Neuer Vorstoß für sächsische Hymne

Bayern hat eine und sogar das kleine Saarland. Sachsen dagegen tut sich schwer mit einem eigenen Lied. Nun hat eine Bürgerinitiative fünf Vorschläge einsingen lassen und hofft auf den Durchbruch.

Chemnitz.

Für die Musiktexterin Doris Grieswald aus Limbach-Oberfrohna wäre es ein großartiges Erlebnis gewesen: Wenn ausgerechnet beim diesjährigen Sachsentag in ihrer Stadt am Wochenende eine von ihr und dem Chemnitzer Komponisten Axel Klemm verfasste Sachsenhymne uraufgeführt worden wäre. Doch auch diesmal erklang kein Sachsenlied zum Sachsentag, obwohl das Thema immer wieder Fürsprecher findet.

Als Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) im Vorfeld des Sachsentages dazu befragt wurde, wiegelte er ab und meinte, es gebe zu dem Thema nichts Neues zu sagen. Außerdem müssten Vorschläge der Staatskanzlei nicht dem Landtag, unterbreitet werden. Zumindest weiß Rößler aber, dass die Staatskanzlei selbst Mitte der 1990er-Jahre schon einmal Vorschläge sammelte - eine Idee, die wohl auf Kurt Biedenkopf zurückging. Sie brachte sogar ein Liederbuch "Wie lieb ich dich mein Sachsenland" mit 102 Titeln heraus. Selbst der Evergreen "Sing, mei Sachse, sing" von Jürgen Hart fand dort Eingang. Das vielleicht einzige Lied, mit dem sich viele identifizierten, das für offizielle Anlässe allerdings nur bedingt geeignet war. Beim Tag der Sachsen 1994 in Annaberg-Buchholz wurden einige der Lieder zum besten gegeben. Danach aber schlief das Engagement in dieser Sache ein.

Umfragen 1995 und 2005 bestärkten die Regierung wohl darin, das Thema lieber ruhen zu lassen. Denn 72 und zehn Jahre später sogar 75 Prozent der Sachsen meinten, ihr Land brauche keine eigene Hymne. Bis heute argumentiert die Staatskanzlei, dass eine Sachsenhymne, die zu Festen und Feierlichkeiten im Land gespielt wird, breite Zustimmung finden müsse. Mancher hält deshalb sogar das Steigerlied der Bergleute, das in Sachsen oft gesungen wird, für geeignet. Der Politikwissenschaftler Tom Thieme von der Technischen Universität Chemnitz meint: Da offizielle Symbole wie eine Flagge, Hymne oder auch die Bezeichnung Freistaat identitätsstiftend seien und Identität wiederum für den Zusammenhalt einer Gesellschaft stehe, könnten solche Symbole durchaus positiv wirken. Allerdings müsse so etwas traditionell verankert sein. "Das lässt sich den Menschen nicht überstülpen frei nach dem Motto: Wir geben uns jetzt mal eine Hymne. Vorhandene Sachsenlieder zu einer Hymne aufwerten, könnte eher unfreiwillig komisch rüberkommen."

Für Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates, ist "das Thema verbrannt". Während er glaubt, dass sich in angespannten Zeiten wie jetzt kein Mensch für dieses Thema stark machen werde, sieht es der Chemnitzer Komponist Klemm anders: "Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, ein Zeichen zu setzen." Für sein Lied gibt er zu, musikalisch sowohl an Joseph Haydens "Deutschlandlied" als auch an Hans Eislers DDR-Hymne "Auferstanden aus Ruinen" angeknüpft zu haben.

Der 74-jährige Peter Knauke aus Meißen lässt sich von ablehnenden Äußerungen nicht entmutigen. Obwohl auch er einräumt, dass die Suche nach und die Entscheidung für eine Hymne langsam zur unendlichen Geschichte wird. Er und seine Mitstreiter in der Interessengemeinschaft Sachsenlieder/Landeshymne haben nun einen neuen Anlauf unternommen. Schließlich hätten auch andere Länder wie Bayern, Hessen und das Saarland eigene Hymnen oder pflegen zumindest eigene Landeslieder, wie Thüringen das "Rennsteiglied" von Herbert Roth. "Warum sollte es so etwas nicht in Sachsen geben", meint Knauke. Für ihn ist eine Landeshymne ein positives Beispiel von Patriotismus für alle Sachsen, ganz gleich, ob sie singen oder nicht und unabhängig davon, ob sie hier geboren oder später zugezogen sind.

Unterstützt vom Radebeuler Lößnitzchor und dem Meißner Chor "Blaue Schwerter" ließ die Interessengruppe jetzt fünf Titel einsingen. "Damit kann sich jeder, den das Thema bewegt, selbst einen Eindruck verschaffen", sagt Knauke.

Zu den Titeln gehört "Gott sei mit dir, mein Sachsenland" nach einer Melodie des früheren Kreuzkantors Ernst Julius Otto von 1841. Es war das am häufigsten vorgeschlagene Lied 1994. Ein anderer Vorschlag ist "Sachsenstolz", ursprünglich ein Marschlied aus Sachsen, das inzwischen allerdings bereits mit anderem Text als "Badnerlied" zwischen Karlsruhe und Breisgau gesungen wird. Aufgenommen wurde außerdem "Heil dir, mein Sachsenland", ebenfalls komponiert von Julius Otto, sowie "Sachsen, mein Heimatland" mit Text und Melodie von Volker Hahn - einst Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Der Chemnitzer Klemm und Doris Grieswald aus Limbach-Oberfrohna haben eine Testaufnahme ihres Liedes "Friede dir, mein Land der Sachsen" schon mal an Ministerpräsident Stanislaw Tillich geschickt.

Hymnen-Kämpfer Knauke wäre es egal, welches Lied das Rennen macht. Es könne auch ein ganz anderes Werk sein, sofern die Sachsen endlich gemeinsam singen würden. "Und wer nicht singen will, der hindere wenigstens andere nicht daran", schließt die Interessengemeinschaft ihr Positionspapier.

 

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11Kommentare
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  • 2
    1
    BlackSheep
    06.09.2016

    Wir haben doch schon eine deutsche Hymne, wieso ist da noch eine sächsische Hymne nötig?

  • 2
    1
    Blackadder
    05.09.2016

    Prinzipiell definiere ich Frieden als Gegenteil von Krieg. Leider scheinen viel zu wenige in diesem Land schätzen zu wissen, dass sie hier im Frieden leben können.

    Aber das mit dem Unfrieden und der Hetze, das stimmt. Das muss man leider auch hier im Forum immer wieder lesen. Traurig.

  • 5
    1
    Interessierte
    05.09.2016

    Wenn sie es noch nicht bemerkt haben , nicht nur in Sachsen , sondern im ganzen Land ist Unfrieden ...
    Und dazu ist noch in vielen andern Ländern kein Frieden !

    Das gesamte Land besteht nur noch aus "Haß+Hetze"
    Hier zermürbt einer den anderen und jeder jeden !
    Hier kann man schon gar nicht mehr hinhören ...
    Für meine Begriffe ist das im untersten Niveau ...
    Das ist aber nicht das Pack, was sich streitet , die sind sich komischerweise einig !
    Hier streitet sich anderes Pack , rechthaberisches und besserwisserisches Pack !
    Den Unfrieden bringen Menschen , die um ihre Karriere + Existenz bangen !

  • 1
    7
    Blackadder
    05.09.2016

    @Interessierte: WO in Sachsen ist denn derzeit kein Frieden?

  • 3
    3
    Interessierte
    05.09.2016

    Gott , sei mit mir , mein Sachsenland ...
    ( das Sachsenland ist aber vorwiegend nicht christlich

    Heil , dir mein Sachsenland ...
    ( das ist wohl auch é bissl unglücklich

    Sachsenstolz ...
    ( war das nicht ein Bier ?

    Frieden dir ...
    ( das könnten wir gebrauchen im "Freistaat" Sachsen

    Sachsen , mein Heimatland ...
    ( das ist dort , wo die Muttersprache herkommt
    ( damit meint man aber nicht das Hochdeutsch

  • 3
    0
    tobi81
    05.09.2016

    Die schönste Hymne kommt aber nach wie vor von Rainald Grebe^^ https://www.youtube.com/watch?v=9Nx2eVmhba8

  • 3
    1
    tobi81
    05.09.2016

    Eine Hymne wäre schon ganz nett, es sollte aber nix "aufgesetztes" sein, dass auf Biegen und Brechen einen Klassik-Charme versprüht, nur weil alle anderen Hymnen so klingen. "Gott sei mit dir, du Sachsenland" finde ich persönlich wirklich schön, da eingängig und dem Charakter einer Hymne entsprechend. Ebenso die alte Kaiserhymne mit dem sächsischen Text "Gott segne Sachsenland,...", die wird aber von zu vielen Nationen verwendet. Allerdings bin ich nicht die Mehrheit und die Mehrheit finden vermutlich Passagen, wie "Gott segne" etc. gerade für Sachsen etwas merkwürdig. Den Bezug würde ich daher besser raus lassen. Wirklich gut fände ich auch einen Mix aus Neu-Komposition und im Refrain der Melodie von "Sing mein Sachse sing" mit "anspruchsvollerem" Text. Die Melodie ist bekannt und die Akzeptanz wäre ggf. wirklich hoch. Den humorvollen Text muss man für eine Hymne aber in der Tat entschärfen.

  • 5
    2
    Freigeist14
    05.09.2016

    Was reimt sich denn auf"Gott erhalte uns Stanislav?"

  • 3
    0
    gelöschter Nutzer
    05.09.2016

    Gab es da nicht schon mal so'n tollen "Sachsen-Song" ???
    ? ? ? ? ? ?
    https://youtu.be/t2TZWOJ7M7U

  • 2
    3
    Blackadder
    05.09.2016

    Es war doch schon die Sachsen Version von "Die immer lacht" von Hitradio RTL kurz nach den Übergriffen in Heidenau und Freital so unfassbar peinlich - da tobte ein richtiger Shitstorm auf deren Facebook Seite. Die Kampagne "So geht sächsisch" wurde doch auch erstmal auf Eis gelegt. Das muss doch alles Gründe haben...

  • 5
    1
    tobi81
    05.09.2016

    O.K., also Nummer eins ist ein Mix aus Bayern-Hymne, BRD-Hymne und der DDR-Hymne. Da bin ich mir echt nicht sicher, ob sich Sachsen damit Freunde macht. Ganz ehrlich: Das ist nix.



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