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Foto: Jan Woitas/dpa-Archiv

Unister-Falschgeldprozess: Betrüger zu knapp vier Jahren Haft verurteilt

Im ersten Urteil zur Aufarbeitung des Unister-Zusammenbruchs ist am Dienstag in Leipzig ein Finanzvermittler wegen Betrugs in schwerem Fall zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden.

Von Ronny Schilder
erschienen am 28.03.2017

Leipzig. Wilfried S. soll gemeinschaftlich mit einem unbekannten Haupttäter, der sich Levy Vass nannte, zwei Geschäftsleute betrogen haben. Der damalige Geschäftsführer des Leipziger Unister-Konzerns, Thomas Wagner, verlor 1,5 Millionen Euro. Eine Architektin aus dem Sauerland wurde um 100.000 Euro geprellt.
 
Die Masche war beide Male die gleiche: Wilfried S. brachte die späteren Opfer mit einem privaten Kreditgeber in Kontakt, dem vermeintlichen israelischen Diamantenhändler Levy Vass. Zu den Treffen brachten die Kreditnehmer Bargeld mit, ein Zehntel der Kreditsumme, was angeblich der Prämie der  Kreditausfallversicherung entsprach. Nach Übergabe dieses Geldes sollten die späteren Opfer einen Teil des Kredits in bar wieder mit nach Hause nehmen. Der Rest würde per Bank überwiesen. In den Geldkoffern des Levy Vass lag vor allem Falschgeld. Statt mit vier Millionen Schweizer Franken verließ der Unister-Chef den Schauplatz mit nur 20.000 Schweizer Franken - einer dünnen Kofferlage an echten Geld.
 
Der Dresdner Staatsanwalt Dirk Reuter gestand dem Angeklagten zu, dass der Betrug ohne die Naivität der Opfer nicht hätte stattfinden können. Der Vorsitzende Richter Norbert Röger sprach von "Leichtfertigkeit" und "selbstverschuldeter Torheit", mit der die durchaus erfahrenen Geschäftsleute sich hätten einwickeln lassen. Der Unister-Chef habe Warnungen seiner eigenen Finanzexperten ignoriert. Der Fall sei der "Stoff, aus dem die Krimis sind", so Röger.
 
Wilfried S. hatte vor der Strafkammer abgestritten, sich mit Vass zu Betrügereien verabredet zu haben. Unstrittig ist aber nach der Verhandlung, das S. spätestens seit August 2015 davon wusste, dass Vass ein Betrüger war. Bei seinen späteren Opfern erweckte S. konsequent den Eindruck, er kenne Vass seit vielen Jahren, der Mann sei seriös. Im Falle des Unister-Chefs setzte S. sich für Vass noch ein, nachdem der gerade zwei Wochen vorher der Architektin Falschgeld untergejubelt hatte. "Dreister geht es kaum", sagte Richter Röger. "Das alles ist keine Beihilfe mehr, das ist Mittäterschaft."
 
Großes Geld hat Wilfried S., der vor einigen Jahren geschäftlich und privat Insolvenz angemeldet hatte und zurzeit von 1000 Euro Rente lebt, mit seinen Betrügereien nicht verdient. Aus dem betrügerischen Geschäft mit der Architektin bezog er vermutlich eine Provision von 1800 Euro. An dem Betrug am Unister-Chef hat er vermutlich mit 5000 Euro profitiert.
 
Tragisch waren die Folgeereignisse, die seine Taten auslösten: Der Unister-Chef Thomas Wagner stürzte bei der Rückkehr von dem Treffen mit Vass in seinem Privatflugzeug ab, vier Insassen starben. Die wichtigsten Unister-Konzerngesellschaften stürzten umgehend in die Insolvenz, und Wagners Lebenswerk zerfiel.
 
Die Architektin, die vor der Leipziger Strafkammer gegen S. aussagte, hatte durch den Kontakt mit Levy Vass und ihn ihr Erbe eingebüßt.
 
Wilfried S., das war der "unehrliche Fischer und die rechte Hand für Vass in Deutschland", fasste Richter Röger die Rolle des Verurteilten zusammen. Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass S. nicht vorbestraft war und ihn die Haft mit 69 Jahren empfindlich trifft. Im Prozess hatte sich S. teilweise geständig gezeigt - wenn auch nicht reumütig hinsichtlich des Betrugs.
Gegen das Urteil ist Revision zulässig.
 

 

 
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