Auch Abschied und Endgültigkeit

Das Grenzdurchgangslager im niedersächsischen Friedland war nach Ende des Zweiten Weltkriegs ab September 1945 für Millionen von Menschen die erste Station, nachdem sie die innerdeutsche Grenze von Ost nach West überquert hatten. Für die vertriebenen Aussiedler vor allem aus den ehemals deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland war es der Beginn für eine ebenso außergewöhnliche wie schwierige Herausforderung, sich eine neue Heimat und Zukunft aufzubauen, denn hinter ihnen lag der Kommunismus und vor ihnen der Kapitalismus. Was bedeutet es, entwurzelt zu sein? Wie empfindet man das Ankommen in einem neuen System?

In dem Buch "Heimatlos - Friedland und die langen Schatten von Krieg und Vertreibung" erzählt der Autor Christopher Spatz von diesen besonderen Augenblicken des Seiten- und Weltenwechsels und den vielen Facetten der Heimatlosigkeit. Im Klappentext heißt es dazu: "Der Verlust der Heimat ist existenziell. In vielen Familien wirkt die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen weiter. Ob die Erfahrungen im kollektiven Gedächtnis unserer Nation bleiben oder langsam verblassen, ist offen."

Zahlreiche, darunter viele bislang noch nicht veröffentlichte Aufnahmen des Fotoreporters Fritz Paul (1919 bis 1998) ergänzen die Texte und bieten dem Leser durchaus auch überraschende Einblicke in das Leben der Vertriebenen, Zivilverschleppten, Heimkehrer und Aussiedler in den Fünfzigerjahren. Für die in Friedland eintreffenden Menschen bedeutete das Grenzdurchgangslager ein erstes Durchatmen, aber auch einen Abschied und eine Endgültigkeit. Empfangen wurden sie im Zeichen selbstloser Hilfsbereitschaft. Das Presseecho darauf war damals enorm, die Symbolik verbindend. Getriebenheit, Verelendung und Rührseligkeit, Tod und Neuanfang bildeten hier ein verstörendes Nebeneinander. fp

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