Coldplay auf der Stradivari

Der Geiger David Garrett gab in Schwarzenberg vor begeistertem Publikum das dritte Konzert seiner Open-Air-Tournee "Classic Revolution".

Schwarzenberg.

Stehend. Jubelnd. So wurde David Garrett von dem Publikum in Schwarzenberg empfangen. Erschienen ist er zum Auftakt seines Auftrittes nicht - wie erwartet - auf der Bühne, auf der die Neue Philharmonie Frankfurt und Garretts Band als die "Zarathustra-Introduktion" von Richard Strauss ansetzten, sondern vor der Bühne, um mit der "A. Busch"-Stradivari aus dem Jahre 1716 das Publikum nicht von einem Podest, sondern direkt anzuspielen. Mit seiner Version von Robbie Williams' Megahit "Let Me Entertain You". Solche Streifzüge zum Publikum unternahm der Stargeiger mehrmals an diesem herrlichen Sommerabend, wie geschaffen für eine große Open-Air-Show mit vielen pyrotechnischen Effekten und den Tänzern des Fernsehballetts, denen er öfters die Show stahl.

Es wird an diesem Abend zu Coldplays "Paradise" mehrfach "Gold" regnen, es wird getanzt - zu rockigen Versionen russischer Folklore, zu "Baila Me" von den Gipsy Kings, zu Bon Jovis "Living On A Prayer" und zu "La Bamba". Garrets Crossover-Konzert umspannt Arrangements von Abbas "I Have A Dream" und Bruce Springsteens "Born in the USA", Carl Orffs "Carmina Burana" und Queens "We are The Champions", Miles Cyrus Nummer-eins-Hit des vergangenen Jahres "Wrecking Ball", Beethovens Fünfter und "Lacrimosa" aus Mozarts "Requiem".

In einem Medley vereint der Stargeiger, der im Kinofilm "Der Teufelsgeiger" Paganini mimte, "Fluch der Karibik" mit Musik von Michael Jackson und Nirvana.

Der Himmel blitzt an diesem Abend nur auf den Leinwänden - zu Verdis "Requiem". Garrett geigt es in Jeans und T-Shirt, mit Haar zum Dutt geknotet mit Band, Orchester, dem Chor-Gesang vom Band und großer Feuer-Show.

"Wir müssen löschen! Mit einem Feuerlöscher. Es brennen gerade die Kabel ab", stellt Garrett mitten im ersten Teil seiner Show fest, als die letzten Töne von Metallicas "Fuel" zu tanzenden Feuerstrahlen verklingen, aber eine Düse immer noch Flammen spuckte. Gelöscht wurde der kleine Brand in der Show des Geigers, der mit der Darbietung von Rimski-Korsakows "Hummelflug" in 65,26 Sekunden eine Zeit lang als schnellster Geiger der Welt galt, in Sekundenschnelle.

Mitgebracht hatte David Garrett nach Schwarzenberg die brillante Pianistin Valentina Babor, die drei Kostproben aus ihrem ersten Album "Piano Princess" gab, das am 10. Juli erscheint und bei dem Garrett erstmalig als Produzent wirkte. Video-Technik sei Dank konnte das Publikum auch von den hintersten Reihen der Schwarzenberger Waldbühne der Virtuosin auf die Finger schauen.

Bei der Garretts Zugabe von Presleys "You Are Always On my Mind" kurz vor 22 Uhr glaubt man auf den großen Bildschirmen Garretts Augen, vor Glück und Rührung verdächtig glänzend schimmern zu sehen. In Anbetracht von einem Lichtermeer, erzeugt durch die auf Taschenlampen-Betrieb gesetzten Handys tausender jubelnd-verträumter Fans, ist das leicht nachvollziehbar.

"Ich hatte einen wahnsinnig schönen Abend, ich hoffe ihr auch", sagt Garrett. Das Publikum bedankt sich mit stehenden Ovationen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...