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Jan Gerrit Brüggemann als Teufel, Ulrike Euen als Margarita und Andreas Manz-Kozár als Meister (von links) in der Bulgakow-Inzenierung im Chemnitzer Schauspielhaus.

Foto: Dieter Wuschanski/Theater

Ein Kuss für den Teufel im Chemnitzer Schauspiel

Der "Meister und Margarita" bekommen noch eine Chance als Paar. Michail Bulgakows Kultbuch darf im Chemnitzer Schauspiel seine Magie entfalten.

Von Uta Trinks
erschienen am 19.03.2018

Chemnitz. Ein Hufeisen, direkt aus der Hand des Teufels: Was will man mehr? Dem "Meister und Margarita" kann nichts Besseres passieren. Sie waren schon mal ein Paar - und dürfen es nach vielen Wirren wieder sein. Uneigennützig freilich war die Glücksgabe des satanischen Herrn Voland nicht. Schließlich liefert des Meisters Romanmanuskript dem Leibhaftigen indirekt die Bestätigung dafür, dass es ihn tatsächlich gibt. Doch was heißt hier eigentlich wirklich und was imaginär?

Michail Bulgakows "Meister und Margarita" ist nicht nur ein Roman-Klassiker des 20. Jahrhunderts, das Buch ist vielmehr Kult, ein dermaßen komplexes satirisches Werk über die menschliche Gesellschaft im Allgemeinen und den Überwachungsstaat der Stalinzeit im Besonderen, dass es schlicht nicht in einen einzigen Theaterabend zu packen ist. Also muss man sich was raus- picken aus dieser überbordenden Geschichte. Die Bühnenfassung von Malte Kreutzfeldt, der auch die ideenreiche Regie verantwortet, feierte am Samstag im Chemnitzer Schauspielhaus ihre mit langem Beifall bedachte Uraufführung. Zu erleben war ein magisches Spektakel, das viele Menschheitsfragen berührt. Da zieht ein faszinierender szenischer Reigen vorbei, als wischte man in seinem Smartphone durch die Bilder-Galerie.

An drei Strängen hangelt sich die Handlung entlang: Ein Schriftsteller, Meister genannt, schreibt einen Roman über Pontius Pilatus. Im Moskau der 1930er-Jahre reißt sich der Teufel eine Wohnung unter den Nagel. Was tut's, wenn dafür der Vormieter sein Leben lassen muss? Er ist ohnehin nicht der Einzige in diesem Stück. Und schließlich kommen die einstigen Geliebten wieder zusammen. Das Ganze wird letztlich so miteinander verschränkt, dass man sich drei Stunden lang im Tollhaus wähnt. Da geht es um Korruption, Wahrheit und Lügen, Feigheit, Liebe und Freiheit. Der Grenzen sprengende Abend changiert zwischen Wirklichem und Fiktivem, Gut und Böse. Komik und Tragik.

Das Ensemble ist im überzeugenden Großeinsatz. Überragend Jan Gerrit Brüggemann als cooler, selbstgefälliger Teufel, der mit einer witzigen Viererbande von Helfern (Susanne Stein, Philipp von Schön-Angerer, Stefan Schweninger und Maria Schubert) die Strippen zieht. Andreas Manz-Kozár verleiht seinem Meister glaubwürdig das Resignative eines Künstlers, dessen Werk nicht erscheinen darf, während Ulrike Euens Margarita beherzt mit dem Zauberer Voland einen Pakt eingeht, inklusive Kuss, um die Liebe ihres Lebens und den Roman zu retten. Dass diese russische Faustversion zu einem vielschichtigen Theatererlebnis wird, ist auch dem eindrucksvollen Bühnenbild (Nikolaus Porz) und den fantasiereichen Kostümen (Anke Wahnbaeck) zu danken.

Nächste Aufführungen von "Meister und Margarita" im Chemnitzer Schauspielhaus am 24. März und 5. April, jeweils 19.30 Uhr. Kartentelefon: 0371 4000430.

www.theater-chemnitz.de

 
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