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Stilles Gedenken gestern in Lengenfeld.

Foto: Silvia Kölbel

Junge Leute fehlen bei Gedenken

Redner: Auch Schule muss Erinnerung wachhalten

erschienen am 11.09.2017

Lengenfeld. Auch wenn zur Gedenkfeier an die Opfer der Nazizeit gestern knapp 40 Teilnehmer an den Walkmühlenweg in Lengenfeld kamen, um am ehemaligen Standort des Außenlagers Flossenbürg der Toten zu gedenken, kann das laut Redner Christian Jacob vom VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten) nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer weniger junge Menschen über die Ereignisse von vor 70 Jahren Bescheid wissen. "Viele wissen nicht einmal mehr, das es in Lengenfeld dieses KZ überhaupt gegeben hat", sagte Christian Jacob. Der Geschichtsunterricht in den Schulen leiste zu wenig Aufklärungsarbeit über die Geschehnisse vor Ort, befand der Lengenfelder.

Doch es gibt auch andere Beispiele. Über eines berichtete Bürgermeister Volker Bachmann. Er ist in diesem Jahr mit einer Delegation zu einer Gedenkveranstaltung ins ehemalige Flossenbürg gefahren, im Reisebus zwei Schüler der Oberschule. "Während der Veranstaltung stand einer der beiden auf, nahm sich Zettel und Stift und ging zu den Überlebenden des KZ und ließ sich Autogramme geben. Das stieß auf Verwunderung", so der Ortschef. Der Junge hatte dann erklärt, er wolle die Autogramme seinem Großvater zeigen und dann mit ihm über die Ereignisse von damals reden.

Entgegen von Meinungen, nach 70 Jahren könne man die Geschichte ruhen lassen, sehen das die Teilnehmer dieser alljährlich am zweiten Septemberwochenende stattfindenden Feier anders. Gerade im Vergessen bestehe große Gefahr. "Wir sind nicht schuld an diesen grauenhaften Verbrechen, aber wir laden Schuld auf uns, wenn wir den Mantel des Schweigens darüber hängen", so Jacob. Viele, die dem VVN/BdA angehören, sind mit den grauenhaften Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern aufgewachsen und wollen deren Vermächtnis erfüllen und die Erinnerung wachhalten. Sonst bestehe die große Gefahr, dass ähnliches Gedankengut wie vor 80 Jahren wieder auf fruchtbaren Boden falle. Christian Jacob zitierte Berthold Brecht: "Der Schoß ist noch fruchtbar, aus dem das kroch."

Die Mitglieder des Vereins hatten zuvor auch am Grab der jüdischen Frauen in Treuen Blumen niedergelegt. (sia)

 
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