Autonomes Bahnfahren: Signal für Forschungscampus auf grün

Annaberg-Buchholz und die TU Chemnitz hoffen mit einem "einzigartigem Modellprojekt in Europa" auf bis zu acht Millionen Euro Fördergelder. Ob die tatsächlich ins Erzgebirge fließen, entscheidet sich bis Jahresende.

Annaberg-Buchholz.

Nicht erzgebirgisch, nicht sächsisch und auch nicht hochdeutsch - das zukunftsweisende Bahnprojekt "Smart Rail Connectivity Campus" kommt in feinstem Englisch daher. Dabei stammt die Idee nicht von der Insel, sondern von drei in der Region verwurzelten Männern. Und die ersten Gedanken wurden auch weder am Schreibtisch, noch am Reißbrett und schon gar nicht am Computer entwickelt. Das war in einem Auto, irgendwo zwischen Deggendorf und Annaberg-Buchholz.

"Wir, Professor Uwe Götze, der Pro-Rektor der TU Chemnitz, Sören Claus vom Unternehmen DB Regionetz und ich hatten uns im Mai 2017 an der Deggendorfer Uni über Forschungs-Campusse informiert. Auf der Rückfahrt kam die Idee, so etwas auch bei uns aufzubauen", erzählte gestern Thomas Proksch, Bürgermeister von Annaberg-Buchholz. Inhaltlich sollte es dabei um das autonome Bahnfahren gehen.

Gesagt, getan. Die Projektidee wurde nach der Präsentation im sächsischen Wirtschaftsministerium beim Bundesministerium für Bildung und Forschung für das Förderprogramm "WIR! - Wandel durch Innovation in der Region" eingereicht. Und sie schaffte es Ende 2017, auf Anhieb in die Liste der 32 besten Ideen aufgenommen zu werden. Keine Selbstverständlichkeit. Immerhin lagen mehr als 100 Vorschläge aus ganz Deutschland vor. Damit fließen 200.000 Euro Fördergeld in die Region, mit denen die Erstellung eines detaillierten Konzeptes finanziert wird. Den Startschuss dazu gab es gestern in der Festhalle Annaberg-Buchholz mit einem ersten großen Treffen aller Partner und der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen der Kreisstadt und der TU.

Das Konzept, mit dem die Stadt Annaberg-Buchholz, die TU Chemnitz sowie weitere namhafte Partner wie Fraunhofer Institut und Wirtschaftsministerium Sachsen das Bundesministerium überzeugen wollen, muss bis 31. Oktober in Berlin abgegeben werden. "Unser Ziel ist es, mit unserer Idee unter die 12 Projekte zu kommen, die am Ende mit bis zu acht Millionen Euro gefördert werden", betonte Proksch.

Gelingt das, soll im Gebäude des Unteren Bahnhofes in Regie der TU Chemnitz ein Forschungscampus für automatisiertes Fahren auf der Schiene eingerichtet werden. "Mit diesem Campus könnten sich viele Synergien mit der von uns geplanten privaten Hochschule ergeben", sagte Rolf Schmidt, Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz. Er bezeichnete das Vorhaben als einzigartiges Modellprojekt in Europa.

Dass gerade im Erzgebirge das Bahnfahren revolutioniert werden soll beziehungsweise kann, liegt an den nahezu perfekten Voraussetzungen. Als prioritär bezeichnet dabei Lutz Mehlhorn, Leiter der Erzgebirgsbahn, das erste digitale Stellwerk Europas, das am 19. Januar im Bahnhof Annaberg Süd in Betrieb gegangen ist. Zudem ist mit der nicht mehr im Regelbetrieb genutzten Trasse zwischen Annaberg und Schwarzenberg eine nahezu perfekte Teststrecke für das autonome Zugfahren vorhanden. Dort werden in Zukunft sicher noch öfter als bisher Messwagen beziehungsweise mit der entsprechenden Technik bestückte Triebwagen der Erzgebirgsbahn unterwegs sein, sagte Mehlhorn, der vom Erfolg des Projektes überzeugt ist: "Das ist eine riesen Chance für Annaberg-Buchholz und das gesamte Erzgebirge".

Bis es aber soweit ist, ist der ins Leben gerufene Lenkungs- und Arbeitskreis gefordert. Er muss ein Konzept erstellen, dass das Forschungsministerium überzeugt. Einen Schwerpunkt dabei bildet die notwendige Infrastruktur, die benötigt wird. Dazu gehört etwa ein 5-G-Datennetz entlang der Strecke. "Und natürlich werden auch Raumstruktur und Platzbedarf für den Campus im Gebäude Unterer Bahnhof ein Thema sein", so Proksch. Erste konkrete Ergebnisse sollen im August vorliegen, wenn das zweite große Treffen aller Partner geplant ist.

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