Drohende Stundenstreichung: Was sagen Schüler und Lehrer?

Weil Lehrer fehlen, will das sächsische Kultus- ministerium die Stundentafel ausdünnen. Das sorgt für Gesprächsstoff an vogtländischen Schulen.

Plauen/Reichenbach.

In Sachsen herrscht Lehrermangel. Wie das Problem in den Griff bekommen? Erst vor wenigen Tagen sorgten Überlegungen des Kultusministeriums für Schlagzeilen, Stunden zu kürzen - vor allem in persönlichkeitsbildenden Fächern wie Sport, Musik, Kunst und der sogenannten zweiten Fremdsprache. Inzwischen ruderten die Verantwortlichen in Dresden zwar zurück. Doch das Thema ist in aller Munde in vogtländischen Schulen. "Freie Presse" hat Betroffene befragt:

Schüler sind Leidtragende: Leandra Weber, Schulsprecherin des Julius-Mosen-Gymnasiums in Oelsnitz, stellt sich auch die Frage, ob und wie der Unterricht nachgeholt werden kann. Die 15-Jährige betont: "Das Problem des Lehrermangels sollte nicht auf Kosten der jungen Schüler gelöst werden." Der gleichen Meinung ist der Kreiselternratsvorsitzende René Brückmann, der selbst Lehrer ist. Er meint, es sei "grauenhaft, den Unterricht zu streichen, der den Kindern am meisten Freude bereitet". Auch der Direktor des Goethe-Gymnasiums in Reichenbach, Lutz Niepold, würde Kürzungen bedauern. Da aber noch nichts Konkretes feststeht, will er sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Überflüssiges Streichen: Stunden einfach reduzieren? Davon hält der Schulleiter des Lessing-Gymnasiums in Plauen, Frank-Maik Richter, wenig. Er sagt: "Ich würde es bevorzugen, die Lehrpläne von überflüssigem Stoff zu befreien." Richter findet es wichtig, dass seine Schüler sich später in der Welt zurechtfinden. Ähnlich argumentiert auch der Vorsitzende des Kreisschülerrates, Christian Müller. Den kürzlich diskutierten Vorstoß, in Fächern wie Sport, Musik und Kunst Stunden zu streichen, nennt er "lächerlich". Es sei sinnvoller, den Inhalt von Fächern wie Deutsch oder Mathe zu verringern. "In den höheren Klassen lernen wir, wie man uralte Gedichte interpretiert, und gehen ohne Wissen über die heutige Politik von der Schule ab", so der Schülersprecher.

Kunst fördert Kreativität: Eine der wenigen Schulen in Sachsen, die das künstlerische Profil anbieten, ist das Diesterweg-Gymnasium in Plauen. Ines Falcke, die Betreuerin dieses Profils, findet es schlecht, dass zuletzt die Stundenanzahl von abwechslungsreichen Fächern wie Kunst oder Musik in Frage gestellt wurde. Immerhin könnten die Kinder hierbei ihre Kreativität entfalten. "Warum wird nicht zum Beispiel bei Ethik oder Religion gekürzt", fragt sie. Auch Monique Drews, Schülerin des Gymnasiums Markneukirchen, kritisiert: "Es geht hier genau um die Fächer, die nach dem Interesse der Schüler erhöht werden müssten", sagt sie. Moniques Direktor, Norbert Hildebrand, sieht ebenfalls einen großen Vorteil bei genau diesen Fächern: Sie beanspruchen die kreative Gehirnhälfte.

Qualität muss stimmen: Im Vergleich zu anderen Schulen leidet das Futurum in Mylau kaum unter Stundenausfall. "Als freie Schule sind wir viel flexibler", sagt Schulleiter Siegfried Kost. Markus Kugler, Leiter des Evangelischen Schulzentrums Oberes Vogtland in Schöneck, glaubt indes nicht, dass Unterrichtskürzung die Lösung wäre. Er sagt viel mehr: "Es ist wichtig, auf die Unterrichtsqualität zu achten."


Was jetzt kommen soll

Eine Stunde fällt weg: In Dresden spricht man inzwischen nicht mehr von einer "pauschalen Kürzung von Sport, Musik und Kunst", wie CDU-Landtagsabgeordneter Sören Voigt aus Falkenstein mitteilte. Dies sei erst mal vom Tisch, betont er. Die Rede sei nun von einer Kürzung in der Stundentafel von vier Prozent, was einer Wochenstunde entspreche, so Voigt. Seiner Meinung nach müsse von Schule zu Schule individuell geprüft werden, wo welche Anpassungen angebracht sind. Wichtig sei es künftig, mehr politische Bildung und Medienkompetenz im Lehrplan unterzubringen. Voigt: "Ich werte das jetzt beschlossene Vorgehen als positives Signal für unsere vogtländischen Schulen, die musik- und sportbetont sind."

Informatik ab Klasse 9: Bereits ab Schuljahr 2018/2019 wird in den Klassenstufen 9 und 10 Informatik als eigenständiges Fach mit einer Stunde je Woche unterrichtet, hat CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Heinz in Dresden erfahren. Zugleich wird in diesen beiden Klassenstufen der Profilunterricht von bisher drei auf zwei Wochenstunden reduziert. Die künftig entfallende Stunde enthielt bisher

Informatik-Themen - sie werden Bestandteil des neuen Fachs. (suki/nd)

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2Kommentare
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  • 3
    0
    Tauchsieder
    12.03.2018

    Man sollte nicht alle Worte der Politiker auf die Goldwaage legen, gerade wenn sie in der Provinz auf Stimmenfang gehen. Das nennt sich das "Adenauersyndrom", was stört mich mein Geschwätz von gestern!

  • 2
    1
    WilhelmTell
    12.03.2018

    Bildung nach Haushaltslage? - Nach der nächsten Pisa-Studie sind dann die Schüler die bepissten?
    Diese Ankündigung ist nur schwer vereinbar mit der Zusage beim Bürgergespräch in Reichenbauch am 28.02., dass mehr Lehrer eingestellt würden als in Ruhestand gehen. - Oder wegen besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen in andere Bundesländer abwandern?



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