Adrett, jung, ausgesprochen musikalisch

Searching for Home spielen für ihre Altersgruppe eher untypische Musik. Über Genregrenzen hinweg verpacken die jungen Sachsen unterschiedlichste Stimmungen in Töne.

Annaberg-Buchholz.

"Das ist eine Kreuz 11", erklärt Vincent Meißner einem seiner Bandkollegen vor dem Auftritt. "Die besteht aus drei Ganztönen." Ein gut gelauntes Fachsimpeln beginnt. Wie auch seine vier Mitmusiker, die gerade ihr Equipment auf die Bühne schaffen, kennt sich der 18-Jährige aus mit der Theorie hinter den Klängen. In wenigen Stunden werden Searching for Home vor malerischer Kulisse ihre Show hinlegen. Es ist ein heißer Freitagnachmittag. Der Auftritt beim Kino-Open-Air im Klostergarten ist jedoch nur Auftakt einer zweiwöchigen Tour durch Deutschland. In Halle, Chemnitz oder etwa Berlin möchten die jungen Sachsen ihr erstes Album präsentieren.

"Wir wollten unsere Tour aber dort beginnen, wo für uns als Band alles begonnen hat - im Erzgebirge", sagt Schlagzeuger Florian Anger. Der 20-Jährige ist Bandleader und einer der Begründer des mittlerweile neunköpfigen Musikerkollektivs. Bereits 2008 begegneten sich er und der Schlagzeuger und Percussionist Samuel Joseph in der Erzgebirgsmusikschule in Thum beim Musiktheoriekurs. Die beiden freundeten sich schnell an, gründeten schließlich ein Drumduo. Bald kamen die ersten Achtungserfolge. Beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend musiziert" konnten die trommelnden Teenager einige Preise auf Bundesebene gewinnen. Doch irgendwann sollten Schlaginstrumente nicht mehr genügen. Es war Zeit für eine musikalische Weiterentwicklung. Zusammen mit Sängerin Maria Galonska, die die Gruppe aber später verließ, gründeten Samuel und Florian Anfang 2016 schließlich die Band Home im erzgebirgischen Auerbach. Beim "Freie Presse Bandcontest" im selben Jahr gelangten die Newcomer bis ins Finale und konnten den dritten Platz ergattern. Ein Erfolg, der die Jungmusiker anspornte, ihr Projekt umso ehrgeiziger fortzuführen.


Dreieinhalb Jahre später stehen Sängerin Selma Juhran, Keyboarder Vincent Meißner, Drummer Florian Anger, Gitarrist Kilian Srowik und Bassist Johannis Kellig nun im Klostergarten. Gründungsmitglied Samuel ist gerade auf dem Weg nach Tschechien, um dort Rosie Frater-Taylor abzuholen. Die junge britische Singer-Songwriterin begleitet Searching for Home auf der Tour und bringt ebenfalls ihr Debütalbum mit. Drei weitere Mitglieder der Band fehlen, da das Kollektiv in wechselnder Besetzung spielt. Gitarristen gibt es zum Beispiel drei. "So bleibt jedem Musiker noch genug Freiraum für andere Projekte", erklärt Bassist Johannis. Auch während der Konzerte könne es zu Wechseln kommen. "Das bringt auch Abwechslung für uns selbst", sagt Florian Anger.

Trotz ihrer jungen Jahre können sich die Biografien der Musiker sehen lassen. Dresden Bigband, Bläserphilharmonie Thum oder die Musicalband des Eduard-von-Winterstein-Theaters sind nur einige namhafte Formationen, in denen die Bandmitglieder bereits gespielt haben. Ähnlich breit gefächert kommt auch der Musikstil von Searching for Home daher. Da trifft Pop auf Jazz, Funk auf Soul und Latin. "Wir haben anfangs viele Klassiker gecovert und denen unsere eigene Note verliehen", sagt Vincent Meißner. "Doch unser größter Wunsch war es immer gewesen, gemeinsam ein Album zu machen." Im Juli nun ist mit dem Debütalbum "Let Yourself Break" eine Platte mit acht eigenen Songs entstanden. "Unser Album soll sich vom Pop abheben, ohne zu verkopft oder untanzbar zu klingen", erklärt Bandleader Florian dazu. Für die Musiker mit Studioerfahrung habe das Einspielen der Platte gerade mal zwei Tage gedauert.

Finanzieren konnten die Newcomer ihr Erstlingswerk durch eine Crowdfunding-Kampagne, also Schwarmfinanzierung. 50 Unterstützer wurden dabei gewonnen. "Dafür sind wir super dankbar", sagt Florian Anger, der als Student an der Hochschule Mittweida auch auf Unterstützung aus dem Umfeld der Einrichtung bauen konnte. "Gewinn haben wir bislang noch keinen gemacht, aber wir sind froh, dass wir nicht wie viele andere draufzahlen mussten."

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