Warum Westsachsen keinen Botschafter mehr in der Luft hat

Straßen und Botschafter, ungewöhnliche Orte, Promis: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 17: der ehemalige Airbus "Zwickau".

Zwickau.

Halten Sie bei Ihrem nächsten Flughafenbesuch in Dresden oder Leipzig/Halle doch mal Ausschau nach dem Airbus mit dem Kennzeichen D-AIQC. Hierbei handelt es sich um Westsachsens Ex-Botschafter der Lüfte. Am 10. Juni 1992 taufte die damalige OB-Gat- tin Beate Eichhorn die Maschine in Frankfurt auf den Namen "Zwickau". Seither war der Flieger 22 Jahre lang für unsere Region im Einsatz. Die Lufthansa schickte den Airbus der Modellreihe A320 bis Mitte 2014 zu Kurz- und Mittelstreckenzielen in ganz Europa, Nordafrika und Vorderasien - von A wie Amsterdam bis Z wie Zypern. Am Hochzeitswochenende von Schwedens Prinzessin Madeleine düste das Flugzeug mit rund 800 km/h nach Stockholm. In Dresden und Frankfurt hatte ich das Glück, den Botschafter (37,6 m lang; 11,8 m hoch; 34,1 m Spannweite) zu treffen. Leider setzte ihn die Fluggesellschaft nie auf meinen Flugreisen ein.

Vor zwei Jahren übernahm die Lufthansa-Tochter Germanwings Deutschland- und Europaverkehre von ihrer Mutter. Etliche Flugzeuge wechselten die Flotte und wurden umgerüstet. Taufnamen wie "Zwickau", "Gera" oder "Jena" gingen dabei verloren. Im Sommerloch 2015 attackierte der sächsische Bundestagsabgeordnete André Hahn (Die Linke) die Kranich-Airline: Laut seiner Zählung waren lediglich noch 17 von 184 auf den Namen eines deutschen Ortes getauften Maschinen ostdeutsch (einschließlich Berlin) - "völlig indiskutabel und dringend korrekturbedürftig", wetterte der Politiker.

Die Airline beruhigt, denn es gelte das Motto: "Einmal Lufthansa, immer Lufthansa". Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, gehe der Namen auf ein anderes Flugzeug über, wenn die ursprünglich getaufte Maschine aus der Flotte ausscheide. "Zwickau muss noch ein bisschen warten", heißt es aus der Konzern-Pressestelle. In diesem Jahr sei nicht mit einer Taufe zu rechnen. Zu wenige neue Flieger stünden zur Verfügung.

Der im irischen Shannon um- lackierte Airbus D-AIQC ist seit Herbst 2014 namenlos im europäischen Flugnetz unterwegs. Seit einigen Monaten startet er - trotz der noch ziemlich frischen Germanwings-Lackierung - für die neue Dachmarke Eurowings. Auf Portalen wie flightradar24.com lassen sich die Flugumläufe tagesaktuell nachvollziehen. Im April besuchte er unter anderem die Flughäfen Budapest, London-Heathrow, Lissabon, Neapel und Teneriffa.

Voriges Jahr musste Zwickaus "Botschafter a. D." nach Angaben des Branchendienstes "The Aviation Herald" auf dem Weg nach Barcelona wegen einer Geruchsentwicklung im Cockpit nach Köln/Bonn zurückkehren. Bei dem im März 2015 in Frankreich verunglückten Germanwings-Flug 4U9525 handelte es sich um ein Schwesterflugzeug, der A320 D-AIPX mit dem Ex-Taufnamen "Mannheim".

www.zwickautopia.de

www.freiepresse.de/spuren

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