500 Jahre Kät: Alles begann mit heiliger Erde aus Rom

2020 feiert das größte Volksfest Sachsens Jubiläum. Der Ursprung liegt in der Weihe eines Friedhofs in Annaberg. Weihrauch wurde abgebrannt, Weihwasser verteilt und es gab den bischöflichen Segen der Dreifaltigkeit. Zum Trinitatisfest pilgerten die Menschen daraufhin jährlich in die Stadt. Markttreiben zur Verpflegung und Unterhaltung der Wallfahrer setzte ein. Die Geburtsstunde der Kät.

Annaberg-Buchholz. 150.000 bis 200.000 Besucher kommen Jahr für Jahr nach Annaberg-Buchholz, um Achterbahn und Riesenrad zu fahren, Zuckerwatte zu essen und das Glück an der Losbude zu finden. Was bei all dem Trubel aber wohl nur wenige Besucher im Blick haben, ist der Ursprung dieses Jahrmarktes. Die Kirche und sogar der Papst spielen dabei eine entscheidende Rolle. Am Freitag präsentierten die Stadtverwaltung und das Erzgebirgsmuseum daher eine Abschrift der Urkunde, die das alles in Gang setzte.

Um in die Geschichte der Kät einzusteigen, muss man 500 Jahre in die Vergangenheit reisen. Im Oktober 1519 wurde der Annaberger Gottesacker mit heiliger Erde vom Campo Santo in Rom als heiliges Feld auf die heilige Dreieinigkeit geweiht. Ab 1520 pilgerten daraufhin jährlich laut Chronik Tausende zum Trinitatisfest in die erzgebirgische Stadt. Sie hofften auf Ablass und Südenvergebung, erklärt Stadtsprecher Matthias Förster. Und rund um diese Pilgerer baute sich nach und nach ein großes Markttreiben auf. "In Annaberg war das der sogenannte Dreieinigkeitsmarkt. Hier ist auch ein Ursprung des Namens Kät zu suchen. Die Erzgebirger bezeichneten das bunte Treiben in ihrem Dialekt als Dreiänichkätsmarkt und das kirchliche Fest Dreiänichkätsfast. Durch eine Verballhornung dieser Wörter reduzierte sich dieser Begriff im Laufe der Jahrhunderte auf das Kurzwort Kät", so Förster.

Doch zurück zum Papst. Denn ohne die heilige Erde aus Rom wäre es wohl nie so weit gekommen. Und um diese zu erhalten, brauchte es die Zustimmung des Heiligen Vaters Papst Leo X. Eine päpstliche Bulle, also eine Urkunde wurde angefertigt. Diese ist bis heute als Abschrift in der handschriftlichen Jenisius-Chronik im Erzgebirgsmuseum erhalten geblieben. In Vorbereitung auf das große Jubiläum im kommenden Jahr wurde diese am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert. Auch der aktuelle Papst spielt übrigens wieder eine Rolle bei der Kät im kommenden Jahr. Papst Franziskus wird ein Grußwort nach Annaberg-Buchholz schicken. Wenn das kein gutes Omen ist. (aed)

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