Kann man in so einem Haus wohnen?

Das Nachbargrundstück eines alteingesessenen Werdauer Betriebes verwandelt sich immer mehr in eine Mülldeponie. Von den Mietern ist weit und breit keine Spur. Droht Gefahr?

Werdau.

So schnell bringt Barbara Pape nichts aus der Ruhe. Die 74-jährige Werdauerin, noch immer Chefin der Druck GmbH an der Marienstraße in Werdau, hat in ihrem langen Berufsleben kämpfen gelernt. Doch jetzt stößt sie an ihre Grenzen.

Schuld daran sind die Mieter eines Mehrfamilienhauses auf dem Nachbargrundstück. Das Haus Marienstraße 24 steht nur wenige Meter vom Firmensitz und einer gepflegten Villa entfernt, die Barbara Pape gemeinsam mit Wolfgang Landgraf bewohnt. Der 79-jährige Bruder der Geschäftsfrau, deren Unternehmen sich seit 1908 in Fami- lienbesitz befindet und am gleichen Standort präsent ist, hilft noch immer ab und zu aus. "Was sich seit ein paar Monaten auf dem Nachbargrundstück abspielt, haben wir bisher noch nicht erlebt. Das Gebäude verwahrlost immer mehr. Da ist ein Kommen und Gehen. Keiner weiß, wem das Haus eigentlich gehört. Bauschutt lagert seit Monaten im Eingangsbereich. Manchmal wird im Hof bis in die Nacht hinein gefeiert. Früher hat da eine ältere Dame gewohnt, jetzt haben wir da schon bis zu 15 Leute gezählt", erzählt die Geschäftsfrau. Ob es sich um Ausländer handelt, kann Barbara Pape nur vermuten. Zumindest lassen die Namen das vermuten, die auf ein Stück Papier geschrieben und mit Klebeband am Tor befestigt wurden. "Im Prinzip ist egal, woher die Bewohner kommen. Sie können auch tun und lassen was sie wollen, doch der Zustand des Hauses lässt nichts Gutes ahnen", sagt die Werdauerin. Unklar ist, ob momentan überhaupt jemand in dem Gebäude wohnt. "Mal brennt da die ganze Nacht Licht, dann wieder drei Tage lang gar nicht. Mal steht das Tor stundenlang auf, dann ist es wieder fest verriegelt. Irgendwie ist das Ganze sehr mysteriös."

Barbara Pape befürchtet, dass bei einem möglichen Kälteeinbruch die Wasserleitungen in dem Gebäude, dessen Fenster teilweise offenstehen oder nur provisorisch eingebaut wurden, platzen könnten und das Anwesen dann unter Wasser steht. Und noch ein Gedanke beschäftigt die Werdauerin: Sie hat Angst, dass sich bei wärmeren Temperaturen auf dem Gelände Ratten tummeln könnten und breit machen. Sämtliche Gesprächsversuche mit den ständig wechselnden Bewohnern, deren Herkunft unklar ist, brachten keine friedliche Einigung. "Auf einmal verstehen die kein Deutsch mehr oder werden unsachlich", sagt Barbara Pape.

"Wir werden uns das Haus anschauen und notfalls aktiv werden", sagt Rathaussprecher André Kleber. Die Kommune könne jedoch erst einschreiten, wenn von Gebäuden Gefahr für Mitbürger ausgeht. Im Klartext: Drohen beispielsweise lockere Dachziegel auf den Gehsteig zu fallen, sodass sich Bürger verletzen könnten, schreitet die Kommune ein. Das geschehe auf Hinweise aus der Bürgerschaft oder nach eigenen Kontrollen, die Mitarbeiter des Rathauses regelmäßig durchführen würden. Nach Klebers Worten gibt es aktuell in der Stadt rund 50 Gebäude, die Sicherheitsmängel aufweisen.

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