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Undine Paula Reißmann, Martin Baum und Claudia Grimm-Mättig (von links) vom DRK-Rettungsdienst stehen bereit, um Hilfe zu leisten.

Foto: Carsten Steps

Retter beklagen zunehmende Aggressivität bei Einsätzen

Verbale Attacken sei man schon gewohnt, sagt die Reichenbacher Notärztin Undine Paula Reißmann. Noch mehr zu schaffen macht ihr etwas, das fatale Folgen haben kann.

Von Petra Steps
erschienen am 12.01.2018

Reichenbach. Rettungskräfte berichten zunehmend über Behinderungen oder Angriffe, denen sie bei Einsätzen ausgesetzt sind. Meist geschieht so etwas weit weg, doch auch Reichenbach ist kein einfaches Pflaster für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Die leitende Notärztin am Standort Reichenbach der DRK-Rettungsdienst Göltzschtal gGmbH, Undine Paula Reißmann, weiß: "Bei größeren Festen fahren wir schon mal Linie." Eine Art Shuttle-Dienst zwischen Einsatzort und Krankenhaus ist mit "Linie" gemeint. Den Rekord für das vorige Jahr halte dabei die Walpurgisnacht mit 16 Einsätzen.

Danach kommen die Einsätze bei Diskotheken-Veranstaltungen im E-Werk. Wenn Alkohol oder illegale Drogen im Spiel sind, gehe es oft nicht ohne Angriffe auf den Rettungsdienst ab. Die promovierte Medizinerin sagte dazu: "Verbale Attacken sind wir gewohnt. Bei körperlichen Angriffen geht der Eigenschutz vor." Dann werde die Polizei zu Hilfe gerufen. Die Retter ziehen sich erst einmal zurück. Allgemein habe die Aggressivität wesentlich zugenommen. Respekt gäbe es nur noch selten, ein Dankeschön noch seltener. Die Art des Miteinanders und der Umgangston seien dringend verbesserungswürdig, meint die Ärztin.

Ein weiteres Problem sei der Missbrauch des Notdienstes als schneller und besserer Hausbesuchsdienst. Die medizinische Basisversorgung werde so teilweise auf den Notdienst verlegt. "Es gibt Leute, die wissen genau, was sie bei der Leitstelle angeben müssen, damit der Disponent den roten Knopf drückt, und wir ausrücken", so die Notärztin.

Bei etwa 50 Prozent der Einsätze handele es sich nicht um lebensbedrohende Notfälle. Für sie sei der normale Arzt oder außerhalb der Sprechzeiten der kassenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Dann komme man zu solchen Patienten und höre den Satz: "Ich fahre aber nicht mit." Ein Rezept würde reichen. Die Erfahrung der Medizinerin: "Ich darf kein Kassenrezept ausstellen. Die Patienten müssen die Medikamente bezahlen, was viele nicht verstehen, vor allem, wenn Angehörige in eine entfernte Apotheke mit Bereitschaft fahren müssen."

Noch mehr als die unfreundliche Behandlung mache ihr jedoch zu schaffen, dass in dem Moment, in dem sie mit einem solchen Patienten diskutiert, ein tatsächlicher Notfall passiert, beispielsweise ein Kind beatmet werden muss, und sie wegen mangelnder Einsicht und Egoismus zu spät kommt. Vor allem auf dem Land gebe es ältere Menschen, die zu lange warten, ehe sie ärztliche Hilfe anfordern. Eine enorme Hilfe gerade bei älteren Patienten sei eine Medikamentenliste statt Auskünften wie: "Ich nehme so kleine rosa Tabletten."

In Wohngebieten fehle oft das Verständnis für die während des Einsatzes parkenden Rettungsfahrzeuge. Dafür erlebe man jede Menge Gaffer. "Die Leute schauen zu viel Mist im Fernsehen und denken, das sei die Realität", glaubt die Ärztin. Und noch ein Problem nennt die Medizinerin: das mangelnde Verständnis für den Beruf. Notfallsanitäter und Rettungsassistenzen sind zwölf Stunden im Einsatz, ein Notarzt 24 bis 36 Stunden. Undine P. Reißmann macht deutlich: "Manche haben null Einsicht, dass wir auch einmal Pause machen und uns etwas zu essen holen müssen. Sie denken, das gehe auf ihre Kosten. Dabei ist für mich schon der größte Luxus, im eigenen Bett schlafen zu dürfen." Der Notarzt hat Präsenzpflicht unter großen persönlichen Abstrichen. In Reichenbach heißt das: Schlafen im Container, in dem die Leitung des Rettungsdienstes aus Platzgründen zurzeit untergebracht ist.

 
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