Jugend beweist Temperament

Mit ungewohntem Sound erfreute das 27. Calliope-Kammerkonzert in Reichenbach. Jazz, Rock und Pop waren in der Reihe erstmals zu hören.

Reichenbach.

Neue Töne in der Calliope-Reihe - das passte zum 27. Brunchkonzert, zu dem Sarah Stamboltsyan, die Grande Dame der Kammermusik, am Sonntag ins Reichenbacher Veranstaltungsforum eingeladen hatte. Für frischen Wind sorgten fünf junge Musiktalente, die ihre Feuertaufe bei "Jugend musiziert" erfolgreich bestanden hatten und nun ihre musikalischen Leistungen präsentieren konnten. Der neue Sound kam gut an beim Publikum, das mit Beifall nicht sparte.

Viel Beifall

Schon der erste junge Musiker, Arthur Neupert, 13-jährig, ausgezeichnet mit einem Dritten Preis beim Bundeswettbewerb, erntete mit seinem Viertel-Kontrabass viel Beifall. Wie er sein großes Instrument intonatorisch im Griff hatte, war schon beachtlich. Beeindruckend auch seine Ausdrucksbemühungen: Das Bozza-Prélude so zwischen lyrischem Gestus und burschikosem Temperament changieren zu lassen, verdiente den großen Beifall, ebenso die Ragtime-Humoreske von Malzew - "mein Lieblingsstück", sagte Arthur Neupert.

Die folgenden Instrumentalistinnen Anna Grünhart (Querflöte) und Mette Geletneky (Klavier) aus dem thüringischen Rudolstadt, ausgezeichnet mit einem "Sehr gut"-Prädikat beim jüngsten Bundeswettbewerb, präsentierten sich als erstaunlich virtuos aufeinander abgestimmtes Duo, und dies mit zwei Werken aus der Moderne, die schon hohe Ansprüche stellten. Herausragend gelang die Sonate für Flöte und Piano von Francis Poulenc, deren Sätze nicht nur spieltechnisch problemlos bewältigt, sondern auch stilistisch gut interpretiert wurden.

Nach der Pause sollte es lauter werden, wie Sarah Stamboltsyan vorsichtig angekündigt hatte. Dies lag an den Preisträgern im Landeswettbewerb Markus Müller (18; Klavier) aus Schneeberg und Robert Stamboltsyan (17; Gesang & E-Gitarre) aus Reichenbach, die - erstmalig bei Calliope - ein Metier präsentierten, das zwischen Jazz, Rock und Pop anzusiedeln ist. Was sie anboten, war weniger laut als ausgesprochen musikantisch, was selbst das etwas ältere Publikum zu viel anregte.

Musikantisches Feeling

Markus Müller kann eine lange klassische Klavierausbildung vorweisen, hat sich jedoch in den jüngsten vier Jahren auf Jazz-Klavier spezialisiert - und dies mit erstaunlichem Erfolg. Nicht nur, dass er seine Swing-/Boogie-/Funk-Dance-Stücke stilistisch einwandfrei darbot, was er aber bereits an gekonnter Improvisation einschob, war vom Feinsten. Robert Stamboltsyan stand ihm, was seine Qualitäten bei Improvisationen auf der E-Gitarre anbelangte, keinen Deut nach. Ausgezeichnet wirkte sein musikantisches Feeling für einen edel dosierten Gitarrensound, der eben nicht auf schnarrigen Dezibel-Effekt angewiesen war. So kam das Publikum in den Genuss sehr schöner klassischer Titel des Metiers - das Highlight wohl die Satriani-Interpretation "Satch Boogie".

Der neue Sound kam hervorragend an beim Publikum, ein weiteres Mal auch das Brunch-Angebot des Stamboltsyan-Teams.

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