Tätowierer helfen einer Mutter beim Abschied

Rics Tattooshop in Mylau hat eine ungewöhnliche Spendenaktion gestartet, da eine Kundin kein Geld für ein individuelles Grab ihres Kindes aufbringen kann - der junge Mann hatte bis zuletzt auf ein Spenderherz gehofft.

Mylau.

Am Mittwoch gibt es in Rics Tattooshop in Mylau einen Walk-In-Day - ohne Vorbestellung kann jeder in das Studio unter der Burg kommen und sich ein Tattoo stechen lassen. Der Erlös geht auf ein Konto, das Shop-Inhaber Ricco Ritter in dieser Woche eingerichtet hat. Es ist ein Spendenkonto zugunsten einer langjährigen Kundin, die vor einer Woche ihren Sohn verloren hat: Rico wurde nur 29 Jahre alt; bis zuletzt hatte der an Herzinsuffizienz leidende Mann auf ein Spenderorgan gehofft. Jetzt geht es um die Finanzierung einer würdigen Abschiedsfeier und eines individuell gestalteten Grabstätte mit Grabstein - beides kann sich die von Hartz-IV-Bezügen lebende Alleinstehende aus Kirchberg nicht leisten.

Das Kreissozialamt würde "einen schlichten Grabstein" bezahlen, wenn dieser für den Friedhof "zwingend vorgeschrieben" ist. Das ist nicht der Fall. So übernimmt das Amt lediglich die Kosten für die Feuerbestattung und ein Urnengrab. Alle darüber hinausgehenden Kosten sollen über die Aktion des Tattoo-shops abgedeckt werden. "Wir möchten ihr, der Familie und Freunden einen würdigen Abschied ermöglich. Und ihre Trauer soll einen angemessenen Ort bekommen. Sie hat sich all die Jahre aufopfernd um ihren Sohn gekümmert. Ich denke, das sehen nicht nur wir so", sagt der Shop-Inhaber und ergänzt: "Es geht jetzt darum, die Euros zu sammeln, die alle Kosten decken. Ich versichere, von den Spendengeldern kommt jeder Cent bei der Mutter an."

Mit diesem Ziel haben Ricco Ritter und sein Shop-Partner Stephan Röpke nicht nur das Walk-In und das Spendenkonto auf die Beine gestellt. Seit gestern Nachmittag läuft im Internet eine von beiden montierte und kommentierte Slideshow mit Bildern aus Ricos Leben - "Der nette Kerl von nebenan" wird auf Facebook geklickt und geteilt; verbunden mit der Bitte um Spenden.

Die Verabschiedung des Sohnes wird für die Mutter ein schwerer Gang. Lange haben sie und ein heute 21-jähriger Bruder mit Rico gelitten und gehofft - seit vier Jahren auch auf ein Spenderherz. Das Kämpferherz von Rico war schon lange angeschlagen. Vor 13 Jahren, bei einem Ausdauerlauf im Sportunterricht, stotterte es erstmals. Rico brach zusammen. Im Krankenhaus gab's die Diagnose: 15 Prozent Pumpleistung. Nach drei Wochen Behandlung kletterte die Leistung auf 45 Prozent. Mit Fußball, Fahrradfahren oder dem Schwimmbadbesuch mit Freunden war es dennoch für immer vorbei.

Rico bekam einen Defibrillator implantiert, um dem Herzen im Notfall auf die Sprünge zu helfen. Später ist dieses Gerät in der Uniklinik Jena durch eine akkubetriebene mechanische Pumpe ersetzt worden. Rico war da schon schwer in seinem Tun eingeschränkt, konnte maximal einen Kilometer laufen und trug neben den Akkus stets ein Notfallset bei sich. 2014, berichtet die Mutter, ist der Name ihres Sohnes auf die Spenderliste gesetzt worden. "Seitdem haben wir auf einen Anruf gewartet." Auch nach weiteren Klinikaufenthalten. Ein vor Weihnachten begonnener sollte sein letzter werden. Sein offenbar von einer Infektion verursachter Tod kam dennoch überraschend.

In der zurückliegenden Woche ist Rico obduziert worden. "Dabei sind Gewebeproben für Forschungszwecke entnommen worden, das war ganz in seinem Sinne. Mein Sohn hat immer alles tapfer angenommen, seine Angst hat er nicht gezeigt", erzählt die Mutter. Die Bestattung erfolgt übernächste Woche. "Ich möchte ihn an einem Grab und nicht an einer anonymen Wiese besuchen. Wir spielen Musik für ihn. Musik, die er mochte."

Spendenkonto: Wer dem Anliegen des Tattooshops folgen und spenden möchte, tut das auf dem von Ricco Ritter bei der Deutschen Bank angelegten Spendenkonto - IBAN: DE04 8707 0024 0216 1560 01. Verwendungszweck: Rico. Die Slideshow läuft auf der Facebookpräsenz von Rics Tattooshop Mylau.

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