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Monserrat Durán (l.) und Christiane Klausnitz auf der Burgmauer in Mylau. So eine Burg gibt es in El Salvador nicht. Beide Mädchen haben beim Schüleraustausch viel über das jeweils andere Land erfahren.

Foto: Franko Martin

Schüleraustausch: Von Pupusas, Herbstlaub und gefühlter Freiheit

9600 Kilometer Luftlinie liegen zwischen San Salvador und Netzschkau. Zwei Mädchen kamen über ihre Schulen in Kontakt - und schauen sich im jeweils anderen Land um.

Von Gerd Betka
erschienen am 13.10.2017

Netzschkau. Weltanschauung kommt von Welt anschauen. Der Schüleraustausch macht"s möglich. Zwei 16-jährige Mädchen haben diese Chance über den großen Teich hinweg genutzt. 9600 Kilometer Luftlinie liegen zwischen El Salvador und Deutschland. Monserrat Durán aus der Hauptstadt San Salvador und Christiane Klausnitz aus der Kleinstadt Netzschkau knüpften Kontakte. Für rund drei Monate leben sie als Gastschülerin in der Familie der anderen mit und besuchen zusammen die Schule.

"Deutschland ist ein großer Kühlschrank", sagt Monserrat Durán. Zuhause ist sie tropisches Klimagewöhnt. Der vogtländische Spätsommer aber lässt sie frösteln. Sich bunt färbendes Herbstlaub kennt sie nicht. Sie wird wohl ein paar Blätter mit nach Hause nehmen. Christiane Klausnitz stöhnt indes: "Diese Hitze in El Salvador! Nach der Landung auf dem Flughafen hatten wir noch Pullover an. Dann standen wir in einer heißen Wand, gefühlt über 40 Grad." Das ist aber bei Weitem nicht der einzige Unterschied.

Einmal auf die andere Seite des Atlantiks zu reisen, war für Christiane ein Traum. Da sie am Christoph-Graupner-Gymnasium Kirchberg lernt, das in Kontakt zur Deutschen Schule in San Salvador steht, bot sich ein Austausch an. 2016 nahm Familie Klausnitz kurzfristig eine Gastschülerin aus dem zentralamerikanischen Land bei sich in Netzschkau auf: Alejandra Somoza. Kurz danach kam der Kontakt zu Monserrat Durán zustande. Im Gegenzug reiste die junge Netzsch-kauerin vom 29. April bis 16. Juli 2017 nach El Salvador, lebte zwei Monate bei Familie Somoza und dann zwei Wochen bei den Duráns.

"Zur Schule mit dem Bus? Das wäre dort zu gefährlich. Wir sind durchweg mit dem Auto gefahren. Man kann auch nicht einfach mal so allein in den Markt gehen. Und die kleine, von einem Sicherheitsdienst bewachte Wohnsiedlung ist nur durch ein mit Stacheldraht gesichertes Tor zu erreichen", schildert sie. Es gebe da sehr gefährliche Zonen. An der Deutschen Schule sei alles sehr entspannt gewesen, zumal sie - anders als Monserrat jetzt in Kirchberg - Klassenarbeiten nicht mitschreiben musste. Dass in El Salvador zu jeder Mahlzeit Bohnenpaste dazugehört, fand sie gewöhnungsbedürftig. Immerhin das Nationalgericht, die Pupusas, sprich mit Bohnenmus und Käse gefüllte Maisfladen, seien sehr lecker, meint sie.

Umgekehrt vermisst Monserrat Durán gerade in Netzschkau die daheim allgegenwärtige Bohnenpaste. Brot statt Tortilla steht auf dem Speiseplan. Nach 17 Stunden Flug über Madrid und Frankfurt (Main) kam sie am 7. September in Dresden an. Ihre Gasteltern holten sie dort ab. Die Ballsportnacht am selben Abend amKirchberger Gymnasium ließ sie sich dennoch nicht entgehen. "Alle sind sehr nett zu mir. Manche Fächer fallen mir leicht, andere nicht, zum Beispiel Mathematik", sagt sie. Ihre Gastfamilie findet sie "wunderbar". Sie hat bei Familie Klausnitz ein eigenes Zimmer, und Gastmutter Sinalobt, wie ordentlich sie sei.

Schon mit vier Jahren, im Kindergarten, hat Monserrat begonnen, die deutsche Sprache zu lernen. Heute spricht sie fließend Deutsch. Ihre Eltern arbeiten für die Regierung. In dem Vierteljahr in Deutschland, am 3. Dezember geht es zurück, will sie Menschen und Kultur kennenlernen. Mit der Gastfamilie ging es beispielsweise in die Schaustickerei nach Plauen, ins Bauernmuseum Landwüst, in die Galerie alte Meister nach Dresden und ins Solebad nach Bad Elster. In den Herbstferien folgte ein Abstecher zum Kloster Montserrat in Katalonien. "Die Menschen in Deutschland sind ganz anders als in Amerika. So organisiert und pünktlich", meint sie und fügt hinzu: "Alles atmet Geschichte, man kann viel lernen. So eine Mittelalterburg wie hier in Mylau haben wir daheim nicht." Dann macht sie eine Pause und sagt: "Das Schönste aber ist, dass ich mich hier frei bewegen kann. Das ist gefühlte Freiheit."

In ein paar Jahren möchte Monserrat Durán wieder nach Deutschland kommen, um an der TU Dresden Medizin zu studieren und Ärztin zu werden. Christiane Klausnitz hat vor, Animationsfilme drehen, und möchte dazu in Babelsberg oder Kassel studieren.

 
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