Hausverwaltung distanziert sich von NPD-Büro in Meerane

Längst nicht alle Wohnungseigentümer des Gebäudes sind mit der Vermietung an die rechtsextreme Partei einverstanden. Die Crimmitschauer Verwalterin klärt über die Mietverhältnisse auf.

Meerane.

Das Sächsische Innenministerium hatte in einem Bericht über die Aktivitäten in dem Meeraner NPD-Büro davon gesprochen, dass das Gebäude einer Personengemeinschaft gehört. Nun hat sich die Crimmitschauer Hausverwalterin Susanne Scherzer zu Wort gemeldet. Sie klärt auf, wer für den Mietvertrag mit der rechtsextremen Partei verantwortlich ist.

Laut Scherzer gibt es in dem Gebäude an der Äußeren Crimmitschauer Straße insgesamt zwölf Mieteinheiten. Sie alle befinden sich seit den 90er-Jahren im Privatbesitz unterschiedlicher Eigentümer, es handelt sich also um eine Wohnungseigentümergemeinschaft mit einer gemeinsamen Hausverwaltung. Jeder Besitzer kann selbstständig entscheiden, mit wem er einen Mietvertrag zu welchen Konditionen abschließt. Die NPD hat die Geschäftsräume bereits seit etwa zehn Jahren angemietet. "Ich denke nicht, dass die Eigentümerin deren politische Ausrichtung unterstützt, sondern einfach froh war, einen dauerhaften Mieter gefunden zu haben", sagt Scherzer. Die Frau wohne in einem anderen Bundesland, die Vermietung sei über einen Bekannten zustande gekommen. Für Susanne Scherzer handelt es sich vor allem um eine Gewissensfrage, an wen man sein Eigentum vermietet.

Ähnlich sehen es die übrigen Eigentümer. Sie betrachten den Mitvertrag mit der NPD argwöhnisch. Sobald eine ihrer Wohnungen leersteht, wird die Hausverwalterin nach einem Zusammenhang mit dem Parteibüro gefragt. "Es kommt vor, dass potenzielle Mieter deswegen ablehnen", sagt Scherzer. Es gebe aber auch generell häufig Mieterwechsel an dem Standort.

Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar, kaum etwas deutet auf den NPD-Treffpunkt hin. Laut Scherzer gebe es auch ansonsten keinen Ärger mit den Mietern. Der für das Büro Verantwortliche und Meeraner Stadtrat Patrick Gentsch (NPD) sei stets bemüht, alles in Ordnung zu halten. Dass sich in dem Büro zudem mittlerweile kaum noch Parteimitglieder treffen, hat Siegfried Stein bemerkt. Er betreibt seit fast 30 Jahren ein Reisebüro im Erdgeschoss des Gebäudes. "Vielleicht einmal im Vierteljahr sehe ich da noch jemanden", sagt Stein. Negative Auswirkungen auf sein Geschäft habe er durch das Büro der Rechten nicht.

Allzu ruhig ist es allerdings auch nicht: Zuletzt hatte es am 31. Dezember 2015 einen Anschlag auf das Gebäude gegeben. Damals wurden drei Fensterscheiben eingeschlagen. Eine Gruppe gewaltbereiter Männer hatte im Anschluss auf einer Silvesterparty versucht, den Täter auf eigene Faust zu stellen.

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