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Olaf Graf vor seiner Haustür in Schönbrunn. Die neue Technik erlaubt einen fehler- und wackelfreien Einsatz der Optik.

Foto: Franko Martin

Auf der Jagd nach der Sonnenfinsternis

Olaf Graf aus Schönbrunn ist bereits seit Tagen im Nordwesten der USA. Obwohl es dort erst am 21. August ernst wird.

Von Gerd Möckel
erschienen am 15.08.2017

Schönbrunn. In seinem digitalen Archiv in Schönbrunn kann Olaf Graf stundenlang stöbern und ungezählte Fotos von selbstaufgenommenen Himmelsschauspielen vergleichen. Sofis und Mofis tummeln sich da neben Aufnahmen, die er weltweit von Besuchen in Observatorien, bei Tagungen oder von Land und Leuten gemacht hat. Regelmäßig berichtet der Mitarbeiter der Rodewischer Stadtverwaltung dann in der Sternwarte über seine Reisen zu den von Wissenschaftlern und Schaulustigen besiedelten Sterngucker-Hotspots. Einmal, erinnert sich der Ex-Lehrer für Physik, Mathematik und Astronomie, musste so ein Vortrag ausfallen. 2006 sollte es in die libysche Wüste zu einer totalen Sonnenfinsternis gehen. Doch der Flieger war kaputt und hob nicht ab.

Die Reise zur Sofi war futsch. Was um so ärgerlicher ist, da es die nächste totale Sofi im Vogtland erst im Jahr 2135 gibt. 1999 hatte die letzte ganz Deutschland in den Sofi-Hype versetzt. Olaf Graf war nach Ungarn gereist, hatte aber dort nicht das ganz große Glück - es gab ein paar Wolken und Myriaden von Ameisen auf der Kamera. Und so geht die Sofi-Jagd rund um den Globus weiter. "Sofern der Aufwand vertretbar ist." So wie diesmal, bei der totalen Sofi am 21. August in Nordamerika.

Um die einzufangen, ist nichts dem Zufall überlassen. Der Vogtländer ist bereits seit Tagen in den USA, um das Spektakel im Nordwesten des Landes einerseits live zu genießen und andererseits dank neuer Aufnahmetechnik vortragsreif abbilden zu können. "Das Ereignis passt optimal zur Infrastruktur dort. Falls Bewölkung droht, kann ich kurzfristig meinen Beobachtungsstandort optimieren." Soll heißen: Der Pfad des quer durch die Staaten rauschenden, gut 100 Kilometer breiten Kernschattens liegt über vielen Straßen. Den Mietwagen hat Olaf Graf schon von Schönbrunn aus gebucht. Genau wie die Hotels, in denen er auf einer mehrtägigen, insgesamt 6400 Kilometer langen Reise durch jenen Teil der USA schlafen wird, in dem eine totale Sofi 1918 letztmalig den Tag zur Nacht gemacht hat. Die Reise - es ist nach 2012 seine zweite zu einer Sofi in die USA - ist auch eine Bildungs- und Erholungsreise. "Denn mich interessieren immer auch Land und Leute. Es ist immer das Ereignis, und es sind die Begegnungen."

Die eigentliche Sofi erlebt Olaf Graf dabei voraussichtlich im Grand-Teton-Nationalpark im Bundesstaat Wyoming. Dort, an der Ostflanke der Rocky Mountains, spürt er der Tektonik des Gebirges nach. Seine Reise führt ihn auch in die berühmten Yellowstone- und Glazier-Nationalparks und den weniger bekannten Olympic-Nationalpark mit seinem gemäßigten Regenwald. Neben dem Landschafts- und Naturerlebnis wartet auch gigantische Technik. Mit Besuchen etwa des Columbia-River-Staudamms oder bei Boeing in Seattle. Dort hat Olaf Graf eine Visite im Werk Everett gebucht - im zweitgrößten Gebäude der Welt. "Wenn ich schon dort bin, dann ist das ein Muss. Die technische Seite von Flügen interessiert mich auch."

 
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