Hickhack um Geldautomat: Stadträtin verlässt Bürgerinitiative

Kerstin Platzer kehrt der BI Mylau den Rücken. Voraus gingen Vorwürfe des Vorstandes zu einer Unterschriftenaktion, an der sich 1255 Mylauer beteiligt hatten.

Mylau.

Am Pfingstmontag hat Stadträtin Kerstin Platzer ihren sofortigen Austritt aus der Bürgerinitiative Mylau, kurz BIM, erklärt. Sie zieht damit die Konsequenz aus Anwürfen von Vorstand Harald Kubitz, der ihr "eigenmächtiges Vorgehen" vorwarf und ihr Auftreten als "absolut inakzeptabel" darstellte.

Was war passiert? 2015 war die Sparkassenfiliale in Mylau geschlossen worden, im Juli 2016 auch der Geldautomat. Gerade Bürgern, die kein Fahrzeug besitzen, bleibt so nur, donnerstags 9 bis 10.30 Uhr am Sparkassenbus anzustehen. Im sozialen Netzwerk Facebook flammte Anfang 2018 erneut die Forderung an die Sparkasse Vogtland auf, im Reichenbacher Ortsteil Mylau wieder einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker aufzustellen. Bemühungen der Stadtverwaltung waren davor ohne Erfolg geblieben.

Kerstin Platzer, die im März 2016 für die BIM im Reichenbacher Stadtrat nachgerückt war, startete daraufhin eine Unterschriftensammlung. "Ich rief vorab Ortsvorsteher Lutz Quellmalz an und fragte, ob es okay sei, wenn ich das mache", berichtet Platzer. 1255 Bürger verliehen der Forderung an die Sparkasse mit ihrer Unterschrift Nachdruck. Jeder zweite Bürger der Ortschaft. Die Unterschriften sollten an einen Sparkassen-Vertreter übergeben werden, der zur Ortschaftsratssitzung im März erwartet wurde. Doch das ging schief, weil niemand eingeladen worden war. Nach der Sitzung entschlossen sich mehrere Bürger, die Listen persönlich nach Plauen zu bringen. Kerstin Platzer übergab die Listen im Vorzimmer von Landrat Rolf Keil (CDU), der Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse ist. Michael Böhm überreichte ein Anschreiben bei der Sparkasse.

Am 11. Mai schickte BIM-Vorstand Harald Kubitz einen Brief an Kerstin Platzer. Auf den Listen, so sagte er gestern der "Freien Presse", hatte auch er selbst unterschrieben. Doch will er erfahren haben, dass Kerstin Platzer die Listen mit anderen Mitstreitern "im Namen und im Auftrag der Bürgerinitiative Mylau abgegeben" habe. "Dieses eigenmächtige Vorgehen hat nicht nur bei den Vertretern der Sparkasse für erhebliche Irritationen gesorgt. Damit ist unserer Meinung nach möglicherweise eine Gefährdung des gesamtes Projektes eingetreten", heißt es im Brief. "Ich habe ihr untersagt, sich als Beauftragte der BIM hinzustellen", erklärt Kubitz.

"Weder auf den Unterschriftenlisten stand etwas von Bürgerinitiative Mylau, noch haben wir uns bei der Übergabe bei der Sparkasse als BIM ausgegeben. Soetwas zu behaupten, ist einfach nicht wahr. Uns war nur wichtig, dass die Unterschriften nach dem Wirrwarr im Ortschaftsrat an der Stelle ankamen, wo sie hin sollten", hält Kerstin Platzer gegen.

Kubitz formulierte indes in seinem Brief: "Sollte das alles zutreffen, was wir von der Vertreterin der Sparkasse gehört haben, so wäre dieses unabgestimmte Verhalten von Dir und anderen als ein Angriff auf die Rechte unseres Vereins zu werten und mit einer weiteren Mitgliedschaft in der BIM nicht mehr zu vereinbaren." Doch hat er das Gehörte überprüft? "Ja", sagt er. "Aber das Gespräch habe ich nicht selbst geführt." Wer dann, lässt er offen. Mit Kerstin Platzer sei dazu nicht gesprochen worden, räumt er ein. Erst in der Mitgliederversammlung im Juni wollte man ihr Gelegenheit geben, ihre Sichtweise darzulegen.

Der Brief endete mit dem Hinweis: "Solltest Du einen Austritt aus der BIM e. V. bevorzugen, so wäre ein formloses Schreiben an den Vorstand erforderlich." Der Austritt der 48-Jährigen erfolgte am Pfingstmontag, 17.01 Uhr per E-Mail. Sie gehört jedoch weiter dem Stadtrat an. "Was soll ich dazu sagen? Wir hatten mit ihr seit geraumer Zeit ein Problem", meint Kubitz.

Die Sparkasse Vogtland ihrerseits lud Kerstin Platzer und Michael Böhm für den 16. Mai zu einem Gespräch nach Plauen ein. Ergebnis: "Die Sparkasse hält daran fest, keinen Geldautomaten in Mylau aufzustellen, und führt dafür die geringen Nutzungszahlen von 2015 an", erklärt Platzer. Gleichwohl gebe es die Möglichkeit, dass Geschäfte als Partner der Sparkasse Barabhebungen bis zu 200 Euro anbieten. "Ich wäre gern nochmals an die Geschäfte herangetreten. Doch für mich verliert es den Sinn, wenn man nur tyrannisiert wird", sagt die Obermylauerin.

Auskünfte zu den geführten Gesprächen lehnte die Sparkasse Vogtland gegenüber "Freie Presse" ab. Sprecherin Anja Stein erklärte, es sei nicht die Rolle der Sparkasse, sich in den Konflikt in der BI Mylau einzumischen. "Das müssen die untereinander klären." Zur Ortschaftsratssitzung gestern Abend wollte die Sparkasse allerdings präsent sein.

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