Lenchen Demuths heimliche Liebe

Einsicht in den inneren Zirkel der Familie von Karl Marx

Sie geriet in eine verdammte Zwickmühle: Lenchen Demuth hielt 38 Jahre lang als Dienstmädchen die Fäden in der Familie von Karl Marx zusammen. Und sie verliebte sich in den revolutionären Theoretiker, der nur mit der Hilfe seines Freundes Friedrich Engels über die Runden kam. Diese beiden Männer schrieben ihre politischen und ökonomischen Werke über die Abschaffung der gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, und Lenchen Demuth, die Karl Marx einen Sohn gebar, musste erleben, wie kleinbürgerlich er auf die Folgen des "Fehltritts" reagierte.

Claudia und Nadja Beinert gestatten dem Leser mit dem Blick von Lenchen Demuth Einsicht in den inneren Marx-Zirkel - und zeichnen zugleich mit dem Schicksal der Haushälterin ein Stück Sozialgeschichte. Sicher, Lenchen Demuth gehörte zur Familie, sie spielte mit Karl Marx Schach, war Vertraute, ja Freundin von Jenny und Betreuerin der Kinder, die sie sehr liebten. Sie stand zu ihnen auch in schlechten Tagen, von denen es reichlich gab - und verzichtete auf ihr persönliches Glück. Unentbehrlich für das Überleben des Marx-Clans, der wegen prekärer Finanzen - Umzüge, Armut und Pfändung inklusive - oft genug keinen Rat mehr wusste. Lenchens Affäre mit Karl wurde als unerhört und Schande empfunden und der Sohn weggegeben.

Der 200. Geburtstag des Philosophen, Systemkritikers, Wirtschaftswissenschaftlers, Journalisten und Verfassers von Schriften wie dem "Kommunistischen Manifest" gab vielen Verlagen Anlass für Neuerscheinungen. Die Beinert-Schwestern steuern einen gleichermaßen unterhaltsamen wie einfühlsamen historischen Roman bei, der den Alltag jener Zeit detailreich einfängt.

Claudia und Nadja Beinert: "Revolution im Herzen. Die heimliche Liebe des Karl Marx"

Knaur Verlag

480 Seiten

19,99 Euro

ISBN 978-3-426-65433-0

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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