Schnitzeljagd rund um die Friedliche Revolution

Ein sachsenweites Projekt will Jugendliche und Interessierte an unbekannte Ereignisse aus dem Herbst '89 heranführen.

Leipzig.

Der 7. Oktober ist geschichtsträchtig: 64 Jahre nach Gründung der DDR stellten die sächsischen Stasi-Unterlagenbehörden am Montag in Leipzig ein gemeinsames Projekt vor. Im Mittelpunkt: die Friedliche Revolution und eine besondere Art der Schatzsuche. "Untold Stories", nicht erzählte Geschichten, heißt die Aktion. Von Oktober 2014 an sollen in ganz Sachsen 15 Schatzkästchen - sogenannte Geocaches - versteckt sein, die mit Hilfe von GPS-Koordinaten geortet werden können. Auf die Finder wartet jeweils eine Geschichte aus den Akten der Behörden. Bereits im Frühjahr sollen in Leipzig, Dresden, Bautzen und Chemnitz Workshops starten, in denen Interessierte zusammen mit Vertretern aus Bereichen der historisch-politischen Bildung und der soziokulturellen Jugendarbeit bislang unbekannte Ereignisse rund um den Herbst 1989 kreativ aufarbeiten. Wo zu Beginn nichts als eine geschwärzte Stasi-Akte existiert, sollen am Ende Hörspiele, Graffitis und Comics Schicksale in neuem Licht erscheinen lassen. Im Cache selbst wird ein Barcode versteckt sein, der - mit dem Handy gescannt - zu einer Internetseite führt, auf der die Arbeiten abrufbar sind. Es gebe so viele unerzählte Geschichten um die Friedliche Revolution. Die müsse man nicht auch noch wie aus dem Schulbuch erzählen, begründete Projektmitarbeiterin Franziska Scheffler die ungewöhnliche Herangehensweise.

Der Chemnitzer Workshop im Mai 2014 soll sich vor allem auf das Geschehen in kleineren Städten wie Plauen und Bad Elster konzentrieren. "Wenn es um die Friedliche Revolution geht, denken die meisten Menschen nur an Leipzig. Das wollen wir ändern", sagte Clemens Heitmann, Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde in Chemnitz.

Für die Workshops nächstes Jahr könnten sich Jugendliche ab 15 Jahren über die Internetseite des Projektes anmelden. Auch erwachsene Zeitzeugen sind willkommen. www.untoldstories.de

Was ist Geocaching?

Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Wort geo ("Erde") und dem englischen Wort cache ("Versteck") zusammen und bezeichnet eine elektronische Schatzsuche. Mittels geografischer Koordinaten, die im Internet veröffentlicht werden, können Verstecke durch GPS-fähige Geräte wie Handys gefunden werden.

Bei den Verstecken handelt es sich meist um wasserdichte Behälter, die ein Logbuch sowie Tauschgegenstände beinhalten. Um den Fund zu dokumentieren, trägt sich der Finder in das Logbuch ein. Anschließend wird der Fund wieder versteckt. Entscheidend ist, dass der Cache für Uneingeweihte verborgen bleibt. Eine besondere Form sind so genannte Mystery Caches. Um die Koordinaten zu erhalten, muss ein Rätsel gelöst werden.

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