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Ist es so perfekt? Orgelbauer Thomas Wolf aus Limbach prüft die Metallpfeifen.

Foto: Franko Martin

Limbacher baut Orgeln mit Identität und Blei

Orgelbauer Thomas Wolf in Limbach freut sich über die Aufnahme von Orgelbau und -spiel in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit. Durch den Titel hofft Wolf auf wachsende Bekanntheit des Berufsbildes Orgelbau.

Von KRISTIN VARDI
erschienen am 11.01.2018

Limbach. Eine Regelung der Europäischen Union sieht vor, die Verarbeitung giftiger Stoffe europaweit zu unterbinden. Blei ist so ein giftiger Stoff. Im Orgelbau spielt die Substanz eine sehr große Rolle.

Das alte Handwerk hat in Deutschland etwa 1800 Mitarbeiter und setzt rund 100 Millionen Euro jährlich um. "Ein Bleiverbot wäre für uns ein schwerer Schlag gewesen", sagt Thomas Wolf, Orgelbaumeister in Limbach. Denn zur Herstellung der Metallpfeifen wird eine Mischung aus Zinn und Blei verwendet. Will man das Zinn geschmeidig machen, braucht man Blei.

Und das Problem ist: es gibt keinen Ersatzstoff für Blei. Der Bleianteil in einer Pfeife liegt zwischen zehn bis 80 Prozent. Wie viel Blei man am Ende verwendet, hängt davon ab, welche klangliche Aussage man erreichen will, erklärt der Fachmann. Blei absorbiert Schwingungen. Dunkle Töne erreicht man deshalb, indem man mehr Blei verwendet, so der Orgelbauer.

Insgesamt besteht eine Orgel aber nicht nur aus Metallpfeifen. Zehn bis zwanzig Prozent des Pfeifenwerks sind aus Holz. Das sind die Pfeifen, die mit dem Fuß gespielt werden. Sie sind bis zu 4.80 Meter oder länger, so Thomas Wolf. Zinn ist sehr teuer. Holz sei bei solchen Ausmaßen der günstigere Rohstoff. Er selbst verwendet in seinem Betrieb mit vier Mitarbeitern und einem Auszubildenden für die Holzpfeifen heimische Arten wie Fichte, Kiefer, Eiche oder Buche. Um seine Mitarbeiter hätte er sich große Sorgen machen müssen, wäre die Regelung der Europäischen Union im Orgelbau wirklich durchgesetzt worden.

Doch dann wurden die Kunst des Orgelbaus und auch das Orgelspiel Ende des vorigen Jahres in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Das Bleiverbot wurde damit hinfällig, und der Orgelbauer Thomas Wolf konnte aufatmen.

Insgesamt finden sich von den 50.000 Orgeln in ganz Deutschland etwa 2500 in Sachsen. Einige sehr alte Instrumente aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert sind hier erhalten geblieben.

Von dem Unesco-Titel erhofft sich Thomas Wolf darum auch mehr Bekanntheit und Wertschätzung für das Instrument. "Orgelbau ist so vielfältig und großartig. Er vereint etwa acht bis zehn Berufe: wir arbeiten mit Holz, mit Leder, mit Zinn, mit Blei und mit verschiedenen anderen Metallen", sagt Thomas Wolf. Die Orgelbauer betreiben zugleich Tischlerei, Schlosserei und Kürschnerei. Für den Zinnpfeifenbau gießen sie das Metall. Sie sind Mechaniker, Pneumatiker, Elektriker, Strömungstechniker und Konstrukteure.

Für den Beruf des Orgelbauers benötigt man darum viel handwerkliches Geschick, so Wolf, Musikalität, Herzblut, Einsatzbereitschaft, Idealismus und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein für den Umgang mit historisch wertvollen Orgeln. In Limbach wird nicht nur an neuen Werken gearbeitet. "Wir sind in erster Linie Restauratoren und arbeiten an wertvollen historischen Instrumenten." Diese sind teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Die alten Instrumente werden restauriert und bei Bedarf auch aufwendig rekonstruiert.

Doch Orgelbauer sitzen auch mal im Archiv. Dort brüten sie dann über sehr alten Kontrakten und Unterlagen aus der Erbauungszeit einer Orgel, um Aufschlüsse über ein altes Instrument zu erhalten und um seine Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte nachzuvollziehen.

Die höchste Kunst, so Thomas Wolf, ist dann die Intonation. Das heißt, die Pfeifen der verschiedenen Gattungen, also Labial- und Zungenpfeifen, werden berechnet und nach Gehör sowie persönlichem Klangempfinden in monatelanger Feinarbeit zum Klingen gebracht. Die Intonation verleiht dem Instrument dann seine unverkennbare Identität. Bei Restaurierungen wird dieser unverkennbar eigene Klange ebenfalls wiederhergestellt.

 
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