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Die Szene ist im Kasten. Die Schüler besetzen beim Dreh alle Positionen vor und hinter der Kamera.

Foto: Franko Martin

Mobbing, bis das Filmblut fließt

"Der schwarze Mann": Am Beruflichen Schulzentrum drehen Schüler einen Thriller zu einem brisanten Thema. Der Film zeigt, wie schnell etwas außer Kontrolle geraten kann.

Von Gerd Möckel
Reichenbach. Eine der Darstellerinnen hat selbst erfahren, was Mobbing für ein Opfer bedeutet. In einer Art, die einen kaputtmachen kann. "Bis ich Angst hatte zur Schule zu gehen und bis es nicht mehr ging." Die Lehrer wussten davon, geändert habe dies nichts. Kim Strümpkes hat diese Schule verlassen und besucht jetzt am Beruflichen Schulzentrum Reichenbach die erste von zwei Klassenstufen des gestreckten Berufsvorbereitungsjahrs. Wie die anderen neun Schüler mit dem Ziel Hauptschulabschluss. "Mobbing in unserer Klasse hier? Nein, das gibt's nicht wirklich." Wohl aber in einem diese Woche in der Schule gedrehten und produzierten Film, der am BSZ zum Tag der offenen Tür am 2. März seine Premiere erleben soll.

"Der schwarze Mann" ist als Thriller angelegt und innerhalb eines Kurzfilmprojekts des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals (SAEK) Plauen entstanden. Akteure vor und hinter den Kameras sowie am PC waren die zehn Schüler. "Die Schule hatte von unserer Arbeit erfahren und war auf uns zugekommen. Als wir angefangen haben, war nicht absehbar, was daraus werden würde. Wir hatten zum Beispiel ein Schulportrait vorgeschlagen oder etwas zur Kriminalität, um so vor falschen Entscheidungen zu warnen. Aber es kam anders", sagte gestern Studioleiter André Zühlke vom SAEK, der im Auftrag der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien mit solchen Filmprojekten die Medienkompetenz junger Menschen stärkt.

Beim Dreh am BSZ wurde auch das Selbstbewusstsein und die soziale Kompetenz der Schüler gestärkt. "Das Thema Mobbing kam genauso spontan von den Schülern wie die Handlung und szenische Details, das war ein tolles Miteinander", sagte der Studioleiter. Der zehnminütige Film zeigt, wie schnell Mobbing außer Kontrolle geraten kann: Ein fies gemobbter Schüler, der auch noch von einer Klassen-Party ausgeschlossen wird, nimmt grausame Rache. Sieben Schüler sterben, auch der Rächer selbst kommt um. Die Parallelität zu Amokläufen in Deutschland und den USA ist unübersehbar, jedoch von den Schülern so gar nicht kalkuliert gewesen.

Der Tod des Amokläufers wurde eingebaut, um Fehlinterpretationen auszuschließen. "Wir wollen ja nicht, dass die Handlung als Anleitung missverstanden wird. Eventuell wird der Film ja sogar ins Netz gestellt. Deshalb wird sich der nicht unblutige Rachefeldzug auch hauptsächlich im Kopf der Zuschauer abspielen", sagte André Zühlke. Auch ein noch nicht erarbeiteter Untertitel soll diesem Zweck dienen. "Wir wollen weder falsch verstanden werden, noch die Brisanz des Themas verniedlichen. Ziel ist, dass Mobbing vielleicht stärker als bisher reflektiert wird." Das Thema in dieser doch radikalen Form entspringt dem Schülerwunsch. "In dieser Altersklasse sind Horrorfilme und Thriller eben angesagt."

Erkenntnisreich ist die Projektarbeit auch für die Schule. Ralf Heinze, der die Schüler für Praktika in Firmen unterbringt: "Die Filmarbeit erlaubt mir viel schneller Aufschlüsse über Neigungen und Eignungen der Schüler, das hat auch richtig praktischen Wert. Die Klasse hat sich hier als kreative Einheit präsentiert, toll." Dieser Umstand ist auch Schulleiter Tasso Börner nicht entgangen. "Ich nehme diese Schüler am Ende der Woche ganz anders wahr. Allgemein und speziell - da habe ich doch einen schwere Kisten schleppen sehen, dem hatte ich diese Form der Mitarbeit gar nicht zugetraut." Das Entwickeln solcher sozialen Kompetenzen ist für den Schulleiter ein zentraler Gedanke auch im Hinblick auf den möglichen Einsatz des Films im Unterricht: "Auch an unserer Schule ist Mobbing ein Thema. Es gibt soziale Spannungen, die sich auch aus unterschiedlichen Herkunfts-Milieus erklären. Es gibt Aggressionen und Beleidigungen. Nicht alle zeichnet Toleranz und Respekt anderen gegenüber aus."

 
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