Märchen aus der Zukunft

Der Chemnitzer Frank Haubold schreibt Science Fiction - und hat es damit immerhin schon einmal auf Augenhöhe mit Frank Schätzing geschafft. Kürzlich vollendete er seine große Roman-Trilogie "Götterdämmerung".

Meerane.

Als die Wende kam, begann Frank Haubold mit dem Schreiben. "Vorher erschien mir das einfach nicht aussichtsreich", erklärt er. Denn er habe nie vorgehabt, allein für die Schublade zu schreiben - und das Klima in der DDR für Veröffentlichungen von Science Fiction sei nicht sehr gut gewesen. Doch nach der Wende änderte sich alles: Haubold konnte sich vom Fan zum Autor entwickeln - und mittlerweile hat er mit dem dritten Band "Das Licht von Duino" seine "Götterdämmerung"-Trilogie vollendet. Diese handelt vom Weltraum-Kommandanten Raymond Farr, der eine entführte Frau sucht und dabei mit seinen Gefährten Abenteuer in fremden Galaxien erlebt, eine Art galaktisches Road-Movie, in dem nichts so ist, wie es scheint.

Die Weichen für seine Laufbahn wurden schon früh gestellt. Geboren und aufgewachsen im mittelsächsischen Frankenberg, kam Haubold schon als Jugendlicher mit Science-Fiction-Literatur in Berührung. Er verschlang die Bücher über Raumfahrten, zukünftige Welten und absurde Erfindungen, sobald er ihrer habhaft werden konnte. Autoren wie Stanislaw Lem, die Brüder Arkadi und Boris Strugazki, aber vor allem Ray Bradbury wurden zu seinen Vorbildern. Schon damals fragte Haubold sich, ob er solche Geschichten nicht auch selbst schreiben könnte. Später setzte er seinen Wunsch in die Tat um, mit einem einfachen Rezept. "Ich denke mir eine Situation aus, zum Beispiel erfinde ich einen Einsiedler, der auf dem Mars in einem Gewächshaus Sonnenblumen züchtet. Dann schreibe ich seine Geschichte", erklärt er. Auf diese Weise entstehen auf seinem Schreibtisch nun schon seit 25 Jahren regelmäßig Geschichten, viele von ihnen wurden in Buchform veröffentlicht.

Aufmerksame Fantasten

Das Schreiben nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, zum Leben reicht es allerdings nicht. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit geht der heute 60-Jährige Haubold einem geregelten Beruf als IT-Medizintechniker nach. "Wer schreibt denn heute noch Science Fiction, wenn andere Genres wie Krimis weitaus höhere Absatzzahlen haben", sagt er. Dennoch habe er sich für diese Geschichten entschieden und auch für die eingeschworene Fanszene, die sich darum gebildet hat. Mit seinen Fans steht er in engem Kontakt: Frank Haubold baute sich eine eigene Internetseite, liest immer wieder auf Veranstaltungen und kommuniziert mit seinen Lesern und anderen Science-Fiction-Fans über diverse Foren. Seine ersten Schritte in der Schriftsteller-Welt machte er in der Literaturwerkstatt der "Freien Presse", wo er Gleichgesinnte kennenlernte. "Den Anfang machte ein Mann aus dem Erzgebirge mit einer nicht ganz so überzeugenden Kriminalgeschichte. Ich dachte mir, wenn du dich jetzt meldest, kann es eigentlich nur besser werden", sagt Haubold. Er las dann tatsächlich seine eigene Geschichte - und bekam Applaus. Kurz darauf wurde er in einer Anthologie sogar veröffentlicht.

In den Folgejahren wurde der Erste Deutsche Fantasyclub Passau auf Haubold aufmerksam und druckte einige seiner Geschichten in der Reihe "Fantasia", die die Organisation für ihre Mitglieder herausgibt - allerdings nur mit Kurzgeschichten und Novellen. Haubold aber wollte mehr, er schickte Manuskripte an verschiedene Verlage. Nach einigen Ablehnungsschreiben wandte er sich direkt an Wolfgang Jeschke, dem damals das Science-Fiction-Programm des Heyne-Verlags oblag. 2008 gelang dem Autor dann der endgültige Durchbruch: Er gewann den Deutschen Science-Fiction-Preis, den auch schon Erfolgsautoren wie Frank Schätzing und Andreas Eschenbach erhielten.

"Ich finde den Gedanken faszinierend, dass Menschen auf den Mars auswandern, weil sie auf der Erde ihre Konflikte nicht mehr lösen können", erklärt er seinen Antrieb. Diesen Gedanken greift er immer wieder auf. Er unterscheidet in seinen Werken Geschichten die in naher Zukunft oder in ferner Zukunft spielen. "Wenn es in einer nahen Zukunft spielt, muss es auch logisch sein", sagt der Autor. Für länger dauernde Flüge ins Weltall müsse es etwa einen neuen effektiven Treibstoff geben. Ein weiteres wichtiges Thema in seinem Werk ist die künstliche Intelligenz. Als studierter Bio-Physiker kann er seinen Geschichten das nötige Hintergrundwissen geben um authentisch zu wirken. Ihn beschäftigt vor allem die Frage nach der Möglichkeit, ob eine künstliche Intelligenz ein eigenes Ich-Bewusstsein entwickeln kann. Und auch die Gegenfrage drängt sich ihm in diesem Zusammenhang immer wieder auf: Kann man menschliches Bewusstsein transferieren? Denn das würde bedeuten, dass das Bewusstsein etwas Mechanisches sei, was bearbeitet werden kann.

Poesie und Wissenschaft

In seiner "Götterdämmerung"-Trilogie, eine Weltraum-Odyssee, die er in diesem Jahr vollendete, begab sich der Schriftsteller etwas weiter in die Zukunft und die Welt des Fantastischen. "Ich erzähle in den Büchern eigentlich ein Märchen - mit den typischen Ingredenzien Liebe, Krieg und Tod". In seiner Trilogie wagte sich Haubold nicht nur weit hinein in die Welt jenseits des wissenschaftlich Erklärbaren, sondern versuchte auch mit der Sprache zu experimentieren.

Wie er sagt, gelten sprachliche Finessen in der Science-Fiction-Literatur eher als Nebensache. Doch da er ein Bewunderer von Rainer Maria Rilke sei, wollte er etwas von dessen Stil in einige Kapitel der Trilogie transportieren, um damit seiner Geschichte auch eine poetische Komponente zu verleihen. Nachdem Haubold mit dem letzten Band seiner "Götterdämmerung" nun ein mehr als 1000 Seiten umfassendes Mammutwerk vollendete, möchte er sich erst einmal wieder kleineren Texten und Geschichten widmen. "Wenn man so lange an einem Projekt gearbeitet hat, fällt man danach erst einmal in ein Loch. Dann fehlt der Antrieb, gleich mit dem nächsten Buch weiterzumachen.", erklärt der Schriftsteller. Kleinere Texte und Novellen sind schon am Entstehen, doch ein neues Romanprojekt liegt noch nicht in der Schublade des Meeraners.

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