Mit Seele und Humor ins neue Jahr

Die Reichenbacher Konzerte der Vogtland Philharmonie zum Jahreswechsel boten Kostbarkeiten aus Oper, Operette und Musical.

Reichenbach/Greiz.

Die Vogtland Philharmonie hat über ihren erfolgreichen Ausflügen Richtung Rock und Pop - zuletzt mit "ABBA in Symphony" - nichts von ihren angestammten Qualitäten verloren. Davon konnten sich die Besucher der zwei ausverkauften Neujahrskonzerte gestern im Reichenbacher Neuberinhaus überzeugen, als man Paradestücke aus Oper, Operette, Musical und gehobener Unterhaltungsmusik in einer Weise interpretierte, für die Prädikate wie "stilsicher" oder "glutvoll" wohl um Größenordnungen zu schwach sind. Da wurde bei Chatschaturjans "Maskerade"-Walzer, Leroy Andersons "Song of bells", Strauss' "Furioso Polka" oder Rimski-Korsakovs "Hummelflug" musiziert, dass es einem den Atem verschlug. Die knapp 50 Musikerinnen und Musiker überzeugten nicht allein mit Temperament, Virtuosität und Klangpracht - da war jede Menge Gefühl, Seele, Liebe zur Sache im Spiel.

Dafür trug Generalmusikdirektor Stefan Fraas, Intendant und nominell zweiter Dirigent der Philharmonie, am Pult wesentlich Verantwortung. Der Vogtländer leitete das Geschehen mit nimmermüdem Schwung, spannte imponierende musikalische Bögen und wusste genau, wo das Orchester von allein sang und klang, er die Zügel locker lassen konnte. Fraas wie sein Orchester zeichnete aus, dass man sich einem vergessenen Schlager von 1929 wie Karl Michael Mays "Der verliebte Bimbambulla" mit der gleichen Sorgfalt, dem gleichen Ehrgeiz widmete wie etwa Georg Bizets legendärem "Carmen"-Vorspiel. Freilich hat man dafür dergleichen Repertoire auch das nötige stilistische und rhythmische Können parat.

Großen Anteil am begeisterten Beifall des Publikums hatten gestern auch Lilia Milek (Sopran) und Joachim Goltz (Bariton), die Hervorragendes leisteten. Die aus Usbekistan stammende Milek bestand in Klassikern wie Giacomo Puccinis "O mio babbino caro" ebenso wie in Leonard Bernsteins swingenden "I feel pretty" und war bei Kostbarkeiten aus Operetten Franz Lehárs und Friedrich Schröders ein zuverlässiger, sich gut behauptender, temperamentvoller Duett-Partner. Goltz imponierte bei Standards seines Fachs durch eminente Stimmkraft und überraschte gelegentlich mit selbstgedichteten Zusatzstrophen. So gab es bei "Was kann der Sigismund dafür" aus dem "Weißen Rössl" am Ende einen deftigen Schwenk zu Vizekanzler Sigmar Gabriel. Der gebürtige Mannheimer Goltz, der seit 2014 dem Theater-Ensemble seiner Vaterstadt angehört, nahm - etwa beim "Bimbambulla"-Hit - opulente Verkleidungskünste auf sich. Und Fraas, der wie gewohnt als agiler Moderator und Rezitator in Erscheinung trat, spielte auch kräftig mit - unter anderem als wackerer "Wagner-Sänger" - bei Fredo Jungs "Auftritt"-Ouvertüre, in der es mit Jux und Ulk kreuz und quer durch die Musikgeschichte ging.

Die drei bereits am Donnerstag in Greiz absolvierten Silvesterkonzerte der Philharmonie wurden von Chefdirigent David Marlow geleitet, der bei dieser Premiere - bisher war Fraas allein für die Reihe zuständig - eine durchweg gute Figur machte. Dem 36-jährigen Musiker waren sowohl seine in Aachen, Chemnitz und Hagen gesammelte Theatererfahrung als auch ein Faible für die "Leichte" Muse anzumerken. Die Termine in Greiz und Reichenbach waren der Auftakt für bis zum 24. Januar in Thüringen, Sachsen und Franken angesetzte weitere 18 Neujahrskonzerte, die im Wechsel von Fraas und Marlow geleitet werden.

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