Vierte Tote und die Frage: Alle nur Katzenfreunde?

Zum vierten Mal schickt Christian von Ditfurth seinen etwas anderen Ermittler auf Verbrecherjagd: Eugen de Bodt ist nämlich auch noch Philosoph.

Unter den deutschen Krimiautoren gehört Christian von Ditfurth zum einen seit der Jahrtausendwende zu den besonders erfolgreichen. Waren es zuerst historische Stoffe wie in "Der 21. Juli", die er in einen höchst spannenden Plot packte, erfand er dann mit Josef Maria Stachelmann, der ebenso am Leben wie an seiner Habilitation als Historiker zu scheitern droht, einen etwas anderen Ermittler, denn er schlittert mehr durch die zu lösenden Fälle, als dass er detektivischen Sachverstand an den Tag legt. "Mann ohne Makel" war 2002 der erste Band, und mit "Böse Schatten" ist Anfang dieses Jahres der siebte innerhalb dieser Reihe erschienen.

Zum anderen hat der der 65-jährige Sohn des Fernsehmoderators Hoimar von Ditfurth vor vier Jahren mit "Heldenfabrik" und dem ersten Fall für Eugen de Bodt einen außergewöhnlichen Stilwechsel vollzogen und ist ins Fach der reißerischen, brutalen und auch blutigen Thriller gewechselt. Auch hier unterscheidet sich der Hauptkommissar von den meisten seiner Kollegen von anderen Autoren: De Bodt ist nicht nur genauso scharfsinnig wie auf sein Bauchgefühl vertrauend bei seinen Ermittlungen, er ist auch geistreich und philosophisch, weshalb seine ständigen Zitate von Hegel, Nietzsche und Kant nicht aufdringlich, sondern eher unterhaltsam sind. Dass die Hauptfigur sich um Regeln und Vorschriften nicht kümmert und den Chefs gern mal die Meinung geigt, macht ihn umso sympathischer, auch weil er trotzdem ein Teamplayer ist und sich auf seine Mitstreiter stets verlassen kann.

Mit "Schattenmänner" hat Christian von Ditfurth jetzt den vierten Band in dieser Reihe veröffentlicht. Sein Erzählstil ist der, mit dem andere Thrillerkollegen wie Sebastian Fitzek oder Arno Strobel auf einer Erfolgswelle schwimmen: Mehrere Orte und Handlungsebenen, deren Verknüpfung sich ganz langsam erschließen, während die einzelnen, Szenen sehr kurz sind und eigentlich immer mit einem Cliffhänger enden, deren Auflösung es dann erst einige Seiten später gibt. Und der Autor überzeugt mit Sachkenntnis, weil er über Wirtschaftskriminalität, organisierte Verbrechen ebenso fundiert schreibt wie über das Gebaren von Auftragskillern, Spionen und Urhebern von Verschwörungstheorien. Denn um all das geht es auch in "Schattenmänner".

Vier Menschen werden ermordet: Die Geliebte eines bayerischen Bundesministers in Berlin mit einem Kopfschuss, in Düsseldorf ein Mann bei einem (nur scheinbaren) Verkehrsunfall, in Paris wird eine Touristin vor eine einfahrende Metro gestoßen, und im Quimper wird eine Frau vor einer Eisdiele von einem Scharfschützen getötet. Die Taten scheinen zunächst in keinem Zusammenhang zu stehen, bis allmählich (auf allen Ebenen nacheinander) auffällt, dass alle Toten auf Facebook in einer Katzengruppe aktiv waren und außerdem für Rüstungskonzerne gearbeitet haben. Eugen de Bodt hat einen Verdacht, äußert ihn öffentlich, gerät ins Fadenkreuz der Verbrecher und entgeht nur knapp drei Anschlägen.

Christian von Ditfurth: "Schattenmänner"

C. Bertelsmann

480 Seiten

15 Euro

ISBN 978-3570103524

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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