Bündnis will Rechtsruck etwas entgegen setzen

"Wann, wenn nicht jetzt": So lautet das Motto am morgigen Samstag auf dem Annaberg-Buchholzer Marktplatz. Das gleichnamige Projekt streitet für eine offene und solidarische Gesellschaft - und das nicht nur mit Kaffee und Kuchen.

Annaberg-Buchholz.

Brunch, Musik, Info-Stände, Podiumsgespräche, Literatur und Theater, Kaffee und Kuchen und immer wieder die Einladung zum Dialog. Am morgigen Samstag gehört der Markt in Annaberg-Buchholz einem Bündnis aktiver Menschen aus Sachsen, Brandenburg und Thüringen, die für eine offene und solidarische Gesellschaft streiten. Mittendrin: engagierte Erzgebirger - unter anderem vom Schwarzenberger Verein Agenda Alternativ. Auch im Erzgebirge beobachten sie einen Rechtsruck, dem sie etwas entgegen setzen wollen.

"Rechte Strukturen, wie auch rechts orientierte Politik gliedert sich immer stärker in den Erzgebirgskreis ein", konstatiert der Verein Agenda Alternativ. Aufklärung dieser Thematik unter besonderer Beachtung der Identitären Bewegung und der AfD gelte dementsprechend das Hauptaugenmerk. Verstärkt werde dieser Rechtsruck von einer Bevölkerung, die wegschaut oder sogar Toleranz zeigt. Besonders gut zeigen das aus Sicht des Vereines die Kommunalwahlen mit einem Ergebnis von 21,4 Prozent für die AfD und zwei Sitzen im Kreistag für die NPD. Bei der Neubesetzung der Kreistagsausschüsse habe sich zudem gezeigt, wie schwer der Umgang mit Neonazis für viele Abgeordnete ist: Auf Druck eines NPD-Mitgliedes wurde für die Erweiterung des Finanzausschusses gestimmt. Nur durch Losglück konnte sein Einzug verhindert werden. "Gegen Nazis hilft aber kein Glück, sondern nur kontinuierliches Engagement und eine klare Haltung", argumentieren die Vereinsmitglieder.


Es soll in Annaberg-Buchholz aber auch gezeigt werden, "dass Ausgrenzung und Hass kein Teil des alltäglichen Lebens sein dürfen, sondern dass sich die lokale Politik, wie auch jeder Einzelne für ein Vielfältiges und gutes Leben für alle einsetzen sollte", erläutert Theresa Lippert vom Verein. Konkrete Versäumnisse in der lokalen Politik sehen die Mitgestalter des Aktionstages unter anderem in einer zu starken Konzentration auf den Profifußball und in einem fehlenden Interesse, die Kinder- und Jugendarbeit besser zu unterstützen. Zudem wird der politische Wille vermisst, über den von der sächsischen Landesregierung empfohlenen und finanzierten Schlüssel für die Betreuung von dezentral untergebrachten Geflüchteten selbst Geld in die Hand zu nehmen. Eine Podiumsdiskussion wird sich am Samstag zudem dem Thema Frauenhaus im Erzgebirge widmen. Im vergangenen Jahr war mittels einer Petition des Landesfrauenrates Sachsen die Schaffung eines Frauenhauses im Erzgebirgskreis angeregt worden. Trotz zahlreicher Unterschriften und dem Wissen des Problems um Gewalt gegen Frauen wurde in den politischen Gremien kein Bedarf für eine entsprechende Einrichtung gesehen, da es bereits Schutzwohnungen gebe. So bleibt der Erzgebirgskreis der einzige sächsische Landkreis ohne Frauenhaus.

Neben der Podiumsdiskussion wird es Informationsstände verschiedener lokaler und überregionaler Initiativen geben. Und es wird zum großen Mitmachbrunch eingeladen, an dem sich unter anderem auch der hiesige Verein Lichtfabrik aus dem neuen Konsulat mit beteiligen wird. "Gerade in Bezug auf die anstehenden Landtagswahlen im September ist es wichtig zu zeigen, dass auch in Sachsen viele Menschen leben, die sich ein buntes und offenes Miteinander wünschen", begründet Franziska Siegert das Engagement des Vereines. Dessen Mitglieder sorgen zum Brunch für Brötchen, Besteck und Geschirr. Ansonsten ist jeder aufgerufen, etwas Leckeres zu essen mitzubringen, was mit allen geteilt werden kann.

Die Initiative hat sich für ihre Tour bewusst für zentrale Kleinstädte entschieden. Sie möchten damit den ländlichen Raum unterstützen. Um dabei so viele Menschen wie möglich zu erreichen, werden bewusst öffentliche Räume, wie zum Beispiel Marktplätze genutzt. Annaberg-Buchholz ist dabei der einzige Veranstaltungsort im Erzgebirge.


Das Programm

10 Uhr: Infostände verschiedener lokaler und überregionaler Initiativen und Vereine; Mitbringbrunch und Musik von Mundart Künstler George Martin, DJ Ska Fish und Handzahm

12.30 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema Frauenhaus im Erzgebirgskreis

13.30 Uhr: Musik und Redebeiträge

16 Uhr: Lesung mit Olaf Sundermeyer

17 Uhr: Theaterstück NSU-Monologe (im Erzhammer)

18 Uhr: Konzerte und Redebeiträge von unterschiedlichen lokalen und überregionalen Initiativen

zusätzlich: Tafel des Vereines RAA Sachsen zu rechter Gewalt in Sachsen; Dialogcafé von Aufbruch Ost zu den Themen Wende, Nachwendezeit und Treuhand; Chilloutlounge mit Shishabar ab 18 Uhr; Kinderbetreuung mit Kinderschminken, Gipsmasken, Hüpfburg und andere Angebote

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
4Kommentare
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  • 3
    0
    Dorpat
    05.08.2019

    Wieviele Besucher kamen nach der gigantischen Ankündigung?

  • 1
    0
    Dorpat
    05.08.2019

    Gab es da richtig Brunch?

  • 8
    2
    Lesemuffel
    03.08.2019

    Eines Tages wird das ganze Land voller Bündnisse sein, aber leider keine Probleme lösen, die die Bürger brennend bewegen. Der indirekt drohende Zeigefinger gegen die Menschen, die eine andere Meinung vertreten stösst ab. Wieviele Bündnisse gibt es eigentlich seit 10 Jahren? Was haben die erreicht? Gibt es noch alle? Es erinnert an die Hilflosigkeit der Ex-DDR Funktionäre "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis".

  • 10
    2
    ralf66
    02.08.2019

    Was will denn dieses Bündnis, nicht ein wirkliches Problem in diesem Land spricht dieses Bündnis an?! Wenn man nicht einmal merkt, sich ständig wieder vor den Tatsachen verschließt, warum rechts gewählt wird, dafür immer neue Ausreden wie zu starke Konzentration auf den Profifußball oder fehlende Jugendarbeit findet, auch ein Frauenhaus wird nicht der Reiser werden den man sich verspricht, dann kann man meiner Ansicht nach mit diesem Bündnis gar nichts ändern und die Politikverdrossenheit nicht beseitigen. Mit Abgeordneten von der AfD kann man sich bestimmt auseinandersetzen wenn man das nur will, dass dürfte doch für politisch kluge und in allen Dingen versierte Kommunalpolitiker der Altparteien nicht schwer sein. Podiumsdiskussionen, Diskussionen ohne Podium, Gespräche und was weiß ich noch alles, ja vom Reden wird doch nichts, geredet wird doch ständig immer wieder und immer wieder, aber immer wieder an den Problemen vorbei. Die Probleme sind soziale und berufliche Sicherheit, sichere Renten, eine gute Krankenversorgung auf dem Land, Straßenbau, die noch immer unterdurchschnittlichen Löhne, zu wenig Kita-Plätze Migration, Kriminalität, zu hohe Lebenshaltungskosten, kein einziges Wort von real existierenden Problemen ist hier im Artikel zu lesen!



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