Ausgebuzelt! Lieblingswort rund um Hobby und Freizeit gesucht

Seit März gab's für nicht wenige mehr freie Zeit als gedacht - wegen Corona. Viele Mundartfreunde haben diese offenbar genutzt, um Worte für die schönen Seiten des Lebens fern der täglichen Plagerei ausfindig zu machen. Erzgebirgsverein und "Freie Presse" wollen nun aus den gut 180 Vorschlägen das Erzgebirgische Mundartwort 2020 küren. Mitmachen dürfen alle. Wie? Eefach akreizln!

Annaberg-Buchholz.

Im Ratskeller zum "Neinerlaa" am Markt in der Kreisstadt wird meist ordentlich aufgetischt. Am liebsten Erzgebirgisches. Das war zwar jüngst auch an jenem Tag der Fall, als sich die Jury des gemeinsamen Mundartwettbewerbes von Erzgebirgsverein und "Freie Presse" in der Lokalität traf. Doch dampfte dabei nicht das Essen, maximal waren es die Köpfe. Schließlich mussten gut 180 Vorschläge für das Erzgebirgische Mundartwort 2020 begutachtet werden. Hauptgang des Abends für die Jury: die Festlegung von zehn Favoriten für die Abstimmung.

Stück für Stück - wie ein Filet - wurde die alphabetisch geordnete Liste der von "Freie Presse"-Lesern, Sprachexperten und Erzgebirgsvereinsmitgliedern eingesandten Worte abgearbeitet. Von am weitesten her kamen Einsendungen aus dem Osterzgebirge. So räumt Familie Böttrich aus dem Altenburger Ortsteil Geising in der Freizeit offenbar gern rum, und das nennt sich dann dort "scherchen".

Doch die Jury am Ratskellertisch machte bei anderen Worten "Mmmmh!" "Ich find das Wort ,gauksen' herrlich", schwärmte Carmen Krüger vom Erzgebirgsverein. Verständlich, als Kulturwartin darf sie nicht dulden, dass bei Auftritten falsch gesungen wird. Mundart-Sängerin Christa Schwenke wiederum konnte sich für "Kaashitsch" begeistern. So sagen Erzgebirger für einen kleinen, alten Schlitten. Das Wort stand auch bei Elvira Werner auf der Favoritenliste. Ihre Lieblingsworte hatte sie jedoch per Post zugesendet, da sie sich um ihr Enkel kümmern musste - ein Huppedietl, sprich sehr aktives Kind. Und schon hatte es ein weiteres Wort auf die Favoritenliste geschafft. Und Jurymitglied Andreas Luksch fand Hiestürzmitz (Sturzhelm) ulkig. "Das zeigt doch, wie kreativ Mundart sein kann." Wort um Wort füllte sich so zwar nicht der Magen, doch die Favoritenliste für den Abstimmungscoupon. "Unterm Strich können wir einen ausgewogenen Mix aus klangvollen, witzigen und urigen - aber in jedem Fall bemerkenswerten Worten bieten", ist sich Carmen Krüger sicher und orakelt. "Die Abstimmung wird nicht leicht."

Das gilt auch für den Zusatzwettbewerb in diesem Jahr. Aufgerufen waren alle Freunde des Erzgebirges, sich mit einer achtzeiligen gereimten Ode für ihren Lieblingsort an einem neuen Erzgebirgshit zu beteiligen. Fast 100 Strophen zu mehr als 60 Orten der Region wurden zugesandt. Carmen Krüger und Mundart-Interpret Hendrik Seibt sind noch immer beim Sichten der Beiträge. Leider seien nicht alle passgerecht zur Melodie, entweder zu lang oder zu kurz. "Wir schauen, was sich in ein Lied einbauen lässt." Melodie samt erster Strophe hatte Seibt bereits im Frühjahr eingespielt. Auf alle Fälle soll's ein Ohrenschmaus werden, mit Appetit auf mehr.

So geht es weiter: Alle Erzgebirger sowie Freunde der hiesigen Mundart sind aufgerufen, sich an der Wahl des Erzgebirgischen Mundartwortes zu beteiligen. Das ist sowohl online (www.freiepresse.de/erzwort) als auch per Post (siehe Coupon oben) möglich. Unter den Einsendern werden zehn Gewinne ausgelost. Am 8. November soll dann von 14.30 bis 17 Uhr bei einer feierlichen Abschlussveranstaltung im Volkshaus in Thum das Geheimnis um das Siegerwort gelüftet werden und der neue Erzgebirgssong erstmals erklingen.

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