Als Kapitän auf Streife

Wasserschutzpolizisten auf der Elbe interessiert für ihren Dienst nicht nur die Wasserstandsmeldung. Sie leisten auch Erste Hilfe und fischen Betrunkene aus dem Verkehr.

Der Motor heult auf, und mit über 60 km/h fährt das Polizeiboot auf der Elbe vom Alberthafen Richtung Dresdner Altstadt. "Einsatztempo", sagt Polizeihauptmeister Stefan Lisofsky. Denn wenn die Beamten von der Dresdner Wasserschutzpolizei gerufen werden, ist schnelle Hilfe nötig. "Es passiert, dass wir bei Unfällen schneller als der Rettungsdienst da sind. Dann leisten wir Erste Hilfe", sagt der 40-Jährige. Rettungsring und Rettungsnetz gehören zur Ausrüstung von Booten der Wasserschutzpolizei.

Manchmal kommen sie auch zu spät. Denn gerufen werden sie ebenso, wenn ein Toter entdeckt oder jemand vermisst wird. Dann schalten Lisofsky und seine Kollegen die Kriminalpolizei ein. Wie sie Bereiche absperren und sichern, gehört zur Ausbildung jedes Streifenpolizisten. Eine Polizeiausbildung ist Voraussetzung für eine Bewerbung bei der Wasserschutzpolizei.

Streckenpatent zum Bootsschein

Fit gemacht werden die Polizisten aus allen Bundesländern in der Wasserschutzpolizei-Schule in Hamburg. Schifffahrtsrecht, Verkehrsvorschriften, Verkehrsstrafrecht, Straftaten gegen die Umwelt und die Schiffstechnik sind Schwerpunkte der Ausbildung. Eine vierstündige Prüfungsklausur beschließt die theoretische Ausbildung. Bei weiteren Lehrgängen sind zusätzliche Patente möglich - auch für den Umgang mit dem Radar. Schlechte Sicht und Nebel kommen auch auf der Elbe vor.

Lisofsky hat in Hamburg den dreimonatigen Grundkurs und Lehrgänge besucht und sowohl dort als auch in der Praxis Prüfungen abgelegt. Für den Dienstbootführerschein musste er auf der Elbe sein Können beweisen. "Bei der Oberelbe ist zusätzlich ein Streckenpatent wichtig", sagt Lisofsky. Das heißt, er muss wissen, wie tief die Fahrrinne ist, wo genau er fahren muss und wie Markierungen an Brücken sowie im Wasser zu deuten sind.

Um das Boot vor Dienstbeginn flottzumachen und kleine Reparaturen selbst durchführen zu können, müssen die Polizisten technikaffin sein und physikalische Kenntnisse haben. Angesichts des Niedrigwassers in der Elbe war es der Wasserschutzpolizei in der letzten Zeit nur mit einem kleineren Boot möglich, Dienst auf dem Wasser zu tun. Der Spruch: "Das interessiert mich wie eine Wasserstandsmeldung" hat für Beamte wie Lisofsky eine ganz andere Bedeutung. Ohne den Wasserstand zu kennen, ist die Dienstplanung nicht möglich. Denn danach richtet sich, welches Boot zum Einsatz kommt und wo die Fahrrinne ohne Schrammen für das Boot zu nutzen ist.

Der niedrige Wasserstand beschert den Beamten zusätzliche Aufgaben. "Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg tauchen auf und locken Sammler", erklärt der Polizeihauptmeister und warnt vor der Gefahr solcher Fundstücke. Aufgabe der Polizei ist es, alles zu sichern. Denn jede Munition kann gefährlich werden. Auch wenn die Wasserschutzpolizisten nicht gerufen werden, sind sie auf dem Wasser unterwegs - mit großen und kleinen Streifenbooten oder auch einem Schlauchboot, je nach Einsatzaufgabe und Wasserstand.

"Das ist wie bei jedem Streifenpolizisten. Wir kontrollieren, ob Recht und Ordnung eingehalten werden und sich Bootsfahrer an die Regeln halten", sagt Lisofsky. Gewohnheitsmäßig lässt er seinen Blick über das Wasser und die Uferbereiche streifen. Verbotene Feuer im Landschaftsschutzgebiet an der Elbe, Bootsführer, die sich nicht an Regeln halten oder betrunken sind: Mahnende Worte von Lisofsky und seinen Kollegen gibt es oft. Erreicht der Alkoholpegel bei einem Bootsführer 0,5 Promille, muss er mit einer Anzeige rechnen. Das ist nicht anders als im Straßenverkehr. Bei Verstößen gegen Verkehrsregeln auf und an der Elbe können Bußgelder bis zu 350 Euro fällig werden.

Dienst auch auf Seen

Wasserschutzpolizisten kontrollieren auch die Kennzeichnung der Boote. "Wer auf der Elbe schippert, weiß oft nicht, dass jedes Boot, selbst ein Schlauchboot, gekennzeichnet sein muss", sagt Lisofsky. Dazu kommen Sportveranstaltungen, bei denen die Wasserschutzpolizisten kontrollieren. Sie sind bei Festen wie jüngst bei der Feier zum 120. Geburtstag des Alberthafens dabei. Und wenn am Ufer Kinder stehen und winken, dann lässt das auch Polizisten nicht kalt.

20 Beamte arbeiten bei der Dresdner Wasserschutzpolizei. Sie sind für den 82 Kilometer langen Elbe-Bereich zwischen Schmilka und Meißen zuständig. Bis Sachsen-Anhalt sind die Kollegen in Riesa verantwortlich. Dazu kommt der Dienst auf schiffbaren Seen und Talsperren. Zudem gibt es laut Lisofsky Kooperationen für gemeinsame Streifendienste mit Tschechien und Brandenburg.

Qualifizierung: Wasserschutzpolizei-Schule WSPS 210, Veddeler Damm 48, 20457 Hamburg; 12 Wochen dauert der WSP-Fachlehrgang - Binnen. Alle Wasserschutzpolizeibeamten Deutschlands werden unter Beachtung des jeweiligen Landesrechts in Hamburg aus- und fortgebildet.

Schwerpunkte: Bei der Grundausbildung in den Fachlehrgängen Küste und Binnen sowie Kursen sind das unter anderem Internationales und nationales Schifffahrtsrecht, Anwendung und Durchsetzung schifffahrtsrechtlicher Vorschriften, Rechtsvorschriften für die Zulassung von Binnenschiffen zum Verkehr, Registerrecht, Eichung, Schifffahrtsbehörden, Transport gefährlicher Güter in der Binnenschifffahrt, Besatzungsvorschriften, Schiffspapiere und Befähigungsnachweise in der Binnenschifffahrt, Verkehrsvorschriften, Verkehrsstrafrecht, Straftaten gegen die Umwelt, Binnenschiffe als technische Bauwerke; Bauarten, Typen, technische Einrichtungen, Antriebe, SPS-Code: Internationaler Code für die Gefahrenabwehr auf Schiffen und an Hafenanlagen.

Kurs: Lehrgangsbegleitend wird ein Überblick über Vorschriften und Dokumente des internationalen und nationalen Seeschifffahrtsrechts, die auf Binnenschifffahrtsstraßen anwendbar oder gültig sind, angeboten. Der Lehrgang schließt mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung ab und ist Basislehrgang für weitere Lehrveranstaltungen an der WSPS. In diesem Jahr werden voraussichtlich 22 Kollegen aus Sachsen in neun verschiedenen Lehrgängen und Seminaren aus- und fortgebildet.

www.wasserschutzpolizei-schule.de

www.verdaechtig-gute-jobs.de

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