Ein Erbe von Busch und Ringelnatz

Gedichte

Werden Gedichte heute gebraucht, ja werden sie überhaupt noch gelesen? Manchmal scheint es so, als würden mehr Gedichte geschrieben als lesend konsumiert. Dabei weiß Wolfgang Buschmann, Erbe der heiteren Poesie unserer Literatur, durchaus Brauchbares, Lesbares auch in seinem neuen Band "Im Ernstfall heiter" zu bieten. Freilich übertreibt er es ein wenig, immerhin gut dreihundert Vierzeiler werden hier angeboten, das ist des Guten zu viel, möchte man sagen.

Gebrauchsgedichte, was ist das denn? Es sind Verse, die sich nicht in romantischen Wäldern bewegen, sondern in den Niederungen heutiger Wirklichkeit. Buschmann ist ein engagierter Zeitgenosse, er findet sich nicht ab mit den Miesigkeiten und Dummheiten seiner Umgebung. Seine Vierzeiler sind denn auch moralische Episteln. Ob sie so wahrgenommen werden, bleibt eine Frage. Aber da ist immerhin noch die Erbschaft von Wilhelm Busch, Ringelnatz und anderen heiteren Schreibern - Buschmann nimmt sie durchaus eigenständig und eigenwillig auf. Und er schreckt auch nicht zurück, seine möglichen Rezensenten ein wenig auf die Schippe zu nehmen. So wird man sich hüten, seine Verse blendend zu nennen. Übrigens, Maria Buschmann, Ehegespons des Poeten, hat dem Band etliche Fotografiken beigegeben, da kann man sich immer mal von der Dichtkunst ihres Herrn Gemahls erholen. Und ein Resümee im Stil des Meisters: Bist du noch kein großes Licht, lies doch mal Buschmanns heiteres Gebrauchsgedicht. (kw)

Wolfgang Buschmann: "Im Ernstfall heiter"
Omnino Verlag
193 Seiten
12,99 Euro
ISBN 978-3-95894-038-3

Dieser Beitrag erschien in der Wochenendbeilage der "Freien Presse".

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