Argentinische Mentalität sorgt nicht immer nur für Gelassenheit

Ein Jahr hat Lida Gnatzy aus Annaberg-Buchholz mit Kindern und Jugendlichen in Villa Regina gelebt. Eine prägende Zeit, die ganz verschiedene Spuren hinterlässt.

Annaberg-Buchholz.

Knapp zwei Wochen ist Lida Gnatzy jetzt wieder zu Hause in Annaberg-Buchholz, nachdem sie ein Jahr lang in Argentinien mit Kindern und Jugendlichen gelebt hat. Probleme, sich wieder an die Abläufe hierzulande zu gewöhnen, gab es bisher nicht, erzählt sie. Zu sehr weiß sie dafür deutsche Ordnung und Zuverlässigkeit und vor allem Pünktlichkeit zu schätzen. Dinge, die sie in all der südamerikanischen Gelassenheit oft vermisst hat: "An das ständige Warten habe ich mich nie gewöhnt", erzählt die Erzgebirgerin. Und: "Irgendwann regt einen das echt auf."

So sind es mitunter auch die vermeintliche banalen Dinge, die sie in ihrer Heimat wieder genießt: beispielsweise die schnelle Bedienung an der Kasse im Supermarkt. "In Argentinien muss man dabei immer mindestens zehn bis fünfzehn Minuten warten", erzählt Lida. Auch mal schnell eine Besorgung zu erledigen sei in dem südamerikanischen Land nahezu unmöglich. "Die Geschäfte machen von 13 bis 17 Uhr Siesta." Entspannte Atmosphäre und Gelassenheit nennt sie als zwei prägende Eigenschaften des Landes und seiner Bewohner. Viel Hoffnung, den Kindern dort etwas von ihrer heimischen Lebensweise mitzugeben, habe sie sich allerdings ohnehin nicht gemacht - auch, weil das vor ihr schon zahlreiche andere junge Freiwillige an gleicher Stelle versucht haben. Dennoch habe sie es immer wieder versucht - ohne Erfolg. "Das ist einfach eine andere Mentalität", sagt die junge Frau. Und letztlich habe sie sich immer wieder bewusst gemacht: Ich bin hier, um zu dienen.

Zwischen 6 und 18 Jahren alt waren ihre Schützlinge, um die sie sich gekümmert hat. Gemeinsam Spielen stand dabei ebenso regelmäßig auf dem Plan wie Hilfe beim Erledigen der Hausaufgaben beispielsweise. Im Oratorium - einer Art Jugendklub - wurde zudem viel Sport getrieben. Insbesondere bei den Jungs vielfach Fußball. Auch Lida hat manchmal mitgespielt - auch wenn sie insbesondere in den Wochen der Weltmeisterschaft doch einiges an Häme von den jungen Argentiniern einstecken musste. Hatte doch die deutsche Nationalmannschaft vor vier Jahren das Finale ausgerechnet gegen Argentinien gewonnen. Dagegen hat die blamable Leistung der deutschen Kicker in diesem Sommer genau dort für reichlich Spott gesorgt. So durfte sich Lida denn auch ein argentinisches Nationaltrikot mit nach Hause nehmen.

Was sie außerdem noch mitgebracht hat? Viele neue Freundschaften und viele neue Erfahrungen. "Deshalb war es auch richtig, das Jahr zu machen", resümiert sie. Auch wenn eben nicht nur positive Erinnerungen bleiben. "Aber auch in schlechten Momenten macht man gute Erfahrungen", sagt sie. Wofür sie auch sehr dankbar ist: für die große Unterstützung, die sie bei ihrem Projekt erfahren hat. Unter anderem von ihren ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge. Sie haben ihr aus dem Fonds des Aktionstages Genial Sozial eine große Spende zukommen lassen. So konnte sie nicht nur den notwendigen finanziellen Eigenanteil für ihr Vorhaben aufbringen, sondern auch noch einige Anschaffungen für ihre Schützlinge tätigen.

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