Annaberger steht plötzlich Wolf gegenüber

Jochen Graupner war mit seinen Ski unterwegs. Ein Harvester hatte zwischendurch die Loipe zerstört. Also fuhr er in dessen Spur weiter. Bis ihm "etwas" entgegenkam.

Annaberg-Buchholz/Grumbach.

Er ist 80 und fit. Wenn es irgendwie geht, ist Jochen Graupner draußen in der Natur, fährt gerade im Winter gern Ski. Das steckt wohl so drin, hat doch der Annaberger einst im Forst gearbeitet. Seine Langlauftouren startet er dabei gern am Loipenparkplatz am Ortseingang von Grumbach.

Das war auch an jenem Wintertag im Februar vergangenen Jahres so, wie er jetzt erzählt. Es war die Zeit, als der Wald nach dem enormen Schneebruch und den folgenden ersten Aufräumarbeiten der Mitarbeiter des Sachsenforstes wieder betreten werden durfte, sagt Jochen Graupner gegenüber "Freie Presse". Dass er sich jetzt, fast ein Jahr später daran erinnert, hängt mit einem eben erschienenen Artikel in der Zeitung zusammen. In diesem ist der Annaberger bei einem Satz von Vanessa Ludwig, Sprecherin der Fachstelle Wolf, hängengeblieben. Sie hatte gesagt: "Überall im Freistaat kann jederzeit ein Wolf auftauchen, auch außerhalb bestätigter Territorien."

Genau das ist dem Annaberger damals passiert. Nachdem er seine Langlauftour Richtung Jöhstadt in einer zunächst gut präparierten Loipe begonnen hatte, war diese plötzlich verschwunden. "Auf der Freifläche nahe der Jöhstädter Windräder hielt ich mich rechts und wollte den Hohlweg Richtung Königswalde nehmen. Dort gab es aber keine Loipe mehr, sondern nur noch die breiten Radspuren des Harvesters, mit dem die Bruchholzberäumung vorgenommen worden war. So entschloss ich mich, meine Tour in der rechten Radspur des Harvesters fortzusetzen", erzählt Jochen Graupner. Die Fahrt in dieser Radspur bei leichtem Frost sei auf dem abschüssigen Weg immer schneller geworden. Irgendwann bemerkte er, dass ihm in der Radspur etwas entgegenkam. Um eine Kollision zu vermeiden, versuchte der Annaberger seine zügige Fahrt abzubremsen. Das gelang ihm schließlich auch. "Als ich zum Stehen gekommen war bemerkte ich, dass mein Gegenüber auch stand. Auf die Vorderläufe gestützt, sah er mich mit scharfem Blick an", schildert der Annaberger seine Eindrücke von der ersten Begegnung mit einem Wolf in freier Natur.

Er habe dem Tier gefühlt fünf Minuten gegenübergestanden, der Wolf nur 10 bis 15 Meter entfernt. Er sei einfach fasziniert gewesen, von dem "kräftigen Exemplar", erzählt der Annaberger. Angst - nein, die habe er nicht gehabt. "Ich weiß, dass ein einzelner Wolf in der Regel nicht gefährlich ist", sagt Jochen Graupner. Und mehr von der Sorte habe er nicht gesehen. Gern hätte er jenen Moment natürlich für die Ewigkeit festgehalten. Doch als er versuchte, sein Handy aus der Tasche zu kramen, sei es dem Wolf offenbar zu ungemütlich geworden und er suchte das Weite. "Weil er nicht an mir vorbei gekommen wäre, erklomm er die steile Schneewand zur Seite hin, die dort an die zwei Meter hoch war. Das tat er beeindruckend kraftvoll und geschickt", erzählt Jochen Graupner. Die Chance für ein Foto war dahin.

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Tauchsieder
    03.02.2020

    Hoffentlich hat er`s überlebt!?

  • 5
    7
    cn3boj00
    03.02.2020

    Man kann natürlich weder wissen ob es wahr ist, noch ist sicher, dass es ein Wolf war, es sind auch Verwechslungen mit Hunden möglich.
    Im Herbst 2018 hatte ich auch eine Begegnung an den Limbacher Teichen, ob Wolf oder streunender Hund konnte ich nicht sagen. Er war etwa 30 Meter entfernt und lief dann übers Feld Richtung Callenberg davon. Ich hab Handyfotos gemacht, die wegen der Entfernung aber zu undeutlich waren. Ich hab das dem Wolfsmonitoring gemeldet, die aber auch nicht sicher waren. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es ein Wolf war.
    Angst hatte ich auch überhaupt nicht, es war eher faszinierend. Überhaupt finde ich das Gemache um die Wölfe total übertrieben, von Hunden gehen deutlich mehr Gefahren aus (ich bin übrigens Hundehalter).

  • 14
    7
    quatschkopf
    31.01.2020

    Bei uns soll auch einer gesehen worden sein. Faszinierende Tiere. Ich würde auch gern mal einen in freier Natur sehen.



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