der Jubiläumsfeier gehörte auch Andreas Gottschald, der Thomas Wolf bei Schüßler ausgebildet hat und extra aus Potsdam angereist war. Die von ihm mitgebrachte Drehorgel, die nicht viel mit einer richtigen Orgel gemein hat, war am Abend der Renner. "Man kann im Handumdrehen Freude bereiten und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern", nannte er den Vorzug des mechanischen Instruments. Unter den Gästen waren auch Vertreter von Kirchgemeinden, die das Unternehmen kennen- und schätzengelernt haben. Die Liste der Referenzobjekte ist lang. Bereits am Freitagnachmittag hatte Thomas Wolf zum Orgelkonzert in die St. Bartholomäus-Kirche Treuen eingeladen. Die dortige Hermann-Eule-Orgel hatte Wolf 2008/09 weitestgehend in den Originalzustand versetzt. "Für mich ist es eines der schönsten Instrumente geworden", sagte Thomas Wolf.


Einige Orgelbau-Referenzen

Hermann Eule : Lutherkirche Klingenthal-Brunndöbra, Lutherkirche Tannenbergsthal, St. Bartholomäus Treuen. Gebr. Jehmlich & Carl Gottlieb Jehmlich: Friedenskirche Aue, Jakobuskirche Lunzenau, St. Laurentius Elsterberg. Gebr. Trampeli: Dorfkirche Döhlen, Valentinskirche Sörben. Gotthilf Bärmig: Klösterleinkirche Aue, Dorfkirche Gottesgrün, St. Georg Schöneck. Richard Kreutzbach: St. Niklas Ehrenfriedersdorf. Neubau: Musisches Gymnasium Coburg, Truhen-Orgel Auerbach, Kabinett-Orgel (Meisterstück). Weiteste Entfernung: Neubau Holzpfeifen für Kaliningrad. Älteste: Christoph Gottlob Donati (1741), Schlosskapelle Lichtenwalde. Jüngste: Schüßler-Wolf-Orgel (1978/2008), Neumark. (pstp)

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