Abschied von den Greifensteinen

Ein "heißer Sommer" ist am Sonntag auf der romantischen Felsenbühne zu Ende gegangen. Und für Schauspielerin Isa Etienne Flaccus sogar noch mehr.

Ehrenfriedersdorf.

Die diesjährigen Festspiele auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen sind Geschichte. Mit dem Musical "Heißer Sommer" - einem der Kassenschlager aus der vorangegangenen Spielzeit - ist am Sonntag die letzte der insgesamt 60 Vorstellungen über die Bühne gegangen. Und damit ein "heißer Sommer" zu Ende. Denn mit rund 39.000 Besucherinnen und Besuchern kann Intendant Ingolf Huhn eine ähnlich erfolgreiche Bilanz wie im vorigen Sommer verbuchen. Damals waren annähernd 41.700 Gäste gezählt worden - so viele, wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Unterdessen war die Vorstellung am Sonntag für Schauspielerin Isa Etienne Flaccus nicht nur die letzte in diesem Sommer. Sie verabschiedet sich nach drei Jahren Gastspiel im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Mit "einem lachenden und einem weinenden Auge", wie sie selbst sagt. Denn diese drei Jahre seien eine "sehr intensive Erfahrung" gewesen. Nicht nur der vielen Rollen wegen, die sie in dieser Zeit spielen durfte. War sie doch in den meisten Inszenierungen des Schauspielensembles mit dabei. Feste Strukturen, die auch Sicherheit bieten, was sie sehr genossen habe. "Das ist ein großer Vorzug gegenüber der freischaffenden Arbeit", sagt sie.


Und doch will sie nun wieder den Schritt ins Ungewisse wagen. Vor allem, weil sie Angst hat, "es sich zu bequem zu machen" - Angst hat vor Routine. Zwei, drei Jahre seien eine gute Zeit, um wieder etwas Neues zu wagen. Denn: "Je länger man bleibt, umso schwieriger wird ein Wechsel", ist sie überzeugt. Und so folgt sie ihrer Neugier, ihrer Lust auf eine neue Stadt und auf ein neues Ensemble, auf neue Stücke und neue Regisseure. Wo es sie hinverschlagen wird? Das vermag sie momentan noch nicht zu sagen. Aber sie will wandelbar bleiben, sich nicht in ein bestimmtes Rollenfach drängen lassen oder gar den berüchtigten Stempel für ein solches aufgedrückt bekommen.

Wandelbar hat sie auch das Publikum im Erzgebirge erlebt: Mit der neugierigen, aber schüchternen Anny in "Charleys Tante" hat vor drei Jahren alles angefangen - immer höflich und gesittet. Als Schweinchen Wild in "Grimm" durfte sie ihrem Namen alle Ehre machen und wild sein - so wie auch als "Ronja Räubertochter". Eine Rolle, die ihr besonders an Herz gewachsen ist: "eine meiner absoluten Lieblingsrollen", sagt sie. Im Weihnachtsmärchen "Dornröschen" durfte sie ganz Prinzessin sein, in "Nathan der Weise" das Christenmädchen Recha, das der weise Nathan einst an Kindes statt als Tochter angenommen hat. Und als exzentrische junge Diva Thalia hat sie im Musical "Heißer Sommer" sogar Chris Doerk beeindruckt. "Die Thalia war der Hammer", zollte die langjährige Schauspielerin und Sängerin Anerkennung. An der Seite von Frank Schöbel hatte sie vor nunmehr 31 Jahren die Hauptrolle in dem gleichnamigen Defa-Film gespielt, der zu einem der erfolgreichsten in der Kino- und Filmgeschichte der DDR werden sollte.

Alle Rekorde auf den Greifensteinen hat in diesem Sommer einmal mehr der Räuber Hotzenplotz gebrochen. Nach sechs Jahren gab es in diesem Jahr erstmals "Neues vom Räuber Hotzenplotz" zu erleben, was der Begeisterung des jungen Publikums allerdings keinerlei Abbruch getan hat. Und auch das funkelnde und glitzernde Nachtspektakel "Elfenfeuer" ist nach Angaben von Ingolf Huhn im mittlerweile sechsten Jahr immer noch sehr erfolgreich gelaufen.

Dennoch soll es im nächsten Sommer ein Nachfolgestück geben - ohne das der Intendant schon mehr verraten möchte. Und auch ein neues Kinderstück ist in Vorbereitung: der "Herr der Diebe". Der bekannte und bereits mehrfach ausgezeichnete Jugendroman der deutschen Autorin Cornelia Funke war im Jahr 2000 erschienen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es eine Neuauflage.

Und das Musikensemble des Hauses steuert eine Operette bei: "Die Banditen" von Jacques Offenbach. Zu erleben gibt es das alles vom 19. Juni bis zum 6. September 2020 "auf der schönsten Felsenbühne Europas".

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