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Tom Tykwer - Hinter der Glitzerfassade des mondänen Berlin der 20er- und 30er-Jahre gedeihen das Verbrechen und der politische Extremismus. Kein Wunder: In anderen Teilen der Stadt herrscht unvorstellbare Armut.

Foto: Sky Foto: Britta Pedersen/dpa

"Babylon Berlin": Sittengemälde zwischen Mord und Kunst

Sie ist mit 40 Millionen Euro für zwei Staffeln die teuerste TV-Serie, die je in Deutschland produziert wurde. Der Markt nimmt "Babylon Berlin" begeistert auf. Ab Freitag ist das Gemeinschaftswerk von ARD und Sky zu sehen - aber nur gegen Bares.

Von Maurice Querner
erschienen am 13.10.2017

Chemnitz. Kritiker, die bereits vorab bei einer Aufführung erster Teile, zugegen waren, zeigten sich begeistert. Ebenso der internationale Markt: Die Serie ist bereits unter anderem nach Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden und Spanien verkauft worden. In den USA wird die Serie bei Netflix laufen.

"Babylon Berlin" ist der Titel einer Megaproduktion: Gedreht wurde bei einem Budget von 40 Millionen Euro an 180 Tagen an 300 Drehorten mit 70 Requisiteuren. Ob der Aufwand sich gelohnt hat, kann der Zuschauer vorerst nur im Sky-Universum beurteilen, wenn er zahlt. Die 16 Episoden sind ab 13. Oktober 2017 immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen und gleich danach im Streaming zu sehen. Beim Kooperationspartner ARD - auch das ein Novum - werden sie erst im Herbst 2018 ausgestrahlt.

"Die Serie von Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries ist etwas ganz besonderes", so Elke Walthelm, Programmchefin bei Sky Deutschland. "Babylon Berlin" erzähle auf Basis der international erfolgreichen Bestseller-Reihe von Volker Kutscher um Kommissar Gereon Rath im Berlin der 20er- und 30er-Jahre das Panoptikum der aufregenden Stadt zwischen Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus. Nicht mehr und nicht weniger als ein Sittengemälde wolle er vermitteln, verspricht Regisseur Tykwer.

Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt - alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der jungen Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zu Exzess und Luxus des Nachtlebens und der überbordenden kreativen Energie der Stadt.

Gereon Rath, junger Kommissar aus Köln, wird nach Berlin versetzt. Bei der dortigen Sittenpolizei soll er einen von der Berliner Mafia geführten Pornoring ausheben. Der Fall, bei dem es sich auf den ersten Blick um eine simple Erpressung zu handeln scheint, entpuppt sich bald als großer Skandal, der Raths Leben und das seiner engsten Vertrauten für immer verändern wird. Zusammen mit der Stenotypistin Charlotte Ritter und seinem Kollegen Bruno Wolter sieht sich Rath einem Dschungel aus Korruption, Drogen- und Waffenhandel gegenüber, der ihn in einen existenziellen Konflikt zwischen Loyalität und Wahrheitsfindung zwingt. Denn wer ist Freund, und wer ist Feind in dieser Geschichte? Selbst eine Institution wie die "Rote Burg", das Polizeipräsidium von Berlin und Zentrum von Rechtsstaat und Demokratie, wird in den politischen Unruhen zwischen kommunistischer Maidemonstration und aufkommendem Nationalsozialismus immer mehr zum Schmelztiegel einer dem Untergang geweihten Demokratie.

Tom Tykwer - Regisseur

Foto: Britta Pedersen/dpa

Die Hauptrollen wurden mit Darstellern wie Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Matthias Brandt, Fritzi Haberlandt, Leonie Benesch, Lars Eidinger, Severija Janušauskaite, Mišel Maticevic und Karl Markovics besetzt, erstklassige Darsteller, die aber zumindest teilweise eben auch noch nicht im Serien-und TV-Film-Einerlei "verbraucht" sind.

Für Sky kommt "Babylon Berlin" gerade zum rechten Zeitpunkt, muss sich der Pay-TV-Anbieter doch neuerdings mit privater Konkurrenz bei Fußball-Übertragungen herumschlagen. Der zu erwartende Zuschauerschwund kann möglicherweise durch Film- und Serienfans aufgefangen werden.

 
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