Vom Zweckbau zum Wahrzeichen

Ursprünglich sollte er Hitlers Prestige-Siedlung mit Wasser versorgen, heute gibt er dem Glauchauer Ortsteil Gesau ein Gesicht. Eine Schau befasst sich mit dem 81 Jahre alten Wasserturm.

Glauchau.

Hektisches Treiben am Gesauer Wasserturm. Die Mitglieder und Helfer des Bürgervereins Gesau-Höckendorf-Schönbörnchen haben alle Hände voll zu tun, den Grill anzuwerfen, die Tische aufzubauen, den Kuchen anzuschneiden. Eigentlich wollten sie den Turm gestern erst 14 Uhr öffnen, aber die "Freie Presse" verlegte in ihrer Ankündigung den Zeitpunkt um eine Stunde vor. Annelore Littmann (69) bereitet gerade Kuchenstücke vor. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass die Besucher gestern einen umfassenden Überblick über die 81-jährige Geschichte des Gesauer Wasserturms erhalten. Sie hat aufbauend auf die Chronologie des Glauchauer Historikers Rolf Scheurer die Tafeln zusammengestellt, die gestern im Turm zum erst zweiten Mal gezeigt wurden.

Das Wahrzeichen von Gesau fällt bereits von der Autobahn ins Auge. Besonders wegen seiner kunstvoll gestalteten Spitze glauben viele, es handle sich um einen Kirchturm. Dabei geht der Zweckbau auf die Nazi-Zeit zurück. 1935 wurde er gebaut, um das neue Wohngebiet mit Wasser zu versorgen. "Großsiedlung der NSDAP" hieß die Gegend damals ganz offiziell. Auf dem Foto von der Einweihung tragen die Honoratioren Militäruniformen und Hakenkreuzbinden. Nicht nur das ist auf den Schautafeln zu sehen und nachzulesen, sondern auch der ganz banale Alltag in der Siedlung. "Zwischen allen Häusern gab es Anbauten, in denen sich die Waschküchen befanden", erzählt Annelore Littmann. Fotos und Utensilien aus der Zeit hat sie gesammelt und ebenfalls teilweise für die Schau aufbereitet.

Die Dokumente und Geschichtstafeln erzählen später davon, wie die Siedlung zu groß für den Turm wurde. Das hat Littmann, die seit 1983 in Gesau wohnt, selbst miterlebt: "In der DDR mussten wir Wasser sparen. Wir durften den Rasen nicht sprengen. Offiziell jedenfalls." Seit 1995 ist der Turm außer Betrieb.

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